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Hockey-Bundesliga : „Das Spiel ist unfassbar viel schneller geworden“

  • -Aktualisiert am

Die Freude, das „Zweitliga-Gedöns“, wie Moritz Schmidt-Opper sagt, ohne das despektierlich zu meinen, nach vielen vergeblichen Aufstiegsversuchen hinter sich gelassen zu haben, ist groß. Bild: Picture-Alliance

Tempo, Dynamik und Qualität der Gegner: Nach dem Aufstieg im Hockey fühlen sich die drei Schmidt-Opper-Brüder wie in einer anderen Sportart – und können selbst Niederlagen nur Gutes abgewinnen.

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          Einerseits mache es „tierisch Spaß, auf diesem Niveau zu spielen“, sagt Moritz Schmidt-Opper. Andererseits seien sie sich bewusst, „dass wir auch mal abgeschossen werden“, sagt Bruder Anton. So geschehen an zwei der ersten drei Hockey-Bundesligaspieltage. Beim SC Frankfurt 1880 wussten sie nach dem ersehnten Aufstieg, wie es in der Erstklassigkeit zugeht. Dennoch hat die Brüder das Erstliga-Erleben auf dem Kunstrasen schwer beeindruckt. „Phasenweise hat es sich im Vergleich zur zweiten Liga angefühlt wie eine andere Sportart“, sagt Mittelfeldspieler Moritz. „Jeder Fehler, sei es ein schlecht geführter Zweikampf, ein Abspielfehler oder wenn wir mental im Spiel gerade nicht auf der Höhe waren – und schon rappelte es bei uns im Tor“, sagt Abwehrspieler Anton.

          Das Tempo und die Dynamik, die individuelle Qualität und grundsätzlich die Handlungsschnelligkeit der Bundesliga-Gegenspieler – all das sei in den vergangenen zehn Jahren enorm gestiegen, sagen beide. „Das Spiel ist unfassbar viel schneller, ja fast atemlos und rastlos geworden. Es herrscht fast die gesamte Spieldauer über Alarm“, so Moritz.

          Moritz und Anton sind so etwas wie „Mr. & Mr. SC 80“. Sie sind die letzten im Team verbliebenen Stammspieler, die das Frankfurter Erstliga-Intermezzo von 2011 bis 2013 erlebt haben. Sie sind beide absolute Führungskräfte, Wortführer und stechen mit ihren technischen Fähigkeiten auf einflussreichen Positionen auch sportlich heraus. Der 30-jährige Moritz als zentraler Mittelfeldspieler, der 27-jährige Anton als Innenverteidiger und Kapitän. Doch sind sie längst nicht nur Spieler und sportliche Urgesteine auf der Anlage an der Feldgerichtstraße, sondern geben ihre Erfahrung und Expertise gewinnbringend weiter: als Trainer von Jugendteams bei den Achtzigern.

          „Das ist ein riesiger Spagat“

          So haben beide schon Talente als Coach betreut, mit denen sie nun in der Herrenmannschaft gemeinsam spielen. Diverse Spieler der jungen Equipe entstammen der eigenen Jugendarbeit. Einige sind durch die coronabedingte lange Spielpause quasi direkt aus der Jugend in die Herren-Bundesliga katapultiert worden. „Das ist ein riesiger Spagat“, sagt Moritz. „Und daher werden wir auch realistisch bleiben. Unsere Herangehensweise ist, dass wir uns fortentwickeln – und das haben wir bislang ganz gut gemacht.“ Unabhängig von null Punkten und 4:15 Toren nach den ersten drei Spieltagen.

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          Am kommenden Sonntag (13 Uhr) beim Nürnberger HTC geht es erstmals gegen ein ebenfalls um den Klassenverbleib kämpfendes Team. Und da wird es auch auf den Dritten im Schmidt-Opper-Bund ankommen. Denn mit Johann stehen beim SC 80 nicht selten drei Brüder gleichzeitig auf dem Feld und bilden eine zentrale Achse. Von Anton ganz hinten über Moritz in der Zentrale bis Johann im Angriff. Der 22-Jährige ist ein schneller Spieler, der in der zweiten Liga zuletzt auch an Torgefährlichkeit zugelegt hat. Ihre Anlagen haben die drei Schmidt-Opper-Brüder zweifellos von ihrem Vater Ekkhard. Zwei olympische Silbermedaillen (1984 und 1988) schmücken dessen sportlichen Lebensweg und auch der letzte deutsche Meistertitel, den der SC 1880 zu gewinnen vermochte. 1989 war das. Kurz bevor die Hockey-Dynastie Schmidt-Opper gegründet wurde.

          Auch wenn die Hessen ihre Treffer bislang spät schossen wie gegen den Berliner HC (1:5) oder ganz auf verlorenem Posten standen wie am vergangenen Sonntag beim Hamburger Polo Club (3:8), ist bislang kein Verdruss über den Saisonstart zu spüren. Zu groß ist die Freude, trotz überschaubarer finanzieller Mittel wieder zur Beletage zu gehören. Und das „Zweitliga-Gedöns“, so Moritz, ohne das despektierlich zu meinen, nach vielen vergeblichen Aufstiegsversuchen hinter sich gelassen zu haben. Nach den jahrelang immer gleichen Fahrten und Duellen sei die Bundesliga „ein schöner Tapetenwechsel“, so Moritz, der in der Saisonvorbereitung wegen seines Jura-Staatsexamens häufig fehlte.

          Anton, der schon mit 16 in der ersten Liga debütierte, absolviert ein Fernstudium zum Sportbetriebswirt. Etwas weniger Betrieb wünscht sich der Abwehrchef fortan im eigenen Schusskreis. Schon zu Zweitligazeiten nahmen sich die „Achtziger“ während ihrer Spiele fast rituell schlechte Phasen. Was im Unterhaus nur kaum ins Gewicht fiel, nun aber zu mehreren Gegentreffern in kurzer Abfolge führte. „Wir werden einen Lernprozess durchlaufen“, sagt Anton, „diese Phasen, die wir immer mal haben werden, ohne Gegentore zu überstehen.“

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