https://www.faz.net/-gtl-t099

Henry Maske : Von Schuld und Erlösung

  • -Aktualisiert am

Henry Maske schuftet für sein Comeback Bild: picture-alliance/ dpa

Seit ein paar Wochen schwitzt Henry Maske in New Jersey für seine Rückkehr in den Boxring. Trainer Teddy Atlas will den 42jährigen dafür aus der Reserve locken. „Ist schon eine Scheißarbeit“, sagt Maske nach zehn Jahren Trainingspause.

          Es sind nur noch ein paar Wochen. Und dann wird Teddy Atlas zum ersten Mal wirklich wissen, woran er ist. An einem Tag Anfang November wird sein Boxer in einen kleinen Ring im Keller eines ehemaligen Kaufhauses klettern.

          Der Plan sieht vor, daß drei offiziell anerkannte Punktrichter nach sechs Runden ein Urteil fällen. Sollte jedoch einer der beiden schon vorher k.o. gehen, steht ein Ringarzt bereit. Und draußen hinterm Haus wartet ein Krankenwagen. Denn alles soll so sein wie bei einem Kampf, bei dem es um etwas geht. Und zwar aus zwei Gründen: „Vorher hat er etwas, auf das er zielbewußt hinarbeiten kann“, sagt Teddy Atlas. „Und hinterher habe ich etwas, worauf ich aufbauen kann.“

          Dauerlauf und Fitness-Center

          Er - das ist der große Unbekannte in diesem Planspiel und zugleich die zentrale Figur: der ehemalige Halbschwergewichtsweltmeister Henry Maske, inzwischen 42 Jahre alt und fest entschlossen, sich nach zehn Jahren Wettkampfpause Ende März 2007 mit dem Amerikaner Virgil Hill zu messen. Teddy Atlas - das ist der amerikanische Boxtrainer, den sich Maske eigens für diesen quälenden Comebackversuch ausgesucht hat.

          Duell im März 2007: Hill versus Maske

          Er hat die Idee mit den simulierten Boxkämpfen gehabt, von denen in den kommenden Monaten drei auf dem Programm stehen. Atlas ist der Grund, weshalb Maske seit ein paar Wochen in einem Apartmenthaus in Hackensack/New Jersey lebt, wo er jeden Tag früh aufsteht, um Dauerlauf zu machen, mittags in diesen Keller unter dem Olympus Gym an der Main Street geht, um an der Technik zu feilen, und abends in ein Fitness-Center fährt, um Hanteln zu stemmen.

          „75 Prozent ist Psychologie“

          Atlas gilt in den Vereinigten Staaten als Experte für schwierige Fälle. Wie schwierig der Fall Henry Maske ist, vermag aber auch er noch nicht zu sagen. Nach den ersten zwei Wochen im gemeinsamen Training weiß er nur soviel: „Die meisten Boxer geben sich ihrem Sport nicht wirklich hin. Sie versuchen es auf die einfache Tour.“ Den ehemaligen Offizier der Nationalen Volksarmee, der bereits ziemlich fit in die Vereinigten Staaten gereist ist, muß man nicht antreiben. Der arbeitet hart - von sich aus.

          Der Rest wird sich zeigen. „Der wichtigste Muskel ist dieser“, sagte Atlas an einem Trainingstag in der vergangenen Woche und zeigte auf seinen Kopf mit den graumelierten Haaren. „75 Prozent in diesem Geschäft ist Psychologie.“ Angewandte Power-Psychologie. Denn: „Hier geht es um Kontrolle.“ Also etwas, das der aktuelle WBA-Cruisergewichtsweltmeister Virgil Hill schon immer sehr gut verstanden hat. „Er will immer der Ozean sein und will, daß du das Treibholz bist. Ich will, daß Henry der Ozean ist und Virgil das Treibholz.“

          Durchtrainiert, zielstrebig und intelligent

          Atlas und Maske, der mit einem gebrauchsfertigen, aber eingeschränkten Englisch-Wortschatz angereist ist, wirken wie ein vielversprechendes Paar. Auch oder gerade wegen der Kontraste. Auf der einen Seite: ein 50 Jahre alter Mann mit einem Gesicht, in dem eine flachgedrückte Boxernase und eine lange feine Narbe von jenen harten Zeiten zeugen, in denen er es schwer hatte, seine explosiven Emotionen unter Kontrolle zu halten. Sein Leben in der sozialen Kälte der amerikanischen Gesellschaft und seine Beziehung zum Boxen waren für ihn zwei Seiten derselben Medaille. So landete er zwischendurch auch mal im Gefängnis, hätte beinahe im Affekt einen ehemaligen Schützling erschossen und scheute sich nicht davor, einen amerikaweit bekannten Mafiakiller zu betreuen, der sich für den Faustkampf interessierte.

          Weitere Themen

          Trumps zwielichtiges Telefonat

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?

          Topmeldungen

          Thunberg beim Klimagipfel : „Wie könnt Ihr es wagen!“

          Greta Thunberg kritisiert beim UN-Klimagipfel in New York die zögerliche Haltung der Politik beim Klimaschutz und reicht eine Menschenrechtsbeschwerde ein. Bundeskanzlerin Merkel antwortet: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.