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WM in Holland : In einer schöneren Hockeywelt

Große Nummer: Den Haag freut sich auf die Hockey-WM. Bild: dpa

Die WM in der Hockey-Hochburg Niederlande dürfte den deutschen Teams mal wieder vor Augen führen, was in ihrer Sportart über die großen Erfolge hinaus möglich ist.

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          Das Motto der Veranstaltung hätte man nicht besser wählen können. „Let's celebrate hockey“ hat der niederländische Hockey-Verband (KNHB) als Titel über die Doppel-Weltmeisterschaft der Damen und Herren in Den Haag geschrieben, die zumindest die Hockeywelt seit diesem Samstag für 16 Tage in Atem halten soll. Doch nicht nur das Motto, auch der Veranstalter hätte nicht besser gewählt werden können.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Seit das Internationale Olympische Komitee Hockey nach den Spielen in London 2012 quasi die Gelbe Karte gezeigt hatte und die Traditionssportart auf die Liste der bei Olympia stark bedrohten Arten geraten war, ist der Internationale Hockey-Verband (FIH) mehr denn je auf gute Nachrichten angewiesen, die vor allem eins bedeuten: Popularität, so viel wie möglich, und das auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen und Portalen. Das scheint nirgends mehr gegeben als bei einer WM in den Niederlanden.

          Es geht um die olympische Zukunft

          Die Zahlen, die der KNHB vor Turnierbeginn prognostiziert, müssen der FIH überaus gefallen. Für die 76 Spiele im mit einem Kunstrasen versehenen Fußballstadion von ADO Den Haag (15.000 Plätze) und auf der eigens auf der Anlage errichteten temporären Zweitarena (5000 Plätze) rechnen die Veranstalter mit mindestens 250.000 Besuchern. Noch wichtiger für das IOC und damit auch für die FIH sind aber andere Zahlen – weltweit wird mit 386 Millionen Fernsehzuschauern kalkuliert.

          Dazu soll noch die ein oder andere Million Interessierter kommen, die das Geschehen in Den Haag via Livestream, etwa über den Youtube-Kanal, verfolgt. Das klingt vielversprechend, allerdings ist der Termin der Titelkämpfe überaus selbstbewusst gewählt. Wenn in Den Haag in der zweiten Turnierwoche die entscheidende Phase mit den Halbfinalspielen ansteht, beginnt in Brasilien die Fußball-WM, was Hockey viel mediale Aufmerksamkeit kosten könnte. Genau das aber wäre in der momentanen Diskussion um die olympische Zukunft eigentlich unbedingt zu vermeiden.

          Wie populär Hockey sein kann, wird in Den Haag auch den beiden deutschen Teams vorgeführt, die zwar überaus erfolgreich ihrem Sport nachgehen, in der Heimat aber traditionell eher ein Schattendasein führen. Übertreten sie die Grenze in das Nachbarland, geraten sie dagegen in eine andere, schönere Hockeywelt, mit ansprechenden Zuschauerzahlen, Live-Berichterstattung der Ligaspiele im Fernsehen und einem generell hohen Interesse im ganzen Land.

          In den Niederlanden ist Hockey hinter Fußball eine der gepflegten und geförderten großen Sportarten, die sich über mangelnde Sponsoren oder Werbepartner nicht beklagen kann, woraus sich eben auch gute Verdienstmöglichkeiten für die Spieler während, aber auch nach der Karriere ergeben. Hockeyspieler in den Niederlanden sind so auch für die Werbung interessante Partner. Trotz aller Erfolge ist das in Deutschland so gut wie unmöglich. Die deutschen Herren mögen zwar als Olympiasieger und Europameister anreisen und deshalb die Möglichkeit haben, alle drei großen Titel gleichzeitig in ihren Besitz zu bringen – doch fragt man in deutschen Hockeyvereinen herum, sind die Namen vieler Nationalspieler nicht einmal dort präsent.

          Herren-Bundestrainer Markus Weise baut auf den starken deutschen Nachwuchs.

          Das wird sich auch nach Den Haag vermutlich nicht ändern, obwohl Sport1 immerhin 33 Spiele live überträgt und alle deutschen Partien auch im kostenlosen Livestream zu verfolgen sind – ein gewaltiger Fortschritt, denn in der Vergangenheit blieben die deutschen Bildschirme beim Thema Hockey mitunter auch komplett dunkel.

          Doch weil die Nationalteams trotzdem zuverlässige Erfolgslieferanten im deutschen Sport sind, hat sich ein kleiner Hockey-Boom in Deutschland entwickelt, was sich in stetig steigenden Mitgliederzahlen im Jugendbereich ausdrückt. Das aber bringt viele Vereine an den Rand ihrer Möglichkeiten – und manche auch darüber hinaus. Bachelor-Studiengänge und G8 an deutschen Gymnasien stellen die Klubs dabei vor das Problem, dass ihnen der Trainer-Nachwuchs abhanden gekommen ist, der die Kleinsten anleitet.

          Deutschland sucht den Hauptsponsor

          Auf Dauer könnte das zu einem Problem für den Deutschen Hockey-Bund werden, der bislang vor allem dank seiner exzellenten Nachwuchsarbeit eine beeindruckende Rolle im Welthockey spielt, auch wenn er seit zwei Jahren vergeblich einen Hauptsponsor sucht. Herren-Bundestrainer Markus Weise, der sich mit seiner Mannschaft zunächst mit Südafrika – Auftaktgegner am Sonntag (10.30 Uhr) – sowie Argentinien, Südkorea, Neuseeland und Gastgeber Niederlande auseinandersetzen muss, hat einige Spieler dabei, die vor einem halben Jahr Junioren-Weltmeister geworden sind, darunter auch Christopher Rühr, den Welt-Juniorspieler 2013.

          Auch Jamilon Mülders, der nach dem siebten Platz in London 2012 die Damen übernahm, hat den Umbruch erfolgreich bewältigt. Nach den Olympischen Spielen drohte mit den Abgang der Protagonisten Natascha Keller und Fanny Rinne der endgültige Absturz, stattdessen aber gewannen die runderneuerten Damen vor einem Jahr die Europameisterschaft. Weltmeister Argentinien, Auftaktgegner China, England. Südafrika und das amerikanische Team sind die Prüfsteine auf dem Weg in das durchaus mögliche Halbfinale. Und wenn dann trotz Fußball-WM auch genügend Fans zuschauen, wäre dem Hockey nicht nur in Deutschland geholfen.

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