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HSV Hamburg : Tragödie um Trainer Schwalb

  • -Aktualisiert am

Martin Schwalb Bild: dapd

Die Nachricht schockiert den deutschen Handball: Nach einem Herzinfarkt ist der Hamburger Trainer Martin Schwalb notoperiert worden. Zuvor war er beim HSV entlassen worden.

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          Ganz abrupt wurde man in diesem Moment daran erinnert, dass hinter all den Erfolgen und Misserfolgen, den scheinbar unendlichen Negativschlagzeilen, für die der HSV Hamburg zuletzt gesorgt hat, auch Menschen stehen. Menschen, die all das sehr mitnimmt, was zuletzt rund um den Champions-League-Sieger von 2013 geschah. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Freitagmittag die Kunde, dass Martin Schwalb einen Herzinfarkt erlitten hat.

          Der 51 Jahre alte Hamburger Handball-Trainer war am Donnerstagabend von seinen Aufgaben als sportlich Hauptverantwortlicher entbunden worden; der Klub bestätigte die Entlassung aber offenbar aus Rücksichtnahme nicht. Und just noch am Donnerstagabend wurde Schwalb im Asklepios-Unfallkrankenhaus in Heidberg-Ochsenzoll notoperiert. Die Ärzte retteten durch den vierstündigen Eingriff sein Leben. Am Freitagmorgen habe Schwalb sich auf der Intensivstation in „stabilem Zustand“ befunden, hieß es. „Ihm geht es den Umständen entsprechend besser“, sagte der scheidende Hamburger Geschäftsführer Holger Liekefett am Freitagnachmittag. Er selbst habe von Schwalbs Infarkt auch erst am Freitagmorgen erfahren.

          Die Nachricht schockierte den deutschen Handball. Bei aller gebotenen Vorsicht und möglicher Fehleinschätzung seiner Stimmungslage hatte man Schwalb für jemanden gehalten, der bei Bedarf auf Abstand zum Geschäft gehen konnte. Noch am Mittwoch hatte Schwalb auf Presseanfragen gewohnt zurückhaltend reagiert. „Dazu gibt es derzeit nichts zu sagen“, antwortete Schwalb auf Fragen, ob er nach der Lizenzerteilung nun auch wieder eine Zukunft als Coach des HSV sehe, den er mit einer einjährigen Unterbrechung seit 2005 betreute. Da pfiffen es die Spatzen bereits von den Dächern, dass sowohl Liekefett, der den Verein demnächst verlassen wird, und der allmächtige Geldgeber Andreas Rudolph sich von Schwalb trennen wollten. Das Verhältnis zu Rudolph war aus verschiedenen Gründen schon länger zerrüttet; Liekefett hatte Schwalb die Misserfolge der abgelaufenen Saison vorgeworfen.

          Als Bundestrainer gehandelt

          Klar ist, dass auch Schwalb den enormen Druck als Hamburger Handball-Lehrer manchmal kaum aushielt: „Ich will nicht mehr alle drei Tage vornweg laufen und auf die Pauke hauen“, hatte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein halbes Jahr vor seinem Ausstieg als Trainer und Aufstieg zum Geschäftsführer 2011 gesagt. Da war das Team mit ihm gerade Meister geworden. Doch nach einer unglücklich verlaufenen ersten Saisonhälfte kehrte Schwalb auf die Bank zurück.

          Danach hatte man ihm auch im persönlichen Kontakt angemerkt, wie zehrend der Job in einem komplizierten Verein war. Schwalb wurde unnahbarer, vor allem bei öffentlichen Auftritten. Womöglich zum Selbstschutz. Wie sehr ihn, den bekennenden Teamplayer, nun die Diskussionen um seinen Verbleib im Amt beschäftigt haben mögen, ist nur zu erahnen. Zuletzt war Schwalb für den Posten des Bundestrainers gehandelt worden. Eine Aufgabe, die nach seinen Erfolgen beim HSV Hamburg und als Spieler ohne weiteres zu ihm gepasst hätte. Nun wird sein größtes Ziel die vollständige Genesung sein.

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