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Hochsprung : Das Projekt Blanka Vlasic

In Qatar beginnt für Vlasic die Freiluftsaison Bild: AFP

Die beste Hochspringerin der Welt kommt aus Kroatien: Blanka Vlašić, Weltmeisterin in der Halle und im Freien, will Olympiasiegerin werden. Dafür trainiert sie mit ihrem Vater und ihren Brüdern auf einer Fabriketage in Split.

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          „Den Weltrekord versuche ich, wann immer ich die Gelegenheit habe“, sagt Blanka Vlašić. „Wer bin ich, zu sagen: heute nicht?“ Sehr wahrscheinlich also, dass die beste Hochspringerin der Welt zu Beginn ihrer Saison in Doha (Qatar) an diesem Freitag wieder einmal 2,10 Meter wird auflegen lassen. Und nicht unwahrscheinlich, dass sie diesmal den zwanzig Jahre alten Weltrekord der Bulgarin Stefka Kostadinova übertrifft.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auf 2,07 Meter verbesserte die spindeldürre, 1,93 Meter große Kroatin im August 2007 in Stockholm ihre persönliche Bestleistung. Im Monat darauf wurde sie in Osaka Weltmeisterin. Im November wurde sie 24 Jahre alt, im März gewann sie auch die Hallen-Weltmeisterschaft in Valencia. Noch hält sie nicht den Weltrekord. Aber sie demonstriert, indem sie seit Stockholm die phantastische Höhe immer wieder angeht, dass sie auf dem Sprung ist. „Es hat keinen Sinn, 2,08 oder 2,09 Meter zu versuchen“, sagt sie. „Im Video von Brüssel habe ich gesehen, dass ich drüber war und nur mit dem Bein gerissen habe. Ich habe die Höhe.“

          Training in der Fabriketage

          Neben dem Weltrekord hat Blanka Vlašić in diesem Jahr noch ein Ziel: den Olympiasieg in Peking. Sie verfolgt es nicht allein. Zwei Trainer, zwei Physiotherapeuten, ein Arzt und der Manager gehören zu ihrem Team. Chef ist Joško Vlašić, ihr Vater. „Blanka ist mein Projekt“, sagt er. Joško Vlašić, 53 Jahre alt, ist ein ehemaliger Zehnkämpfer.

          In Qatar beginnt für Vlasic die Freiluftsaison Bilderstrecke

          Für seine Tochter hat er vor elf Jahren die dritte Etage einer aufgelassenen Fabrik in seiner Heimatstadt Split besetzt und auf den mehr als 500 Quadratmetern eine einzigartige Trainingshalle errichtet. An Sprossenwand und auf Schwingboden, an selbstgebauten Kraft- und Balanciergeräten, auf einer Laufbahn und einer Hochsprunganlage trainiert sie, um eine neue Dimension des Hochsprungs zu erreichen.

          Der Vater sagt: „Blanka ist Symbol eines verrückten Gehirns“

          „Peking ist nur ein einziger Wettkampf. Darauf werde ich Blankas Training nicht ausrichten“, sagt ihr Vater. „Peking ist nur eine Station auf unserem Weg. Wenn wir alles erreichen, was wir uns vorgenommen haben, wird Blanka langfristig unerreichbar sein.“ Der Ehrgeiz des Vaters wird noch deutlicher, wenn er über sich spricht. „Mit Blankas Möglichkeiten wäre ich einer der besten drei Zehnkämpfer Europas geworden“, gibt er sich überzeugt. Die beiden besten seiner Zeit waren Daley Thompson und Jürgen Hingsen. Seinen ältesten Sohn, Marin, hat Joško Vlašić zu einem Basketballprofi ausbilden wollen. Leider hapert es bei dem jungen Mann an der Ballbehandlung. Der Zwanzigjährige ist ohne Vertrag aus Amerika zurückgekehrt. Er schult jetzt auf Speerwurf um und macht zugleich eine Trainerausbildung, beim Vater. Der zehn Jahre alte Nicola kommt täglich, vor oder nach der Schule, in die Fabriketage. Joško rollt dann Kunstrasen aus für seinen Jüngsten, stellt ein Tor auf und trainiert mit ihm Kondition und Torschuss. Der Junge sei das größte je in Kroatien geborene athletische Talent, behauptet Joško. Nicola ist sein nächstes Projekt.

          „Joško ist ein Verrückter“, sagt Manager Harald Edletzberger, „aber auch ein positiv Verrückter.“ Auf die Frage, ob die Sporthalle ein Symbol sei für das neue Kroatien, für den Aufbruch seiner Bürger, antwortet Joško: „Sie ist das Symbol eines verrückten Gehirns.“

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