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hGH-Doping : Das Hormon-Katapult: Schneller, nicht stärker

Der Supersprinter muss nicht muskelbepackt sein - Hormondopinmg reicht für den Vorsprung Bild: AFP

Seltsam schlank und über 100 Meter vier bis acht Zehntelsekunden schneller - dafür reicht simples Hormondoping. Eine Kombination aus Wachstumshormon und Testosteron reicht. Eine australische Studie belegt die enormen Effekte von hGH.

          Ein Sprinter, dessen Körper seltsam schlank wirkt im Vergleich zu den Kraftpaketen früherer Jahre; ein Weltmeister und Olympiasieger, der über 100 Meter vier bis acht Zehntelsekunden schneller läuft, als es seinem Organismus eigentlich möglich sein sollte. Solch ein Athlet, ein Wunderläufer, dessen Leistung auch Fachleute dazu veranlasst, sich ungläubig die Augen zu reiben, muss kein Homunkulus sein. Es reicht simples Hormondoping. Eine Kombination aus Wachstumshormon (hGH) und Testosteron könnte einen Supersprinter dieser Spezies hervorbringen. Oder bereits hervorgebracht haben. Zu diesem Ergebnis sind australische Wissenschaftler gekommen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Eine Studie am Garvan-Institut für medizinische Forschung in Sydney, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, belegt jedenfalls nicht nur erstmals, dass der Missbrauch von Wachstumshormon zu einer Steigerung der Sprintgeschwindigkeit führt, egal, ob zu Fuß, im Wasser oder auf dem Fahrrad. Sie beziffert sogar die Leistungssprünge. Wachstumshormon allein bewirkt eine Beschleunigung von vier bis fünf Prozent. Gleichzeitig verabreichtes Testosteron katapultiert die Wirkung auf acht Prozent.

          „Der Vorteil hängt von der Art des Wettkampfs ab“

          Über 100 Meter in der Leichtathletik brächte das also vier bis acht Zehntelsekunden. Dies ist der Unterschied zwischen dem Weltrekord und einem verpassten Finale. Zwischen dem Jamaikaner Usain Bolt, der bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Berlin mit 9,58 Sekunden Weltrekord lief, und dem Deutschen Martin Keller, der mit 10,40 Sekunden im Viertelfinale ausschied. Wachstumshormon steht wie Testosteron auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Es wird therapeutisch bei kleinwüchsigen Kindern eingesetzt.

          Die als Teil eines umfangreicheren Forschungsauftrages von der Wada finanzierte Studie ergab ein atemraubendes Bild: Sportler, die Wachstumshormon bekommen, erhöhen nicht etwa ihre Muskelmasse. Sie verbessern die sportliche Leistung nicht in allen Sportarten, sondern steigern lediglich die Performance im Sprint. „Der Vorteil hängt von der Art des Wettkampfs ab“, wird Professor Ken Ho, der Leiter der Forschungsarbeit, in einer Pressemitteilung zitiert.

          Leistungssteigernde Wirkung verschwand nach sechs Wochen

          „Es würde einem Ruderer oder Gewichtheber nicht helfen.“ Wachstumshormon, das der Körper natürlicherweise in der Hirnanhangdrüse produziert, das aber auch gentechnologisch hergestellt wird, gilt als verbreitetes Doping-Mittel. Ein direkter Effekt auf die Leistung wurde allerdings bisher noch nicht nachgewiesen. Es wurde vermutet, dass es hauptsächlich von Athleten eingesetzt würde, die ihre Kraft steigern wollen.

          In der Studie wurden 103 Freizeitsportler zwischen 18 und 40 Jahren über einen Zeitraum von acht Wochen untersucht, die seit mindestens einem Jahr im Training sind. Einige von ihnen erhielten tägliche Injektionen mit Wachstumshormon von der dänischen Firma Novo Nordisc, andere bekamen als Placebo eine Salzlösung. Eine Gruppe unter den 68 Männern erhielt zusammen mit dem Wachstumshormon Testosteronspritzen. Die leistungssteigernde Wirkung verschwand nach sechs Wochen wieder. Die Sportler, die Wachstumshormon erhielten, sprinteten nicht nur besser, sie litten auch an Nebenwirkungen. Sie speicherten Körperflüssigkeit und litten unter Schwellungen und Muskelschmerzen.

          Bisher gab es erst einen einzigen positiven Nachweis

          „Wir setzten niedrigere Dosen ein, als von Athleten berichtet wird“, so ein Zitat von Professor Ho, „und über einen kürzeren Zeitraum. Wir können deshalb vermuten, dass die Wirkung des Mittels auf die Leistung größer sein könnte, als die Studie zeigt. Und die Nebenwirkungen könnten schlimmer sein.“ Zu den lebensverkürzenden Effekten gehört das abnorme Wachstum von Händen, Füßen, Kinn und Unterkiefer, Ohren, Nase und Augenbrauenwülsten und eine Hypertrophie der inneren Organe.

          Ein Test auf Wachstumshormon wird bereits seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen eingesetzt. Allerdings ist hGH extrem schwer nachzuweisen, da es vom körpereigenen Hormon nicht zu unterscheiden ist. Bisher gab es erst einen einzigen positiven Nachweis: Der britische Rugby-Profi Terry Newton wurde Ende 2009 erwischt und im Februar für zwei Jahre gesperrt.

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