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Hochspringer Gianmarco Tamberi : Goldbruder im Geiste

Kann teilen: Gianmarco Tamberi (links), hier in München neben Yonathan Kapitolnik Bild: EPA

Seit sich der Italiener das olympische Hochsprung-Gold mit Mutaz Barshim geteilt hat, erzählt er die Geschichte vom größten Glück. Jetzt will er Europameister werden – und dann wird geheiratet.

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          Gianmarco Tamberi ist kein Mathematiker. Seine Gleichung ist: „Eine Goldmedaille zu teilen ergibt nicht weniger, sondern viel, viel mehr.“ Der Italiener ist Olympiasieger im Hochsprung von Tokio 2021. Er machte Schlagzeilen damit, dass er sich, als es im Finale nicht höher ging als über 2,37 Meter, mit seinem Konkurrenten Mutaz Barshim aus Qatar darauf einigte, dass sie nicht ins Stechen gehen, sondern den Wettkampf beenden und gemeinsam Olympiasieger werden.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das werden die Leute nie verstehen“, sagte er, als er vor wenigen Tagen in München eintraf, um an diesem Donnerstagabend (20.05 Uhr in der ARD) um den europäischen Titel zu springen: „Auch ich hätte vor Tokio immer gesagt: Eine Goldmedaille teile ich niemals. Aber wenn du dann in der Situation bist, mit einem deiner besten Freunde das größte Glück auf der Erde teilen zu können, ein einmaliges Gefühl, dann ist das eine Chance, die du nicht verpassen willst.“ Im leeren Olympiastadion von Tokio sprang Barshim damals jubelnd in die Luft, Tamberi wälzte sich, umgeworfen vom Glück, schreiend am Boden.

          „Uns verbindet etwas“

          „Ich werde das nie mehr tun“, sagt er nun über das Verdoppeln durch Teilen. „Nicht, weil wir nicht mehr Freunde wären. Wir haben jeden Tag Kontakt. Wir waren Freunde, jetzt sind wir wie Brüder.“ Barshim wird in zehn Tagen zur Hochzeit des dreißig Jahre alten Tamberi in Pesaro erwartet. Drei Tage wollen die Freunde gemeinsam verbringen, dann reisen sie gemeinsam zum nächsten Wettkampf. „Uns verbindet etwas, das sich nicht wiederholen lässt. Es war ein magischer Moment“, sagt Tamberi: „Es gibt kein Bedauern, aber es wird definitiv keine Wiederholung geben.“

          In Aktion: Mutaz Barshim
          In Aktion: Mutaz Barshim : Bild: AP

          Beide verbindet mehr als die Geschichte ihrer Verletzungen, die für Barshim wie für Tamberi das Ende ihrer Karriere hätten bedeuten können. Als Achtzehnjährige lernten sie sich kennen, im Tief der Misere standen sie sich gegenseitig bei. Mehr als alle anderen wissen sie: „Dein Körper leidet, wenn du springst. Man macht so viele Übungen und trainiert so viel, um Verletzungen zu vermeiden. Es ist einfach nicht normal, so viel höher zu springen, als du groß bist, rückwärts. Denk mal drüber nach: Wenn du auf eine Wand zu rennst, verringerst du deine Geschwindigkeit. Um drüber zu springen, musst du aber beschleunigen. Das ist völlig unnatürlich. Dazu kommt die Belastung von Fuß, Knöchel, Knie und Hüfte, wenn du aus vollem Anlauf mit einem Bein abspringst.“

          Wenn man einen Bruder im Geiste gefunden hat, der diese Leidenschaft nicht nur versteht, sondern in aller Tiefe und in höchster Höhe auch teilt, mit dem kann selbst ein ehrgeiziger Athlet wie Gianmarco Tamberi den Erfolg teilen. Ausnahmsweise.

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