https://www.faz.net/-gtl-8x8en

Kommentar : Nastase, die Profi-Dreckschleuder

  • -Aktualisiert am

Es ist schon seit den siebziger Jahren bekannt, zu welchem Unflat Ilie Nastase in der Lage ist. Bild: Reuters

Nastase wurde vom rumänischen Tennisverband als Geheimwaffe ins Spiel gebracht, um die Gegnerinnen zum Heulen zu bringen. Man muss sagen, er hat ganze Arbeit geleistet.

          Man könnte fragen: Hat die Welt keine wichtigeren Sorgen? Aber die Aufregung ist groß darüber, dass vergangene Woche ein alternder Rumäne in der Hafenstadt Constanta einen Satz vor sich hin murmelte, in dem er respektlos über die Hautfarbe von Serena Williams’ noch ungeborenem Kind mit ihrem weißen Verlobten spekulierte: „Schokolade mit Milch?“

          Dass dieser Satz überhaupt gehört, ernst genommen und von einer britischen Journalistin verbreitet wurde, liegt daran, dass dieser rumänische Ex-Beau Ilie Nastase heißt und ehemaliger Weltranglisten-Erster im Tennis ist. Wobei man wissen muss, dass der inzwischen Siebzigjährige ein begnadeter Tennis-Crack war. Aber dass schon seit den siebziger Jahren bekannt ist, zu welchem Unflat er in der Lage ist.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Sehr, sehr großzügig wurde ihm einst der Titel „Bucharest Buffoon“ verliehen, also Kasper aus Bukarest. Nastase war noch nie ein Fall für zart besaitete Naturen. Dass er vom rumänischen Tennisverband als Kapitän der Frauenmannschaft eingesetzt wurde, weckt deshalb den Verdacht: Nastase wurde als Geheimwaffe ins Spiel gebracht, als Profi-Dreckschleuder mit dem Ziel, die Gegnerinnen zum Heulen zu bringen.

          Vor dem Hintergrund dieser Theorie muss man sagen: Nastase hat ganze Arbeit geleistet. Am Rande der Fed-Cup-Begegnung zwischen Rumänien und Großbritannien gab er nicht nur den Williams-Satz von sich. Er baggerte die schwangere Teamchefin der Engländerinnen an und fragte sie bei zwei Gelegenheiten nach ihrer Telefonnummer.

          Er fing Streit mit einer Schiedsrichterin an, beleidigte die Team-Kapitänin zusätzlich mit einem obszönen Wort, das er dann auch noch auf die britische Nummer-eins-Spielerin Johanna Konta anwandte, so dass Letztere in Tränen ausbrach und ihr Match für 25 Minuten unterbrochen werden musste. Schrecklich? Nastase gab lediglich sein Bestes. Er flog zwar vom Platz, der Weltverband suspendierte ihn vorläufig und will den Fall untersuchen (was auch immer dabei herauskommen soll), aber seine Spielerinnen haben gewonnen.

          Nastase will sich auch nicht entschuldigen

          Serena Williams hat jetzt reagiert mit einem Zitat aus einem Gedicht der amerikanischen Bürgerrechtlerin Maya Angelou, in dem es an die Adresse von Rassisten heißt: „Du kannst auf mich mit deinen Worten schießen, versuchen mich mit deinem Hass zu vernichten, aber ich werde immer wieder wie Luft aufsteigen.“ Wunderbare Zeilen. Aber viel zu viel der Ehre für einen wie Nastase, der es sogar nötig hat, mit der Zahl der Frauen zu prahlen, die er angeblich erobert hat.

          Natürlich will sich Nastase auch nicht entschuldigen. Steckt mich doch ins Gefängnis, höhnt er. Und verweist darauf, dass er in grauer Vorzeit einmal die Nummer eins der Weltrangliste war und deshalb durch nichts beschädigt werden kann, nicht einmal durch sich selbst, und da hat er recht, das kennen wir hier auch.

          Weitere Themen

          Weltmeister-Glanz in Dresden

          Sieg von PSG bei Dynamo : Weltmeister-Glanz in Dresden

          Wenn er antritt, wird es gefährlich. Das wussten die Profis von Dynamo Dresden auch vorher. Gestoppt bekamen sie Kylian Mbappé deswegen aber nicht. Paris Saint-Germain schlägt die Sachsen mit 6:1.

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.