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Olympiasieger Henri Junghänel : „Jeder ist sein größter Feind“

Am Ende kam er mit Gold dekoriert auf Rio de Janeiro zurück.

Nach einem „politischen Hin und Her“ wurde es zwar nichts mit dieser besonderen Form der Wertschätzung. Doch Ehrenmitglied in seinem Schützenverein Rai-Breitenbach, das wurde Henri Junghänel schon. „Ich habe jetzt eine kleine Tafel. Ich gehöre zum gesellschaftlichen Leben in Rai-Breitenbach. Gigantisch zu sehen, wie glücklich ich die Leute gemacht habe.“ Weitere große Momente folgten fern der Heimat. Auch wenn Junghänel nicht Gold in Rio geholt hätte: Die Reise quer durch Südamerika war schon vorher geplant.

Dass er sie gemeinsam mit seiner Freundin durch die Olympiaprämie von 20.000 Euro, die er von der Stiftung Deutsche Sporthilfe erhielt, nochmals ausschmücken konnte, war eine willkommene Zugabe. Die finanzielle Grundlage hatte Junghänel schon vorab zu Beginn des Jahres in Wiesbaden gelegt. Der Kauf des richtigen Loses beim Ball des Sports war ein Glücksfall. „Wir haben einen VW Touran gewonnen und ihn in Geld umgesetzt.“ Knapp drei Monate Urlaub in Argentinien, Chile, Uruguay und Panama. „Geplant waren elf Wochen“, sagt Junghänel. „Aber Gold war nicht geplant, und dann gab es auch noch den Champion des Jahres in Südspanien.“ Am Ende waren es neun Wochen, die er gemeinsam mit seiner Freundin Südamerika bereiste, um Länder und Leute kennenzulernen.

„Wegen meiner Freundin bin ich nach Berlin gegangen“

Stets galt dabei der Fokus auch der Zeit danach. Der Zeit nach dem Sport, von dem er unmittelbar nach seinem Coup von Rio den Abschied ankündigte. „Schon im Vorfeld von Olympia hatte ich Bewerbungen abgeschickt.“ Als Junghänel schon südamerikanischen Boden unter den Füßen hatte, musste er zurück nach Deutschland. Kein Vorstellungsgespräch, sondern ehrenamtliche Verpflichtungen führten ihn für zwei Tage nach München. Als Vertreter im Athletenkomitee des internationalen Schießsportverbandes war Junghänels Expertise mehr denn je gefragt. „Liegendschießen soll aus dem olympischen Programm fliegen“, sagt Junghänel mit entsetzter Stimme.

„Dabei gibt es riesige Teilnehmerzahlen weltweit“, fügt der bis 2018 in das Athletenkomitee gewählte Sportschütze an. „Ich finde es verwerflich, dass es aufgegeben werden soll.“ Der entsprechende Vorschlag, so Junghänels Kenntnisstand, soll Ende Januar dem Internationalen Olympischen Komitee gemacht werden. „Unser Schießen ist eine Breitensportart. Das kann man von 16 bis 80 machen. Die Tradition wird vergessen bei Olympia“, klagt Junghänel. „Man will stattdessen neue, coole Sportarten haben.“

Junghänel wird für den Fortbestand seiner goldbringenden Schießsportdisziplin kämpfen. Ein Kampf gegen Windmühlen? Auf anderem Gebiet hat er schon gewonnen. Der Olympiasieger, der sich dank seiner vorzüglichen Master-Arbeit besser als die meisten anderen mit statischem und dynamischem Kriechverhalten von Draht auskennt, wird sich in den ersten Monaten des neuen Jahres 2017 geographisch verändern. „Wegen meiner Freundin bin ich nach Berlin gegangen“, sagt Junghänel. „Sie wird jetzt wegen mir in den Süden mitgehen.“

Junghänel hat die entscheidenden Pflöcke für die Zeit nach dem Sport eingeschlagen. In Baden-Württemberg will Junghänel als exzellenter „Master of Engineering“ in das Berufsleben starten. Gold in Rio und eine erfolgversprechende Perspektive für die Zeit danach: Doppelsieger Henri Junghänel, ein Siegertyp 2016 mit Zukunft.

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