https://www.faz.net/-gtl-8052s

Handball-Bundesliga : Ein kantiger Motivator für den HSV

  • -Aktualisiert am

Der Hamburger Kandidat: Der HSV will Michael Biegler als Trainer verpflichten Bild: dpa

Die großen Zeiten des HSV Hamburg sind vorerst vorbei. Der Handball-Bundesligaklub wirbt daher um den polnischen Nationaltrainer Michael Biegler. Der ist wie geschaffen für den Großklub – eigentlich.

          Es versucht keiner mehr, irgendetwas zu verheimlichen. „Die Gespräche laufen“, hat Michael Biegler gesagt, und Christian Fitzek rührt schon seit längerem die Werbetrommel für seinen ehemaligen Partner aus Göppinger Zeiten: „Michael Biegler ist für den HSV die beste Lösung.“ Wenn es nach den beiden geht, ist also längst klar, wer den Hamburger Handball-Klub in der Saison 2015/2016 trainieren wird.

          Mit dem heute 53 Jahre alten Biegler hat der Hamburger Geschäftsführer Fitzek 2002/2003 bei FrischAuf in Göppingen zusammengearbeitet; Fitzek als Trainer, Biegler als Assistent. Nun ist es Fitzeks ausdrücklicher Wunsch, den erfahrenen Handball-Lehrer nach Hamburg zu holen, um mehr als Mittelmaß zu erreichen mit dem Verein, der nicht mehr die finanziellen Mittel hat wie früher.

          Es könnte also alles relativ simpel sein, wäre da nicht Bieglers Vertrag beim polnischen Handballverband bis 2016. Nach der Empörung des polnischen Verbandspräsidenten Andrzej Krasnicki darüber, „seinen“ Nationaltrainer zu hofieren, soll es inzwischen immerhin eine konkrete Verhandlungsposition geben. Anfang März soll die Elefantenrunde mit Fitzek, Biegler und Krasnicki zusammenkommen, um eine Lösung zu finden.

          Die Sache ist deswegen nicht einfach, weil Biegler mit den Polen sehr erfolgreich gearbeitet hat - der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft in Qatar im Januar war der jüngste Beleg seiner Qualitäten. Da wäre es nur logisch, erntete „Beagle“, so Bieglers Spitzname, die Früchte seiner Arbeit bei der Europameisterschaft 2016 in Polen. Krasnicki würde ihn ungern kurz vor dem Handballfest im eigenen Land ziehen lassen. So steht eine Doppelfunktion bis Ende Februar 2016 im Raum - besonders beliebt ist diese Variante beim HSV Hamburg aber nicht. Das große Geld, um Biegler aus Polen abzulösen, ist allerdings auch nicht vorhanden.

          Rudolph kann sich mit Biegler anfreunden

          Die Frage ist, was Biegler selbst will. Schon einmal hat er die doppelte Rolle eingenommen. Im Mai 2013 übernahm er den SC DHfK Leipzig zusätzlich zu seinen polnischen Aufgaben und bewahrte das Team vor dem Abstieg aus der zweiten Liga. In Leipzig steht der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar dem Aufsichtsrat vor. Kretzschmar und Biegler sind seit langem befreundet. Auch in Hamburg hat Kretzschmar Einfluss - er tauscht sich oft mit Mäzen und Hauptanteilseigner Andreas Rudolph aus. Kretzschmar hat für Biegler in Hamburg vorgefühlt. Mit dieser Personalie könnte sich der nach wie vor mächtige Rudolph anfreunden.

          Alle zusammen werden beantworten müssen, wohin der Weg des Champions-League-Siegers von 2013 gehen soll. Einen sehr viel stärkeren Kader als in diesem Jahr würde Biegler kaum zugestanden bekommen. Dem Vernehmen nach ist Rudolph nicht bereit, den Etat weit über die aktuellen etwa sechs Millionen Euro aufzustocken. Damit - einen optimalen Verlauf vorausgesetzt - wird sich der HSV im oberen Mittelfeld wiederfinden. Derzeit ist es Rang neun - unter Trainer Jens Häusler. Er hatte den Job vom entlassenen Christian Gaudin übernommen und wird, sollte Biegler kommen, wieder Assistent werden.

          Biegler macht sich einen Namen als Trainer

          Biegler ist ein Typ mit Ecken und Kanten und gewiss kein einfacher Charakter. Ein Fachmann, ein Coaching- und Motivations-Spezialist ohne Angst vor öffentlichen Urteilen. Und damit eigentlich wie geschaffen für einen Großklub wie den HSV. Zu seiner Alkoholsucht Anfang des Jahrtausends hat sich Biegler bekannt. Inzwischen gilt er nach einer Therapie als geheilt. Nicht einmal verkocht im Essen nehme er noch Alkohol zu sich. „Ich habe das hinter mir“, sagt Biegler. Er geht gelassen mit dem Gestern um. Wegen seiner Vergangenheit gab es aber immer wieder Vorbehalte für eine Aufgabe bei einem der entscheidenden Vereine.

          Nach Jahren als Ko-Trainer der deutschen Nationalmannschaft und der Zeit in Göppingen machte sich Biegler in Wilhelmshaven einen Namen als Bundesliga-Cheftrainer. Fünf Jahre verhalf er dem WHV trotz geringen Budgets zu vergleichsweise großen Erfolgen. In Großwallstadt, wo er heute noch mit Frau und Tochter gleich am Main wohnt, warf man ihn Ende 2010 raus. Auch das Jahr zuvor beim SC Magdeburg war alles andere als geräuschlos verlaufen und endete nach nur einer Saison. Biegler eckt an, er ist kein Diplomat, der vor dem Präsidenten oder dem Geldgeber kuscht. Insofern könnte die Kombination Biegler/Rudolph beim HSV eine durchaus spannende sein. Irgendeinen Impuls, der ihn aus dem Mittelmaß befreit, benötigt der HSV jedenfalls. Sonst wird es schwer, langfristig einen Platz in der Hamburger Sportszene zu behalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hat sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato-Staaten bekannt: Annegret Kramp-Karrenbauer

          Akks Wehretat : Der Streit schwelt weiter

          Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftigt das Ziel der Nato, dass die Verteidigungsausgaben steigen sollen. Das provoziert Widerstand – in der Opposition und selbst beim Koalitionspartner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.