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HSV Hamburg : Kampfansage des Türöffners Rost

  • -Aktualisiert am

Aus dem Stadion in die Halle: Frank Rost Bild: dpa

Zurück zu den Wurzeln: Der frühere Fußballprofi Frank Rost präsentiert sich auch als Handball-Geschäftsführer des HSV Hamburg mit bekannter Angriffslust. Seine Eltern als ehemalige Handballspieler freuen sich.

          Frank Rost hatte sich für seinen ersten öffentlichen Auftritt als Geschäftsführer der HSV-Handballspieler in Schale geworfen: blauer Anzug, weißes Hemd, beige Krawatte und dazu passende Schuhe, die aussahen, als hätte er sie erst am Morgen in Mailand gekauft. Das Äußere beim frisch frisierten, braungebrannten Rost war geschmeidig, doch das Kämpferische, Angriffslustige, das den ehemaligen Fußballtorwart immer auszeichnete (und viele nervte) steckte in jedem seiner Sätze.

          „Wenn alles super wäre, würde ich hier nicht sitzen“, sagte Rost am Mittwochnachmittag. „Hätte der HSV die Champions League nicht gewonnen, wäre es die schlechteste Saison seit 2005.“ Der 39 Jahre alte Rost soll künftig mithelfen, die Hamburger dauerhaft zum Kieler Hauptkonkurrenten zu machen.

          Es sieht nicht rosig aus

          Denn hinter den Kulissen sieht es beim HSV weniger rosig aus, als der große Triumph gegen den FC Barcelona Anfang Juni glauben lässt. Die Zuschauerzahlen sind gesunken, die Sponsorensuche verläuft schleppend, und um den Etat von gut acht Millionen Euro zu stemmen, müssen sich alle Beteiligten mächtig zur Decke strecken. Von der Hamburger Wirtschaft werden die Handballspieler nicht gerade mit offenen Armen empfangen.

          Es war ein Alarmsignal für den HSV und seinen Präsidenten Matthias Rudolph, dass der THW Kiel die Hamburger beim Werben um Domagoj Duvnjak überbieten konnte - der beste und wertvollste Spieler des HSV geht im nächsten Sommer zum THW. Fast 30000 Euro im Monat hatte Rudolph den beiden Beratern des Kroaten für einen neuen Vertrag Duvnjaks von 2014 an geboten; den Zuschlag bekam Kiel, wo der wurfstarke Spielmacher knapp 500000 Euro im Jahr einstreichen soll.

          „Meine Eltern finden es richtig gut“

          „Wir sind sehr traurig, dass er geht“, sagte Matthias Rudolph, Bruder des ehemaligen Vereinsbosses und Finanziers Andreas. „Wir hatten ein Paket geschnürt, das er eigentlich nicht ablehnen konnte. Es tut besonders weh, dass er zum ärgsten Konkurrenten geht.“ Rost hörte gespannt zu; er hat gleich erfahren, dass das Feilschen um die stärksten Kräfte dem Fußball ähnelt, mögen auch zwei Nullen weniger beim Gehalt stehen.

          Zusammen mit Christoph Wendt soll sich Rost um das Geschäftliche kümmern. Sein abgeschlossenes BWL-Fernstudium soll im ersten Job nach der Fußballkarriere helfen - wobei Rost handballerisch sozialisiert ist: sein Vater Peter war mit der DDR Handball-Olympiasieger 1980; seine Mutter Christa holte 1976 die Silbermedaille. Im Leipziger Hause Rost sei es ständig um Handball gegangen, erzählte er: „Meine Eltern finden es richtig gut, dass ich jetzt zu meinen Wurzeln zurückkehre.“

          Er nimmt weiter kein Blatt vor den Mund

          Kurios ist dabei die Geschichte, wie es zur Zusammenarbeit des Handballklubs mit dem unbequemen Fußballtorwart kam. Rost hatte sich im April beim FC Ingolstadt umgesehen, einem möglichen Betätigungsfeld für ihn. Beim Rückflug traf er Andreas Rudolph. Der fragte ihn: „Warum machst Du nicht was bei uns?“ Rost antwortete: „Meinst Du das ernst?“ Am nächsten Tag rief Rudolph an. Seitdem verhandelte man. Heraus kam: ein für Rost unbefristeter Vertrag. Kein anderer Handball-Klub hat einen solch namhaften Berufsanfänger in seinen Reihen.

          Nicht blenden lassen: Der HSV Hamburg ist Champions-League-Sieger mit Sorgen

          Dass Rost kein Blatt vor den Mund nimmt, wurde schnell klar. „Der Handball liegt derzeit am Boden, weil wir nicht bei der EM dabei sind“, sagte er, „und wenn ich mit Nicht-Handballern über den HSV rede, wissen viele gar nicht, dass es ihn gibt. Daran muss sich etwas ändern.“ Werbeverhandlungen mit potentiellen Geldgebern werden das eine sein, seine bloße Präsenz das andere: „Wenn ein Frank Rost mit am Tisch sitzt, wird sich ein Unternehmen uns gegenüber ganz anders verhalten“, hofft Matthias Rudolph.

          Für die Berater wird es nicht angenehmer

          Rost soll also auch Türöffner auf einem neuen Weg des HSV sein, der zu mehr Identifikation mit dem Klub in der Stadt führen soll. „Es gibt nur drei Vereine, bei denen die ganze Stadt für den Handball lebt“, sagte Rudolph und meinte Magdeburg, Kiel und Flensburg: „Denen wollen wir uns annähern.“

          Doch bei Repräsentationsaufgaben wird es der machtbewusste Rost nicht belassen. Auf die Frage zur Aufgabenverteilung sagte er: „Der sportliche Chef ist Martin Schwalb.“ Der Trainer hatte sich gewünscht, von anderen als sportlichen Aufgaben entbunden zu werden. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Schwalb wird mit der neu gestalteten Mannschaft genug zu tun haben. Rost wäre nicht Rost, hätte er keinen Blick auf den „Leistungssport“ - also die Mannschaft.

          „Wir arbeiten hier als kleines, schlagkräftiges Team“, sagte er, „da wird es Überschneidungen geben. Wenn ich etwas unterschreiben soll, hinter dem ich nicht stehe, werde ich nicht unterschreiben.“ Für die Handballberater dieser Welt wird es im Kontakt mit dem Champions-League-Sieger HSV nicht unbedingt angenehmer werden. Dafür wird Frank Rost schon sorgen.

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