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Hockey-Trainerin Tina Bachmann : „Dann wird zurückgeknallt“

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Richtige Ansage: Unter Chefin Tina Bachmann und Assistenztrainer Bergmann (rechts) gehört Uhlenhorst zu den Finalkandidaten 2015. Bild: Lars Heidrich

Olympiasiegerin Tina Bachmann führt das Hockey-Bundesligateam der Herren von Uhlenhorst Mülheim. Von Zweitklässlern, sagt die Grundschullehrerin im F.A.Z.-Interview, könnten ihre Männer noch lernen.

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          Sie trainieren eine Männermannschaft. Ist das ein Stück verkehrte Welt?

          Das ist reine Ansichtssache. Ja, ich bin eine Frau und trainiere Männer. Verkehrte Welt könnte man aber auch sagen, wenn ein Mann eben Frauen trainiert.

          Das gilt aber als normal. Wie viele Trainerinnen hatten Sie als Spielerin?

          Eine. Ich finde aber, wir haben in Deutschland eher ein grundsätzliches Problem mit dem Trainerberuf. Ich habe ja lange in den Niederlanden gespielt, und da ist die Anerkennung und Akzeptanz viel höher. Es gibt da viele Trainerinnen - gegen meine bei meinem letzten Verein in Eindhoven hatte ich bei den Olympischen Spielen in Athen noch gespielt. In Deutschland gibt es generell wenige Trainerinnen. Auch in meinem Jahrgang an der Trainerakademie waren von 15 Studenten nur drei Frauen, eine vom Judo, eine vom Short Track. Ich habe schon als Jugendliche hier beim Uhlenhorst Kinder trainiert, mir hat das immer Spaß gemacht. Ich hatte nie das Gefühl, Trainer ist nur was für Männer, aber das wäre mir auch total egal gewesen.

          Sie waren als Jugendtrainerin zwar dreimal niederländischer Meister mit Eindhoven. Wie überrascht aber waren Sie vom Angebot aus Mülheim, das Herrenteam zu übernehmen?

          Total. Ich glaube nicht, dass ich irgendwo anders dieses Angebot bekommen hätte als am Uhlenhorst. Es ist eben nicht üblich, das sehe ich schon realistisch. Da gucken natürlich alle besonders drauf, und letztendlich fände ich es gut, wenn nur die Qualität entscheiden würde und nicht irgendwelche Geschlechterrollen.

          Müssen Sie erfolgreicher sein als ein Mann?

          Ich bin sicher, dass die Grundeinstellung erst einmal skeptischer ist. Geht das wirklich gut? Ich fühle mich nicht kontrolliert, überhaupt nicht, und die Kritiker hörst du erst einmal auch nicht. Du triffst ja nur Leute, die sagen, das ist klasse oder das ist eine spannende Idee - und da schwingt die Skepsis schon mit. Da kommt keiner und sagt dir ins Gesicht: Das schaffst du niemals.

          Ist es dann nicht schwieriger bei einem Verein, bei dem man aufgewachsen ist, der Vater schon Nationalspieler war und man jeden kennt?

          Ich kenne die meisten aus der Zeit, als ich noch ein Kind war. Klar wissen alle, dass ich Tina bin. Ich finde Klubleben auch total wichtig, habe auch immer bei meinen Mannschaften bemängelt, wenn alle nach dem Spiel oder Training sofort weg sind. Aber hier muss ich meinen Bereich schon abstecken.

          Ist es schwierig mit der Autorität, wenn jeder die Tina kennt?

          Das Gefühl habe ich nicht. Respekt muss man sich erarbeiten und verdienen. Wenn ich eine solche Aufgabe übernehme, dann gehe ich da absolut professionell dran, und das hat, glaube ich, jeder verstanden. Für mich ist das ein Job, ein besonderer zwar, aber ich habe ein Arbeitsverhältnis, und das ist auch wichtig für mich. Ich kann trotzdem im Clubhaus sitzen und ein Bierchen mittrinken.

          Mussten Sie Skepsis überwinden?

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