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Hürdensprinterin Cindy Roleder : Weniger ist manchmal mehr

  • -Aktualisiert am

Wer, ich? Unglaublich! Cindy Roleders Silber-Lauf in Peking 2015 Bild: Picture-Alliance

Cindy Roleder war immer eine gute Hürdenläuferin. Doch erst, seit sie im Training neue Wege geht, ist sie eine herausragende. Bei der EM in Amsterdam hat sie nun ein klares Ziel vor Augen.

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          Es ist kaum ein Jahr her, dass Cindy Roleder in Peking die Nerven verlor. 12,59 Sekunden über die Hürden. Persönliche Bestleistung. WM-Silber. Wahnsinn. Die blonde Chemnitzerin im Dienste des SC DHfK Leipzig, die ungläubig die Hände über dem Kopf zusammenschlug und sich wie im Wahn im Kreis drehte, war eines der Bilder der Welttitelkämpfe. Seitdem ist sie auch ein Gesicht der deutschen Leichtathletik, die erfolgreich ist wie lange nicht. Auch Cindy Roleder will ihren Teil beitragen zum Medaillenkollektiv in Rio bei den Olympischen Spielen – und auch jetzt schon an diesem Donnerstag im Endlauf der Europameisterschaft in Amsterdam.

          „Ich habe mich nicht verändert“, sagt sie. Und doch ist es ein neues Selbstbewusstsein, das sie seit jenem Tag in Peking schmückt. Ihr Ehrgeiz ließ sie früher oft verkrampfen. Das ist inzwischen anders. In der Vorbereitung war sie stets gut gelaunt, auch wenn andere mal schneller waren – und dann abwinkten, wenn es hieß, mit ihr sei in diesem Jahr nicht zu rechnen. „Viele denken, man kann es jeden Tag schaffen. Jeden Tag Bestleistung laufen. Aber das ist ja nicht so.“ Cindy Roleder lässt sich nicht beirren, auch wenn die Zeiten noch nicht passten – die Wettkämpfe, inklusive der deutschen Meisterschaften, bestritt sie allesamt aus dem vollen Training heraus. „Was ich im Vorfeld gelaufen bin, interessiert niemanden mehr, wenn ich in Rio im Finale stehe.“

          Ein neues Selbstbewusstsein, wie gesagt. Dabei war Cindy Roleder lange gut – aber eben nie herausragend. Reichte es national für die Spitze, war auf den Laufbahnen der Welt meist das Finale nicht drin. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 war im Halbfinale Endstation. Cindy Roleder zog die Konsequenzen. „Ich war es Leid, im Endlauf immer auf der Tribüne zu sitzen. Ich musste etwas anders machen.“

          Vom Turnen profitiert sie noch heute: Cindy Roleder beim Lauf über die Hürden
          Vom Turnen profitiert sie noch heute: Cindy Roleder beim Lauf über die Hürden : Bild: Picture-Alliance

          Seit zwei Jahren geht sie neue Wege – im Siebenkampftraining. Was als Kurzschlussreaktion begann, ist ihr inzwischen ein echter Mehrwert im Training. Auch als Motivationsschub: „Es tut gut, nicht immer nur stur Hürden zu laufen“, sagt sie. Das „Weniger“ an Hürden brachte ein „Mehr“ an Qualität. Im vergangenen Jahr startete sie bei manchem Wettkampf in allen Disziplinen. Das kam in diesem Jahr wegen Olympia nicht in Frage. Roleder ist voll fokussiert. Ihr Arbeitgeber, die Bundespolizei, hat sie komplett freigestellt, um sich gänzlich auf den Sport zu konzentrieren.

          Nächstes Jahr, sagt sie, will sie es mit dem Siebenkampf aber auch im Wettbewerb nochmal versuchen. Auch wenn ein kompletter Wechsel nicht in Frage kommt. „Dafür läuft es bei den Hürden einfach gerade zu gut.“ Der Rhythmus der Hürden ist längst ihr eigener geworden. Das zeigt sich auch an der Wahrnehmung durch die Konkurrenz, seit sie in Peking Silber gewann: „Früher war ich immer nur die Kleine. Jetzt kennt man meinen Namen. Ich muss mich nicht mehr verstecken“, sagt sie. Die anderen haben Respekt, linsen auch mal, was sie beim Aufwärmen macht. Und Cindy Roleder ist auch am Start noch stärker geworden. Auch das ist als Kampfansage an die Konkurrenz zu verstehen.

          Über Umwege zur Leichtathletik

          Dabei war sie überhaupt nur über Umwege zur Leichtathletik gekommen. Die Eltern schickten sie früh zum Turnen. Sie sei als Kind Zuhause sicher ziemlich anstrengend gewesen mit ihrem enormen Bewegungsdrang, erzählt sie und lacht. „Fürs Turnen war ich irgendwann zu groß“, sagt die 1,78 Meter große Blonde. „Aber von dem Körpergefühl und dem koordinativen Verständnis profitiere ich heute noch.“ Weiter ging es zum Fußball, der Papa trainierte, da lag das nahe. Dann in der vierten Klasse kam in der Schule Jugend trainiert für Olympia. Als Jahrgangsschnellste drückte ihr der Trainer einen Zettel in die Hand, sie solle sich doch mal melden und beim Training vorbeischauen. Nun ist sie im August mit 26 Jahren tatsächlich bei Olympia, zum zweiten Mal in ihrer Karriere. Und dieses Jahr will sie auch da die Schnellste sein.

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