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Im Gespräch: Andre Agassi : Hat Ihnen Tennis einen Schlag versetzt?

  • -Aktualisiert am

Vom schlichten Bedürfnis, ehrlich zu sein: Andre Agassi Bild:

Mit seiner schonungslos offenen Autobiographie hat Andre Agassi für Schlagzeilen gesorgt. Ein Gespräch über seinen Hass auf das Tennis, seine Liebe zu Steffi Graf, sein Toupet und ein Leben mit Lügen.

          7 Min.

          Vor der Andre Agassi College Preparatory Academy in Las Vegas wird Basketball gespielt. Zwei Mädchen winken dem Paten ihrer Schule zu. Er winkt zurück: „Das habe ich mir immer gewünscht - nach dem Unterricht mit Kumpels abzuhängen!“ Jetzt will er aber über seine Autobiographie reden.

          Warum haben Sie „Open“ geschrieben?

          Die letzten drei Monate meiner Karriere waren psychisch und physisch ungeheuer belastend. Meine Zuflucht war ein Buch namens „The Tender Bar“ von J. R. Moehringer.

          Mit falscher Mähne 1989
          Mit falscher Mähne 1989 : Bild: AP

          Die Geschichte von einem Mann, der als Kind in einer Kneipe seine Ersatzfamilie findet.

          Ja. Ich habe mich sehr mit dem Erzähler identifiziert und begann, mein Leben literarisch zu sehen. Ich wusste, dass es viele Perlen enthält, aber nicht, was meine Geschichte eigentlich war. Also machte ich mich daran, das zu entdecken. Und ich bat J. R. Moehringer, mir dabei zu helfen.

          „Der Hass zwingt mich in die Knie, die Liebe bringt mich wieder auf die Füße“, heißt es zu Beginn Ihres Buches. Was bedeutet das?

          Ich habe zeitlebens einen heimlichen, dunklen Hass auf das Tennis gepflegt. Am Morgen vor meinem letzten Turniermatch wachte ich auf dem Fußboden eines Hotels auf. Ich musste mich erinnern, wo ich war, wer ich bin. Ich war physisch und psychisch völlig erschöpft davon, so lange etwas gemacht zu haben, das ich nicht leiden konnte. Ich rappelte mich auf die Knie, mit einer enormen Anstrengung aus Hass, Angst und Schmerz. Doch als ich da so kniete, hörte ich meine Kinder und Stef im Nebenzimmer, und mich erfüllte eine Liebe, die mir auf die Füße half.

          Hassen Sie Tennis immer noch?

          Nein. Tennis hat mir zwei unschätzbare Geschenke gemacht, meine Schule und Stef. Ich habe meinen Preis gezahlt, und der ist wahrlich nicht gering gewesen. Aber zugleich habe ich ein riesiges Geschenk bekommen.

          Ihr Bekenntnis, 1997 Metamphetamin genommen zu haben, hat prompt für einen Skandal gesorgt. Warum sind Sie so offen im Buch?

          Es gibt tausend Mutmaßungen darüber: Er will in die Politik! Er hat Angst, dass es sowieso rauskommt! Er will sein Buch besser verkaufen! Aber was ist denn mit dem schlichten Bedürfnis, ehrlich zu sein? Soll ich vielleicht noch zehn Jahre warten, bevor ich ehrlich bin? Oder sollte ich es einfach niemals sein?

          Sie schildern auch, wie Sie der drohenden ATP-Sperre mit einer Lüge entgangen sind, nachdem man Metamphetamin in Ihrem Urin nachgewiesen hatte.

          Ich habe mich wahnsinnig dafür geschämt, und ich habe jeden Tag meines Lebens gesühnt. Ich habe damals eine zweite Chance erhalten. Die meisten Menschen würden für so etwas keine zweite Chance erhalten, und das ist mir schmerzlich bewusst. Dieses Buch ist ein Teil der Buße für die Drogengeschichte. Es hat es mich großen Mut gekostet. Aber meine Geschichte könnte vielleicht auch andere inspirieren. Und wenn das um den Preis geschieht, dass manche künftig weniger von mir halten, dann ist der ziemlich gering.

          Das Problem an einer Lüge ist ja oft, dass man sie mit weiteren Lügen aufrechterhalten muss.

          Ich habe viel gelogen. Mir war die Chance nicht vergönnt, mein eigenes Leben zu leben, und erst als ich mit dem Tennis aufhörte, konnte ich zurückblicken und mich dafür schämen, dass ich Drogen genommen habe, dass ich Journalisten nicht ins Gesicht sagen konnte, wie sehr ich Tennis hasse. Ich konnte das damals nicht einordnen, erst, nachdem ich das Spielen aufgegeben hatte. Ich hoffe, dass die gesamte Geschichte die einzelnen Ereignisse transzendiert.

          Was war das schlimmste Spiel Ihres Lebens?

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