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Deutsche Hockey-Damen : „Holland hat ziemlich Respekt vor uns“

„Wir haben auch ein richtig gutes Team schaffen können.“ Bild: dpa

Echter Teamgeist und neben der „deutschen Mauer“ auch offensive Power: Hockey-Nationalspielerin Nike Lorenz über Ecken-Varianten und die Chancen im Finale gegen Holland.

          Die deutschen Hockey-Damen haben dank eines Treffers von Nike Lorenz in der letzten Spielminute des Halbfinales zum 3:2 gegen Spanien das Endspiel der Europameisterschaft am Sonntag gegen die Niederlande (16.00 Uhr in der ARD) erreicht. Die 22-Jährige im Gespräch mit FAZ.NET.

          Haben Sie den Sieg am Freitagabend noch ein bisschen gefeiert oder sind Sie schon voll konzentriert auf das Finale am Sonntag?

          Wir sind schon ziemlich fokussiert aufs Finale. Klar gestern, das war ein cooler Step, und wir wollten uns auch kurz freuen und glücklich sein. Aber weil es ja auch so spät wurde, war es wichtig, dass wir einfach runter kamen und früh ins Bett, um uns erholen zu können. Weil der nächste Schritt muss natürlich erst noch gemacht werden.

          Im Finale spielen Sie gegen eine Mannschaft, die ihr Halbfinale 8:0 gewonnen hat und sowieso immer Favorit ist: Holland. Beeindruckt Sie so ein Ergebnis?

          Nee, so ein Ergebnis beeindruckt uns eigentlich nicht. Wir haben auch gehört, dass es anscheinend absolute Arbeitsverweigerung von den Engländerinnen war. Aber letztendlich darf man sich nicht zu sehr damit beschäftigen. Klar haben die Holländerinnen da bestimmt ein Superspiel hingelegt gestern. Aber ich glaube, Holland hat auch ziemlich Respekt vor uns. Den haben wir uns in den vergangenen Jahren auch erarbeitet. Und deshalb glaube ich, es ist total egal, wer wie im Halbfinale gespielt hat. Beim Finale steht sowieso alles auf null.

          Hockey-Nationalspielerin Nike Lorenz: „Ich glaube, Holland hat auch ziemlich Respekt vor uns.“

          Was macht die deutsche Mannschaft so stark, dass sie den Respekt verdient hat?

          Schon immer waren wir bekannt für unsere Defensive, dass wir eine „deutsche Mauer“ gebildet haben, gut verteidigt und wenig Tore zugelassen. Aber jetzt möchte ich behaupten, über die Pro League haben wir eine offensive Power entwickelt, dank der wir mit anderen Nationen mithalten können. Also nicht nur hinten dagegenhalten können, sondern vorne auch Druck machen. Wir haben ziemlich viele gute Spieler und ein richtig gutes Team geschaffen, haben eine konstante Leistung das ganze Jahr abgerufen. Auch das verschafft uns Respekt.

          Haben Sie eine besondere Position innerhalb des Teams, die sie dafür prädestiniert, in der letzten Minute Strafecken verwerten zu dürfen?

          Nö. Eigentlich nicht. Ich glaube, die hätte auch jede andere schießen können.

          In dem entscheidenden Moment, hatten Sie da einen bestimmten Plan, den Sie abspulen wollten? Oder haben Sie spontan entschieden, wohin Sie schießen?

          Wir haben uns natürlich vorher schon Gedanken gemacht, wo man bei der Torhüterin hin schießen kann und was unsere Ziele sind? Und den habe ich einfach nur verfolgt, den Plan. Und der ist aufgegangen.

          Lorenz (rechts) nach dem Moment der Entscheidung: „Der Plan ist aufgegangen.“

          Wie viele Varianten hätten Sie zur Verfügung, wenn im Finale kurz vor Schluss eine ähnliche Situation auf Sie zukäme?

          Das ist bei jeder Mannschaft und bei jedem Torhüter anders. Aber so zwei, drei Optionen und Varianten haben wir immer zur Hand.

          Das EM-Finale ist zugleich Olympia-Qualifikation. Für Sie doppelter Ansporn oder doppelte Last? Und was ist wichtiger?

          Dadurch, dass beides zusammenhängt, denkt man da gar nicht drüber nach. Erst mal zählt einfach nur der Titel – dass man dadurch direkt für Olympia qualifiziert ist, ist noch mal so ein ganz netter Sidekick. Aber ich behaupte mal, die Olympia-Qualifikation würden wir auch so irgendwie schaffen. Aber den Titel am Sonntag, den will jeder wirklich ganz dolle.

          Deutsche Hockey-Herren verpassen das EM-Podium

          Die deutschen Hockey-Herren haben auch bei der Europameisterschaft in Antwerpen eine Medaille verpasst. Der Olympia-Dritte verlor am Samstag im Spiel um Bronze mit 0:4 (0:1) gegen die Niederlande und beendet damit nach 2017 erstmals eine weitere EM-Auflage ohne Podiumsplazierung. Bjorn Kellerman (19. Minute) hatte den Titelverteidiger in Führung gebracht. Im Anschluss scheiterten Lukas Windfeder (22.) und Florian Fuchs (22./28.) mit ihren Strafeckenversuchen am niederländischen Keeper Sam van der Ven.

          Nach der Halbzeitpause erhöhte Mirco Pruijser (43.) auf 2:0, ehe Tom Grambusch (45./52.) und Martin Häner (52.) ebenfalls per Strafecke die Anschlusschancen vergaben. Das 3:0 markierte Jereon Hertzberger (58./Siebenmeter), den Schlusspunkt setzte Mink van der Weerden (60./Strafecke). Durch die abermalige Niederlage missglückte zudem die angepeilte Revanche für das 2:3 in der Vorrunde.

          Die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 hatte das Team von Bundestrainer Stefan Kermas bereits am Donnerstag durch das 2:3-Aus im Halbfinale gegen Gastgeber Belgien verspielt. Nun muss sich der Weltranglisten-Siebte Anfang November in zwei Qualifikationsduellen in Mönchengladbach behaupten, um das Ticket nach Tokio noch zu lösen. (dpa)

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