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Skibergsteigerin Nelson ist tot : Ein Leben voller Gefahr, Risiko und Liebe

  • -Aktualisiert am

Tödlich verunglückt: Hilaree Nelson, hier mit Partner Jim Morrison 2018 Bild: picture alliance/AP Photo

Hilaree Nelson, eine der besten Skibergsteigerinnen der Welt, verunglückt bei der Abfahrt vom 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal. Sie hinterlässt zwei Kinder und einen Partner.

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          Die Angst war immer ein Thema in dem an Abenteuern reichen Leben von Hilaree Nelson. Auch die Auseinandersetzung mit dem Tod gehörte dazu. Und natürlich die Frage, wie man als passionierte Freeskierin mit der Verantwortung umgeht, gleichzeitig auch Mutter von zwei Söhnen mittlerweile im Teenageralter zu sein. Oftmals tauchten diese Themen in Interviews und Berichten über sie auf.

          Seit Montag wurde Hilaree Nelson, die sich bei Instagram als „Skier, Storyteller, Mom and lover of wild places“ beschrieb, am 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal vermisst. Zunächst war noch gehofft worden, Nelson könnte den Sturz überlebt haben. Der Flaschensauerstoff, den sie verwendete, hätte ihr in der Höhe und angesichts der Kälte einen Vorteil verschafft, bis Hilfe zu ihr gelangt wäre. An diesem Mittwoch wurde nun der Leichnam der 49 Jahre alten Amerikanerin gefunden und geborgen.

          Weiter Unklarheit über Unglücksursache

          Hilaree Nelson hatte gemeinsam mit ihrem Partner Jim Morrison am Montag den so genannten „True Summit“ und damit den höchsten Punkt des Berges erreicht. Was anschließend geschah, darüber herrschte zunächst Verwirrung.

          Nachdem fast gleichzeitig mit dem Verschwinden von Hilaree Nelson am Manaslu auch eine Lawine abgegangen war, die ein Dutzend Bergsteiger mit sich riss, überschlugen sich die Meldungen. Zunächst hieß es, auch Hilaree Nelson sei von dieser Lawine erfasst und in eine Gletscherspalte gespült worden. Laut anderen Berichten soll sie zwischen Vor- und Hauptgipfel ausgerutscht und 25 Meter in eine senkrechte Spalte gestürzt sein. Schließlich hieß es, sie habe mit den Skiern verkantet oder sei ausgerutscht und in der Folge nach Süden hin in den Abgrund gestürzt. Ihr Partner Morrison erklärte am Mittwochabend bei Instagram, ein Schneerutsch habe Nelson die Ski weggezogen und sie zu Sturz gebracht. 

          Auf der Südseite des Berges wurde laut Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ die Leiche der Amerikanerin am Mittwoch von einem Suchtrupp in rund 6000 Metern Höhe entdeckt. Nachdem bei Suchflügen am Dienstag ein Ski und Kleidung gesichtet worden waren, hatte am Mittwoch ein Rettungshubschrauber Hilaree Nelsons Partner und drei einheimische Bergführer dort abgesetzt.

          Ein Hubschrauber bringt die verstorbene Hilaree Nelson in ein Krankenhaus in Kathmandu.
          Ein Hubschrauber bringt die verstorbene Hilaree Nelson in ein Krankenhaus in Kathmandu. : Bild: AP

          Hilaree Nelson, 2018 von „National Geographic“ als Abenteurer des Jahres ausgezeichnet, war eine erfahrene Ski- und Höhenbergsteigerin. Im Alter von drei Jahren stand sie zum ersten Mal auf Skiern. Zwar hoffte der Vater lange, die Tochter würde eine erfolgreiche Basketballspielerin werden. Nachdem sie aber nach dem College-Abschluss sich mit einem Flugticket auf den Weg nach Frankreich machte, entdeckte sie am Mont Blanc ihre Leidenschaft für das Skibergsteigen.

          Aus zunächst einem Winter in Chamonix wurden fünf. 2005 fuhr sie mit Skiern vom Gipfel des Cho Oyu (8201 Meter) ab. 2012 war sie die erste Frau, die die Gipfel von Mount Everest (8849 Meter) und dessen Nachbarberg, dem Lhotse (8516 Meter), innerhalb eines Tages erreichte. Das brachte ihr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde ein. Hilaree Nelson war damals mit Flaschensauerstoff unterwegs.

          Zwei Jahre später machte sie sich – unterstützt von „National Geographic“ – auf den Weg nach Myanmar, wo sie eine Expedition zum Hkakabo Razi leitete, die mangels Ausrüstung kurz vor dem Gipfel abgebrochen wurde. 2018 meisterte sie gemeinsam mit Morrison die erstmalige Abfahrt vom Lhotse auf Skiern – auf der sogenannten Dream Line: vom Gipfel durch das schmale, bis zu 50 Grad steile Lhotse-Couloir hinunter zum Lager zwei im Western Qwm auf 6400 Metern.

          Zeigte immer ihre innere Stärke: Hilaree Nelson
          Zeigte immer ihre innere Stärke: Hilaree Nelson : Bild: dpa

          In diesem Herbst sollten es für Hilaree Nelson, die schwierige technische Abfahrten mochte, und ihren Partner Morrison zunächst der Manaslu und im Anschluss auch noch der Dhaulagiri (8167 Meter) sein. Der Manaslu, der zum ersten Mal 1981 mit Skiern befahren worden war, ist hinsichtlich der Schwierigkeiten nicht zu vergleichen mit dem, was Hilaree Nelson 2017 beispielsweise am Papsura in Indien meisterte. Dieser Berg war für sie zur „Obsession“ geworden, wie sie sagte. Zweimal machte sie sich auf den Weg dorthin. Die Expedition 2017 war erfolgreich.

          Die Abfahrt von dem 6451 Meter hohen Berg beschrieb sie in einem Interview mit der F.A.Z. so: „Es war so vereist, ausgesetzt und steil, dass an richtiges Skifahren gar nicht zu denken war. Es ging nur noch darum, irgendwie heil herunterzukommen. Die Sicht war so schlecht, dass man die meiste Zeit gar nichts sah. Und wenn sich plötzlich doch ein Loch im Nebel aufgetan hat, war es, als ob man in den eigenen Tod schauen würde.“

          Am Manaslu hatte Hilaree Nelson offenbar Probleme mit der Akklimatisation an die Höhe. Die Sauerstoffsättigung in ihrem Blut sei schlecht, ließ sie ihre Follower bei Instagram wissen. „Ich habe mich am Manaslu nicht so sicher gefühlt wie bei vergangenen Abenteuern in der dünnen Luft des Himalaja. Die vergangenen Wochen haben meine Belastbarkeit auf neue Weise auf die Probe gestellt. Der Monsun mit seinem unablässigen Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit hat bei mir für hoffnungsloses Heimweh gesorgt“, schrieb sie vor nicht einmal einer Woche in den Sozialen Medien.

          Hilaree Nelson und Morrison hatten kurz vorher einen Gipfelversuch vorzeitig beendet, weil ihnen die Verhältnisse zu gefährlich erschienen, und waren mit Ski vom Lager drei ins Basislager abgefahren.

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