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Extremer Hobbysportler : 52.143 Kilometer durch die Nacht

  • -Aktualisiert am

Unterwegs mit dem Rad: Wer tagsüber keine Zeit hat, kann auch mal im Dunkeln in die Pedalen treten. Bild: dpa

Einen Ironman erfolgreich absolvieren? Muss doch gar nicht sein. Ein Fahrrad, eine Lupine und wenig Schlaf – mehr ist nicht nötig, um selbst einen Triathleten mächtig zu beeindrucken. Eine Glosse.

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          Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als euer Profisport sich träumen lässt. Schauen wir mal kurz in die Vorurteilsschublade und holen einen Bundesligakicker raus, der zwei Stunden täglich trainiert, sonst vor der Playstation sitzt und am Wochenende – welche Anstrengung – anderthalb Stunden Fußball spielt. Manch ein Freizeitsportler treibt da mehr Sport vor dem Frühstück. Oder in der Nacht. In der Nacht? Ja, in der Nacht.

          Ich kann Ihnen das erzählen, weil ein Bekannter vor einiger Zeit bei unserem Stammitaliener saß und mit Staunen von einem Freizeit-Rennradler erzählte, den er getroffen hatte. Mein Bekannter, das am Rande, war mal einer der besten Triathleten auf der Langstrecke, und noch heute fährt er mit dem Rennrad Kleinigkeiten wie das „Saarlandschwein“, eine in bestimmten Kreisen populäre Ausfahrt über 320 Kilometer mit dem Verzehr von Frikadellen nach 80 Kilometern und einem gegrillten Spanferkel im Ziel.

          Er fährt doppelt so viel wie die Profis

          Meinen Bekannten kann grundsätzlich wenig erstaunen, aber der Freizeitradler, den er traf, der konnte das. Der hatte Mitte August mit seinem Rennrad 52­.143 Kilometer abgespult, war 553.840 Meter bergauf gefahren und insgesamt rund 2000 Stunden unterwegs gewesen, dokumentiert auf der Rad-App Strava. Bis August fuhr er im Durchschnitt rund 230 Kilometer – pro Tag. 52.143 Kilometer innerhalb von rund sieben Monaten, das ist weit mehr als das doppelte Pensum der weltbesten Radprofis.

          Das alles ist erstaunlich, was es aber unglaublich macht, ist die Tatsache, dass der Hobby-Vielfahrer erstens keinerlei Aufhebens von seinem Tun macht und zweitens in Vollzeit arbeitet und deshalb hauptsächlich in der Nacht fährt. Auf den Hinweis meines Bekannten, er könne gewiss das berühmte Race Across America gewinnen, habe er mit der Frage geantwortet, welchen Sinn es mache, das Race Across America zu gewinnen. Er sei an solchen Dingen nicht interessiert. Er wolle nur ein bisschen Rad fahren.

          Ich hatte in der Zwischenzeit ein wenig Kontakt zu ihm und habe ein paar seiner Ansichten erfahren. Warum nicht den Ruhm ernten für all die Mühe? Brauche er nicht, bringe nur falsche Freunde. Wie man nachts Hunderte von Kilometern fahren könne? Mit einer Lupine. Bei jedem Wetter? Bei jedem Wetter. Wie das mit dem Schlafen sei? Nachts zwei bis vier Stunden unter der Woche, am Wochenende auch mal fünf, bei der Arbeit in der Pause eine, er könne überall schlafen, das komme vom chronischen Schlafmangel.

          Warum nicht mal einen Ironman machen oder so was in der Art? Ein Freund von ihm habe sonntags in Frankfurt den Ironman gemacht und 650 Euro für eine Urkunde bezahlt, montags habe er zu ihm gesagt: Wäre ich besser mit dir 500 Kilometer gefahren, wäre genialer und billiger gewesen. Warum also sollte er einen Ironman machen? Ja, warum eigentlich?

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