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Streit um Bundesligaaufstieg : Aufruhr in der Hockeywelt

  • -Aktualisiert am

Wer steigt aus der zweiten Liga in die Hockey-Bundesliga auf? Bild: Picture-Alliance

Die Zweitliga-Saison im Hockey wurde abgebrochen. Dennoch soll der SC Frankfurt 1880 aufsteigen. Mehrere Klubs sind unzufrieden mit dem Vorschlag. Die Stimmung ist ausgesprochen angespannt.

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          An diesem Samstag wäre es zum nächsten direkten Duell um den Bundesligaaufstieg gekommen. Die Hockeyherren des SC Frankfurt 1880 hätten ihre Widersacher vom Münchner SC empfangen. Spitzenreiter gegen Zweitplatzierter, Gejagte gegen Jäger. Die Bayern wären bester Hoffnung angereist, dem Kopf-an-Kopf eine richtungweisende Wende zu ihren Gunsten zu geben.

          Doch die Schläger werden nicht gekreuzt werden auf der Anlage in Frankfurt-Dornbusch. Der Zweitliga-Spielbetrieb ist abgebrochen worden. Die Taskforce mit Vertretern des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), der Liga und der Vereine hat empfohlen, dass es nach der nach 18 Spieltagen abgeschlossenen Hauptrunde keine Absteiger geben soll, Aufsteiger hingegen schon. Und seitdem ist die Stimmung in der überschaubaren Hockeywelt, in der man sich auch über Landesverbandsgrenzen hinaus kennt, ausgesprochen angespannt.

          An diesem Dienstag soll der DHB-Sportausschuss eine endgültige Entscheidung treffen. Werden die Empfehlungen der Taskforce befolgt – so wie bislang stets –, würde der SC Frankfurt 1880 profitieren. Nach mehreren vergeblichen Anläufen stünden die Hessen als Spitzenreiter der Zweitligagruppe Süd diesmal als Aufsteiger fest. Der Weg der 80er, mit einem gehörigen Anteil von im eigenen Verein ausgebildeten Spielern anzugreifen, würde die erhofften Früchte tragen.

          „Die sportlich fairste Lösung“

          „Ich habe volles Vertrauen in die handelnden Personen und Gremien sowie keinerlei Zweifel, dass die vorgeschlagene Empfehlung der Taskforce auch so umgesetzt wird“, sagt Robin Rösch, Sportlicher Leiter des SC 1880. Das wird nicht überall so gesehen. Mehrere Klubs, darunter der Münchner SC, sind unzufrieden mit dem Vorschlag. In der Szene wird erwartet, dass gegen die Lösung geklagt werden könnte.

          Die Vorbereitung auf die mögliche Erstligasaison könnte also für die Achtziger erschwert werden. Für das hessische Hockey wäre es wichtig, nach dem Abstieg der Damen des Rüsselsheimer RK eine Erstligaadresse zu haben. „Nach Abwägung aller Fakten und unter Einbeziehung der Meinungen vieler Fachleute haben wir, und davon bin ich überzeugt, die sportlich fairste Lösung gefunden“, sagt DHB-Vizepräsident Henning Fastrich.

          Die vier Zweitligastaffeln bei den Damen und Herren durften den Spielbetrieb in der Pandemie wiederaufnehmen, obwohl Hockey unterhalb der Bundesliga nur wenige professionelle Strukturen aufweist. Und wegen der Corona-Krise regional verschiedene Vorgaben galten. In Berlin – allein in der Zweitliga-Herrenstaffel Süd kommen vier von zehn Teams aus der Hauptstadt – darf seit Oktober und bis mindestens 30. Juni nicht trainiert werden. Was einen Saisonabbruch unausweichlich erscheinen lässt.

          Die Taskforce war eingesetzt worden, um den Hockeybetrieb samt einem erarbeiteten Hygienekonzept durch die Pandemie zu lenken. „Ganz objektiv betrachtet, gebührt dem Gremium Respekt und Anerkennung für die geleistete Arbeit, um Hockey wieder möglich zu machen“, sagt Rösch. Die Frankfurter beziehen sich darauf, dass die Erstligasaison stattfinden konnte mit sportlich ermittelten Meistern und Absteigern; und dass in den zweiten Ligen, zum Zeitpunkt des Abbruchs, überall überwiegend Klarheit herrschte.

          Ein Spiel in der Zusatzrunde

          Den Zweikampf mit den Münchnern haben die Achtziger nach dem Stand der Dinge mit einem Punkt Vorsprung für sich entschieden. Doch war vor Monaten entschieden worden, an die Hauptrunde noch eine Play-off-Runde der Top 5 und der unteren fünf Teams anzuhängen. Eine Maßnahme, um die Zeit bis zum Sommer zu überbrücken und dann im gängigen Rhythmus in der zweiten Jahreshälfte die neue Saison zu starten.

          Der SC 80 hatte in dieser Zusatzrunde Ende April schon ein Match bestritten – und nur unentschieden gegen den HC Ludwigsburg gespielt. Die Münchner Konkurrenten führen nun an, dass die Achtziger ein Spiel mehr bestritten, aber nur zwei Zähler Vorsprung haben und ihnen nun die Chance verbaut würde, Tabellenführer zu werden.

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