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Selbstbewusste Hockeydamen : „Wir können alle richtig nerven“

  • -Aktualisiert am

Mehr Mut! Valentin Altenburg will mit den Hockeydamen mehr als nur „gut mithalten“. Bild: Witters

Alles soll anders werden bei den deutschen Hockeydamen: Der neue Bundestrainer Valentin Altenburg will nicht nur „gut mithalten“. Er fordert von seinem Team mehr Mut in den entscheidenden Spielen.

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          Es ist wertschätzend gemeint, und Valentin Altenburg nickt auch artig, aber innerlich verdreht er die Augen. „Gut mitgehalten!“, sagt einer der Herren-Nationalspieler zu Altenburg, als er am Rande der Hockey-Anlage in Wellingsbüttel an ihm vorbeigeht, und bezieht sich auf das eben beendete Spiel der deutschen Damen gegen die Niederlande.

          Es ist 2:3 verloren gegangen; Altenburgs neue Mannschaft hat am Samstagmittag 2:0 geführt, war dann aber weitgehend chancenlos. Eine knappe Niederlage ist kein Drama gegen Holland, den Goldstandard im Welthockey. Aber Bundestrainer Altenburg, 40, will weg von dieser Denke. Deswegen ärgert ihn das Lob.

          Erfahrener Verbandscoach

          Denn auch in den Köpfen seiner Spielerinnen steckt die sich selbst erfüllenden Prophezeiung, dass am Ende sowieso andere besser sind, es für ganz vorn nicht reicht. Altenburg sagt: „Wir sind Weltranglistenfünfter, und wenn alles so ist wie immer, werden wir bei der WM auch Fünfter.“

          Es soll aber alles anders werden. Deswegen hat der Deutsche Hockey-Bund (DHB) den bis 2024 laufenden Vertrag mit Xavier Reckinger gelöst und ab 1. Januar Valentin Altenburg zum Chef der Damen gemacht, die sich „Danas“ nennen. Altenburg besitzt langjährige Erfahrung als Verbandscoach, in Verantwortung allerdings nur bei den Herren, die er 2016 zu Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio führte.

          „Wir haben viel verändert“

          Er soll eine Mannschaft formen, die nicht erst in Paris bei den Olympischen Spielen 2024 um die Medaillen mitspielt, sondern schon bei der am 1. Juli beginnenden Weltmeisterschaft in den Niederlanden und Spanien. Altenburg sagt: „Es ist eine neue Mannschaft mit einer neuen Handschrift. Wir haben viel verändert, und es braucht Bereitschaft, sich auf diese Veränderung einzulassen. Wer das schafft, bekommt neue Energie. Diese Mannschaft soll K.o.-Spiele gewinnen.“

          Das letzte verlorene Ausscheidungsspiel während der Olympischen Spiele in Tokio im vergangenen Sommer hat Spuren hinterlassen. Nach einer starken Vorrunde mit nur einer Niederlage (gegen die Niederlande) unterlagen die Deutschen im Viertelfinale überraschend chancenlos 0:3 gegen Argentinien. Die Südamerikanerinnen hatten sie mit ihrer Entschlossenheit beeindruckt. Das reichte, um zu gewinnen. Und die Aufräumarbeiten nach diesem Ausscheiden laufen immer noch.

          Im zweiten Spiel mehr Widerstand

          Altenburg will künftig ein mutiges deutsches Team sehen. „Hockey ist ein Konter- und Defensivsport“, sagt er, „wir brauchen Zugriff, um in Konter zu kommen. Ich will eine Mannschaft, die initiativ ist, die das Spiel an sich reißt.“ Sechs der zehn Spiele in der Weltserie „Pro League“ haben die Damen unter Altenburg verloren; auch die zweite Partie gegen die Niederlande endete am Sonntagvormittag beim 1:3 punktlos. Es war das 18. sieglose Spiel gegen die beste Mannschaft der Welt nacheinander.

          Unzufrieden war Altenburg trotzdem nicht, weil er im zweiten Spiel mehr Widerstand sah. Letztlich wirkte es in beiden Duellen aber so, als könnten die vom früheren Damen-Bundestrainer Jamilon Mülders betreuten Niederländerinnen beliebig einen Gang höher schalten.

          Aus der Mannschaft ist zu hören, dass der Umgang nun gelassener und offener sei als vorher; die Spielerinnen seien „besser eingebunden“ und fühlten sich von ihm „abgeholt“. Offenbar „erreicht“ Altenburg sie mit seiner Art zu sprechen und zu trainieren. Er ist mit der früheren Nationalspielerin Lisa Altenburg verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

          „Kulturelle Veränderung“

          Valentin Altenburg verlangt viel, er will die Eigenverantwortung stärken, weniger vorgeben. Eine „kulturelle Veränderung“ nennt er das, wozu auch ein selbstbewussterer Auftritt gehört: Die Tore seiner neuen Mannschaft nahm er äußerlich unbeteiligt zur Kenntnis – als sei es das normalste der Welt, gegen die Niederlande zu treffen.

          „Wir können alle richtig nerven, aber wir werden während der WM bestimmt auch mal wackeln“, sagt er mit Blick auf den Saisonhöhepunkt. Im Amstelveen treffen die „Danas“ in Gruppe A auf Chile (2. Juli), die Niederlande (3. Juli) und Irland (6. Juli). Der Bundestrainer hat eine gute Mischung aus jung und alt zusammen; Charlotte Stapenhorst (Zehlendorfer Wespen), Anne Schröder (Club an der Alster), Cécile Piper (Rot-Weiss Köln) oder Selin Oruz (Düsseldorfer HC) haben mehr als 100 Länderspiele. Akteurinnen sind dazugekommen, die im April in Südafrika Zweite bei den Weltmeisterschaften der U 21 geworden sind – hinter den Niederlanden.

          Am 23. Juni reist der DHB nach Bloemendal und wird von dort zu den Gruppen-Spielen nach Amstelveen fahren. Um in die erste K.o.-Runde zu gelangen, müssten die deutschen Damen wenigstens Gruppendritter werden – als Gruppensiegerinnen sprängen sie direkt ins Viertelfinale.

          So weit schaut Valentin Altenburg nicht. „Ich wünsche meinen Spielerinnen, sich selbst mal zu überraschen“, sagt er. Bis Paris will er darauf nicht warten: „Je früher, desto besser.“ Das alte, negative „mindset“ ließe sich dann gewiss auch viel leichter aufbrechen.

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