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Hockeyspieler Fürste : Zurück zum Ich

  • -Aktualisiert am

Bester Spieler der EM: Deshalb ist Fürste längst kein reicher Mann Bild: picture alliance / dpa

Während die deutsche Nationalmannschaft bei der Champions Trophy spielt, befreit sich Hockeystar Moritz Fürste aus eigener Kraft aus einem Tal. Selbst eine Pause wegen einer Knieverletzung sieht er als Chance.

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          Mit dem Gedankenspiel, welche finanziellen Folgen es hätte, zum besten Spieler einer Fußball-EM gewählt zu werden, muss man Moritz Fürste nicht kommen. Er findet die Frage wenig originell - und auch nicht sehr sinnvoll. „Der Vergleich zwischen Fußball und Hockey hinkt einfach zu sehr“, sagt Fürste höflich, erzählt aber noch, dass Hockey-Weltmeisterin Luciana Aymar 2010 Sportler des Jahres Argentiniens geworden ist. Und nicht Messi.

          Aber hat er nie mal abends vor dem Einschlafen ein klitzekleines bisschen darüber nachgedacht, was aus ihm werden würde, soeben ausgezeichnet mit dem Prädikat des besten Akteurs der kontinentalen Titelkämpfe in diesem Sommer? Fürste denkt kurz nach und sagt: „Ich könnte jetzt erzählen, der Einzelne sei in einer Mannschaftssportart nicht so wichtig, ich hätte nur meinen Teil beigetragen, blablabla. In Wirklichkeit bin ich aber megastolz auf diese Auszeichnung.“

          Die Europameisterschaft im August in Mönchengladbach war ein Turnier, dem der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler seinen Stempel aufdrückte. Nun ist er seitdem nicht zum Millionär geworden, natürlich nicht, es geht ja um Hockey. Ein wenig mehr öffentliche Aufmerksamkeit hat es aber schon gegeben - als Botschafter des „Grünen Bandes“ etwa -, und zumindest der Gedanke, sich zukünftig von einer Agentur vermarkten zu lassen, ist Moritz Fürste gekommen. Das sei aber noch nicht spruchreif.

          Kreuzband im rechten Knie angerissen

          Er war schon Olympiasieger, Weltmeister und mit seinem Hamburger Klub Uhlenhorster HC Sieger der Euro Hockey League, ehe die persönliche Krönung im Sommer folgte. Am 28. August gewann Deutschland auch dank eines Fürste-Treffers 4:2 gegen die Niederlande, am 10. September sollte die Bundesligasaison starten. Nach einer ganz kurzen Pause trainierte Fürste wieder mit dem UHC. Es passierte an einem Donnerstag, Anfang September: irgendeine Bewegung, ein Zweikampf, Fürste weiß es selbst nicht mehr - und das Kreuzband im rechten Knie war angerissen. Er sagt: „Ich dachte die Tage danach, dass ich gleich wieder spielen kann, weil es kaum wehtat und ich fast normal gehen konnte.“

          Vorbild Luciana Aymar: Die Hockeyspielerin ist Argentiniens Sportler des Jahres geworden - und nicht Messi

          Ganz so glimpflich kam er nicht davon. Immerhin musste er nicht operiert werden. Überhaupt bemüht sich Moritz Fürste, der ersten großen Verletzung seiner Laufbahn keine allzu große Bedeutung beizumessen. Er will nichts dramatisieren in diesen Tagen der ermüdenden Rehabilitation, sondern nach vorn schauen. „Ich habe acht Reha-Einheiten die Woche“, sagt er, „ich sehe diese Hockeypause als große Chance, fitter zu werden als vorher.“ Da ist Bundestrainer Markus Weise ganz bei seinem besten Spieler. Weder er noch Fürste fürchten den Ausfall für die Olympischen Spiele 2012 in London. Zum zentralen Vorbereitungslehrgang im März in Südafrika soll Fürste zurückkehren.

          Alle Marotten abgelegt

          Weise und die erste Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes sind gerade in Neuseeland; dort findet seit Samstag die Champions Trophy statt. Deutschland begann mit einem 2:1 gegen Gastgeber Neuseeland und versucht es - wegen Verletzungen oder nahender Abschlussarbeiten - ohne sechs Stammspieler, die im EM-Finale zur ersten Elf gehörten. Fürste war schon einmal in Neuseeland. Trotzdem wäre er gern mitgeflogen. Weise war dagegen: In Hamburg sieht er bessere Reha-Möglichkeiten für seinen Spieler.

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