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Tennis-Tagebuch : Heimtückische Besucher und Herzklopfen in Paris

  • -Aktualisiert am

Vom Ehrgeiz gepackt: Andrea Petkovic Bild: dpa

Atemübungen, Aberglaube, Andy Roddick - warum das erste Grand-Slam-Turnier für Tennisprofis etwas ganz besonderes ist, schreibt Andrea Petkovic in ihrem Tennis-Tagebuch auf FAZ.NET.

          5 Min.

          Nachdem ich mein schwaches Herz nach dem Fed Cup wieder geölt und auf Hochtouren gebracht hatte, war es durchaus wieder bereit, die bevorstehenden Aufgaben in Angriff zu nehmen. Zunächst stand das hochdotierte WTA-Turnier in Berlin vor der Tür, zwischen diverse Bundesligaspiele in meinen Turnierkalender gequetscht und von den Qataris organisiert, die mit einem selbstbedruckten T-Shirt mit der Aufschrift: „ Wir sind gekommen, um zu bleiben“ auf der Pressekonferenz auftauchten und für lächelnde Gesichter sorgten.

          Meine erste Bewährungsprobe ließ auch gar nicht lange auf sich warten. Da ich freitags noch ein Bundesligaspiel hatte, musste ich in der Nacht aus Düsseldorf nach Berlin fahren, um samstags gegen 11 Uhr meine erste Qualifikationsrunde anzutreten. Meine Gegnerin war Yaroslava Shvedova, die kurz zuvor ein WTA-Turnier in Bangalore gewonnen hatte und die gestandene Nummer 77 der Weltrangliste war. Ich marschierte fliegend einfach durch das Match, gewann es 7:5 im entscheidenden Satz, und auch meine zweite Qualifikationsrunde war ein lockerer Durchlauf.

          Paris erobern

          In nur drei Stunden gewann ich 7:6 im ebenfalls entscheidenden Satz, war in null Komma nichts von einer Qualifikantin zur Hauptfeldspielerin aufgestiegen und konnte ein wenig Luxus genießen, weil Hauptfeldspielerinnen ein Zimmer im edlen Interconti bezahlt wird. Zuvor konnte ich diesen Luxus nur heimlich beanspruchen, indem ich mich bei meiner Freundin und Kollegin Tatjana Malek, die von vornherein mit einer Wildcard ausgestattet im Hauptfeld zugegen war, als blinder Passagier einnistete.

          Beidhändig in die zweite Runde: Andrea Petkovic überrascht in Paris
          Beidhändig in die zweite Runde: Andrea Petkovic überrascht in Paris : Bild: dpa

          Meine Gegnerin hieß Shuai Peng, Nummer 32 der Damenweltrangliste, Staatsbürgerin Chinas, Vorhand und Rückhand beidhändig, Spielstil schnell und flach, guter Aufschlag. Wetterumstände: Regen (zweimalige Unterbrechungen), Wind und Kälte. Ich verlor nach heftiger Gegenwehr und Chancen auf Satzgewinn 3:6, 5:7, ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, welch gute Vorbereitung es für mein Debüt in Paris sein sollte. Die Parallelen sind im Nachhinein nicht zu leugnen. Bei den French Open verlor ich gegen Marion Bartoli, Nummer 21 der Welt, Französin, Vorhand und Rückhand beidhändig, Spielstil schnell und flach, guter Aufschlag. Wetterumstände: Regen (zweimalige Verschiebungen), Wind und Kälte. Aber dazu später mehr.

          Mit gestärktem Selbstbewusstsein, der Gewissheit, dass ich mit den ersten 50 Spielerinnen der Welt wenigstens mithalten kann, und Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner im Gepäck machte ich mich also auf, Paris zu erobern – sogar zwei Tage vor Spielbeginn, um mich ausgiebig vorzubereiten. Falls jemand, der mich kennt, nun meint, ich sei in der Zwischenzeit professionell geworden, der irrt, denn Schuld war einzig und allein der Zwang, den Barbara Rittner ausübte.

          „Taktik und ich - das passt nicht zusammen“

          Mein erster Trainingstag stand auf Platz eins an, in der sogenannten „Stierkampfarena“, und ich löste keinen Geringeren als Guillermo Canas von der Arbeit ab. Das machte Mut, bis ich am nächsten Tag erwachte und feststellte, dass in der Nacht heimtückische Besucher eine Visite bei mir abgelegt hatten. Ich hatte eine Blasenentzündung, der ich mit ausgiebig mit Arztbesuchen und Pillen begegnete. So konnte ich an diesem Tag nur einmal eine Stunde trainieren – und am nächsten Tag stand mein Grand-Slam-Debüt an. Geplagt überstand ich die erste Qualifikationsrunde mit 6:3, 6:2. Und ich muss gestehen, dass ich da schon völlig aus dem Häuschen war, weil ich eine Runde bei einem Grand Slam erfolgreich gemeistert hatte; ich wusste noch nicht, dass Marcos Baghdatis mich fünf Tage später von einer Pressekonferenz ablösen sollte. Meine Freude konnte ich niemandem mitteilen, weil ich kein funktionierendes Handy besaß.

          Am darauffolgenden Tag trat ich gegen eine sehr talentierte Spielerin aus den Vereinigten Staaten von Amerika an, die gut und gerne auch in einem amerikanischem Hip-Hop-Video ihren Platz gefunden hätte. Leider (oder zum Glück) war sie an diesem Tag wohl zu talentiert, denn ihr unterliefen etliche unerzwungene Fehler, die mir einen 6:2, 6:3-Sieg bescherten. Barbara Rittner behauptet ja bis heute, dass ich taktisch ach-so-klug gespielt hätte, aber daran mag ich irgendwie nicht glauben, denn Taktik und mein Name in einem Satz – das passt nun wirklich nicht zusammen.

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