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Hochseeregatta America’s Cup : Royaler Rückenwind

Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten: Der America’s Cup setzt weiterhin auf die extremen Katamarane und Geschwindigkeit Bild: AFP

Großbritannien will endlich den America’s Cup und rüstet auf – mit Hilfe von Königshaus und Steuerzahler. Doch um die Segeltrophäe tobt wieder handfester Streit.

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          Die Spezialisten im Hintergrund haben ihre Arbeit schon aufgenommen. Aber in welchen High-Tech-Schmieden sie gerade werkeln, das bleibt ein Geheimnis. „Ich darf nichts verraten“, sagt Christoph Erbelding. Der Ingenieur aus München ist wieder vom amerikanischen Oracle-Segelteam engagiert worden, für das er nun mit seinem Kompagnon Thomas Hahn an der Entwicklung des neuesten Katamaran-Prototyps beteiligt ist. Beide sind weltweit gefragte Experten für Leichtbau mit Karbon, wenden ihr Knowhow aus der Luftfahrttechnik und der Automobilindustrie an. Erbelding war beim America’s Cup im vergangenen September mit am sensationellen Triumph der Oracle-Crew beteiligt und gehört in der exklusiven Szene der Hochgeschwindigkeitssegler zu den Kapazitäten, die wissen, wie die tonnenschweren Rennmaschinen neuerdings zum Fliegen übers Wasser gebracht werden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bilder der rasanten Riesenkatamarane und der Segler im „Star Wars“-Look gingen im Herbst um die Welt und faszinierten selbst Menschen, die mit dem Segelsport sonst nichts anzufangen wissen. Wer jedoch geglaubt hat, der America’s Cup würde nach dieser Megashow von San Francisco jetzt so richtig durchstarten, der hat sich getäuscht. Es gehört fast schon zum Kult dieser manchmal kruden Traditionsveranstaltung, dass einerseits zwar mit neuen Vorhaben und millionenschweren Projekten geprotzt, aber auch wieder gestritten und mit Absage gedroht wird. Im Jahr 2017 soll die 35. Ausgabe der erstmals 1851 vor der englischen Isle of Wight ausgesegelten Regatta stattfinden.

          Multimillionen-Gage für eine Segellegende

          Während die Planungen für die nächste Generation der Renn-Katamarane schon angelaufen sind und die Briten als Neuling mit Unterstützung des Staates und des Königshauses schon die Welle machen, weiß bisher niemand, wo die nächste Regatta in drei Jahren überhaupt stattfinden wird. Gerade für Sponsorengespräche ist diese Unklarheit nicht förderlich. Zudem hält das traditionell vom Sieger maßgeblich mitbestimmte Reglement einige Vorteile für den Titelträger Oracle bereit. „Eine Farce“ tönte es aus Neuseeland, wo das vom Staat unterstützte Segelteam, das beim 34. Cup gegen Oracle so tragisch knapp unterlag, auf der Suche nach potenten Werbepartnern ist. Noch überlegen die Kiwis, ob sie unter diesen Bedingungen eine Kampagne starten. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass sie bis zu diesem Freitag, 24 Uhr, pazifischer Zeit keine Meldung mit dem Startgeld über zwei Millionen Dollar abgeben.

          San Diego und die Bermudainseln stehen als Reviere zur Wahl, aber es gibt nicht wenige, die gerne in die windreiche Bucht von San Francisco zurückwollen. Doch nachdem die Stadt an der amerikanischen Westküste mit der Veranstaltung ein Millionendefizit einfuhr, ist dort die Bereitschaft nicht sonderlich groß, sich bei der Vergabe noch mal ins Zeug zu legen. Eigentlich ist Oracle-Gründer Larry Ellison ja in San Francisco beheimatet. Das würde passen. Der Milliardär steht hinter dem amerikanischen Team und als Patron offiziell auch hinter der Veranstaltung. Die Strippen für ihn beim America’s Cup aber zieht schon seit Jahren die neuseeländische Segellegende Russell Coutts. Der erhält dafür eine Multimillionen-Gage und reist derzeit mit seiner Assistentin durch die Welt, um für die nächste Regatta Verträge abzuschließen. Dieses doch recht eigenmächtige Vorgehen zeugt nicht gerade von hoher Professionalität beim Marketing. Manch einer wundert sich, weshalb ein so erfolgreicher Geschäftsmann wie Ellison das überhaupt zulässt.

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