https://www.faz.net/-gtl-89j11

High School Football : Katastrophale Verletzungen, schockierende Verluste

  • -Aktualisiert am

Tod beim Football: Evan Murray von der Warren Hills Regional High Bild: AP

Eine Unglücksserie sorgt für Unruhe: Warum sterben so viele Schüler beim American Football an High Schools? Die kritischen Stimmen werden lauter.

          4 Min.

          Es passiert meistens an einem Freitagabend zwischen August und Ende Oktober, wenn auf einer mit Kreide markierten Rasenfläche neben einer High School zwei Schulmannschaften zwischen zwei dieser typischen stählernen Torkonstruktionen aufeinandertreffen. Denn Freitag ist Football-Tag in den Vereinigten Staaten - zumindest für Teenager zwischen 15 und 18. An vielen Orten ist es das einzige Sport-Spektakel weit und breit.

          Auf diesem Feld der Ehre sind schon immer junge Spieler gestorben. Denn Amerikas populärste Sportart ist hart und geprägt von einem übertriebenen Gladiatorenethos. Doch immer wenn es passiert, signalisieren die Meldungen in den lokalen Medien nur einen Anflug von Fatalismus. Sie beginnen meistens mit den Worten: „Schockierender Verlust. Trauer um einen jungen Football-Spieler . . .“ So wie im September in Warren Hills in New Jersey, wo ein junger Quarterback nach einer Kollision mit einem Gegner an die Seitenlinie kam und klagte, dass ihm schwindlig sei. Dann brach er zusammen. Die Obduktion ergab wenige Tage später einen massiven Milzriss. Der Spieler war an seinen inneren Blutungen gestorben.

          Erschreckende Statistik

          Es gibt unterschiedliche Todesursachen. Aber viele zeigen besonders auf einen kritischen Punkt. Egal, ob bei der schweren Gehirnverletzung, an der ein 17-jähriger Wide Receiver Anfang Oktober in einem Vorort von Seattle starb. Oder wie bei einem Schüler in Oklahoma, der nach einem Tackle zunächst ins Koma fiel und wenige Tage danach zu Grabe getragen wurde. Denn die Helme, die im Football angeblich das Schlimmste verhindern können, trügen. Die schützen bei einem Aufprall allenfalls den Knochen, nicht jedoch das kostbare Gewebe im Innern des Schädels, auf das große Kräfte einwirken.

          Das Problem wurde im Grunde vor ein paar Jahren erkannt und näher beschrieben, anhand einer aussagestarken Statistik. Danach leben die rund 1,1 Millionen Footballspieler im organisierten Schulsport umgerechnet dreimal so gefährlich wie die an den Colleges und jene der Profiklubs, was „katastrophale Verletzungen“ betrifft. Den Begriff haben Juristen geprägt, um das Spektrum aus schweren Traumata - von solchen, die zu lebenslangen schweren Behinderungen bis hin zum Tod führen - zusammenzufassen.

          Diese Erkenntnis ist in einer Studie aus dem Jahr 2007 nachzulesen, publiziert vom „American Journal of Sports Medicine“. Die Mediziner, die das Problem beim Namen nennen, finden jedoch kaum Widerhall. Die Popularität der Sportart, die vor mehr als 150 Jahren erfunden wurde und sich sukzessive weiterentwickelte, überstrahlt noch immer so gut wie alles in Amerika. Zum Beispiel jenes Wissen darüber, dass die noch in Entwicklung begriffenen Gehirne junger Menschen schlichtweg weniger aushalten als die von Erwachsenen. Oder dass das sportliche Können in jener Altersgruppe bei vielen nur unzureichend entwickelt ist, um gefährlichen Situationen auszuweichen.

          Was aber alles nur noch schlimmer macht: Viele Teenager kehren einfach auf den Platz zurück, weil die Trainer keine Ahnung haben, wie man die Symptome korrekt einstuft und welche Risiken bestehen, wenn ein Spieler nicht zum Pausieren gezwungen wird.

          Mehr als Einzelschicksale

          So starben 2014 fünf High-School-Spieler unmittelbar durch ihre beim Football erlittenen Verletzungen. Bei sechs weiteren war die Sportart zumindest ein erheblicher Faktor: Die Schüler hatten einen Herzfehler, der nicht diagnostiziert worden war, erlitten Hitzeschläge bei heißem Wetter oder waren von einer schweren Störung ihres Elektrolythaushaltes betroffen. Die Zahlen in diesem Jahr dürften sich auf einem ähnlichen Wert einpegeln.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Facebook war einmal ihr Arbeitgeber, jetzt sagt Frances Haugen über die Plattform und deren Machenschaften aus, hier vor dem amerikanischen Senat.

          Facebook-Whistleblowerin : Frances Haugen hat einen Schlachtplan

          Frances Haugen macht auf Missstände bei Facebook aufmerksam. Sie findet international Gehör und hat eine solide Strategie und Verbündete. Das macht sie für den Netzwerkkonzern gefährlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.