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„Ich glaube ihm nicht“ : Stimmen zum Rücktritt Ullrichs

  • Aktualisiert am

Die Reaktionen auf den Rücktritt Ullrichs fallen unterschiedlich aus Bild: dpa

Der Auftritt von Jan Ullrich hat meist kritische Reaktionen ausgelöst: DOSB-Chef Thomas Bach nennt Ullrichs Einstellung „fast tragisch“. Andere Stimmen sprechen von „Schadensbegrenzung“. Ein früherer Radprofi würde ihn „nicht auf Nachwuchsfahrer loslassen“.

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          Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Die Einstellung Ullrichs ist bedauerlich und fast tragisch. Er hat erneut eine Gelegenheit versäumt, zur Aufklärung des Sachverhaltes beizutragen. Dies ist seiner Glaubwürdigkeit nicht zuträglich. Ich habe vom ersten Tag an Jan Ullrich zur Abgabe einer DNA-Probe geraten.“

          Sylvia Schenk, Ex-Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR): „Es war ein peinlicher und trauriger Rundumschlag. Anstatt die Scherben zusammenzukehren, hat er völlig zugemacht. Ullrich hat überhaupt nicht verstanden, um was es im Kern geht, dass er dem Radsport durch seine Haltung unermesslich geschadet hat. Ich glaube ihm nicht.“

          Rudolf Scharping (Präsident, Bund Deutscher Radfahrer): „Ein großes Talent, so große Möglichkeiten und Erfolge - das alles könnte ohne Schatten strahlen, wären da nicht mindestens das letzte Jahr, die schwerwiegenden Indizien und eine verwirrende Verzögerungstaktik. Auch heute hat Jan Ullrich nichts zur Aufklärung beigetragen; stattdessen ein Rundumschlag. Das ist ein Schlusspunkt hinter einer sportlichen Karriere, der alle ein besseres Ende gewünscht hätten.“

          Wolfgang Strohband (Manager Jan Ullrich): „Ich bin froh, dass Jan eine gute Zukunft vor sich hat. Aber ich hätte ihn auch lieber weiter auf dem Rennrad gesehen. Ich war am Anfang gegen die Entscheidung, habe aber eingesehen, dass es keinen Sinn macht. Wir arbeiten weiter zusammen.“

          Karl Link (Olympiasieger 1964 mit Bahnvierer): „Ich finde es gut, dass er diesen Schlussstrich zieht und hoffe, dass nun Ruhe einkehrt und nicht immer alles aufgekocht wird. Ich sehe es gelassen, dass er als Berater und Werbeträger dem Radsport erhalten bleibt, weil das Volksbank-Team ohne ihn keinen hohen Stellenwert besitzt. In fachlichen Dingen kann er sicherlich hilfreich sein, aber auf Nachwuchsfahrer würde ich ihn nicht loslassen. Ich gehe davon aus, dass Jan Ullrich an diesem Dopingskandal beteiligt ist, weil mir seine Verzögerungstaktik komisch vorkommt.“

          Werner Franke (Molekularbiologie und Anti-Doping-Kämpfer aus Heidelberg): „Man konnte kein anderes Verhalten von Jan Ullrich erwarten wie jenes, das er heute bei seinem Auftritt gezeigt hat. Das ist Schadensbegrenzung. Was ist das übrigens für eine Pressekonferenz, wo keine Fragen gestellt werden dürfen? Warum gehen die Journalisten da hin? Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft in Bonn weiter ordentlich ermittelt. Auch ich werde im Zivilstreit weitergehen. Allein die Unterlagen der Guardia Civil in Spanien und die Ergebnisse der Hausdurchsuchungen bei Fuentes beweisen, dass da ein total kriminelles System dahinter steckt.“

          Helmut Digel (Vizepräsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes und Sportwissenschaftler): „Zunächst ist es sehr sinnvoll, dass Jan Ullrich seine Karriere beendet. Er selbst weiß am genauesten, was er getan und nicht getan hat. Der Fall Ullrich zeigt wieder einmal deutlich, dass im Anti-Doping-Kampf die bestehenden Systeme nicht ausreichen. Der Staat, vielmehr die europäische Staatengemeinschaft, ist hier gefordert. Wenn über acht Monate seit den ersten Verdächtigungen vergangen sind und man konnte den Fall immer noch nicht klären, dann stimmt was nicht.“

          Peter Becker (früherer Trainer): „Ich hätte es sehr gut gefunden, wenn er weiterfährt. Man muss es akzeptieren, auch wenn es schwerfällt. Er hat alles gesagt. Mit etwas Abstand sehen die Dinge vielleicht noch ein bisschen anders aus.“

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