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British Open im Golf : Wo ein Ire mit 16 zur Legende wurde

  • -Aktualisiert am

Das Ziel im Blick: Rory McIlroy beim Training für die British Open Bild: dpa

Im Alter von 16 Jahren stellte er einen Platzrekord in Portrush auf. Am selben Ort spielt der Golfer Rory McIlroy nun 14 Jahre später bei den British Open um den Sieg. Er gilt als Top-Favorit – aus gutem Grund.

          Rory McIlroy spielt Golf, seit er laufen kann. Der mittlerweile 30 Jahre alte Nordire hat in seinem Leben Tausende von Golfrunden gespielt, zumal er seit zwölf Jahren spielend seinen Lebensunterhalt verdient. „Es gibt nur ganz wenige Runden, bei denen ich mich an jeden Schlag erinnere, genau weiß, welchen Schläger ich an jedem Loch nahm. Aber die 61 Schläge in Royal Portrush gehören dazu“, sagt der Profi aus Holywood, einem Vorort von Belfast.

          Als wäre es gestern passiert, erzählt er, wie er am ersten Loch ein Birdie knapp verpasste, mit einem Eagle am 10. Loch richtig in Schwung kam und die Runde mit fünf Birdies und ohne ein einziges Bogey beendete. Bei der Zählspielqualifikation für die North of Ireland Championship hatte McIlroy 2005 den alten Platzrekord von 64 Schlägen auf den Dunluce Links des Royal Portrush Golf Clubs gleich um drei Schläge unterboten, hatte mit 61 (11 unter Par) eine selbst für seinen Golflehrer Michael Bannon unfassbare neue Bestmarke aufgestellt, die bis heute nicht egalisiert oder gar verbessert wurde – und das im Alter von 16 Jahren. „Diese 61 hat mich einem breiteren Golfpublikum bekannt gemacht. Ich denke oft an diese Runde“, erzählt das einstige Wunderkind, das seit einem Jahrzehnt zu den besten Golfern zählt und einige Male an der Spitze der Weltrangliste stand.

          Nach 68 Jahren wieder in Nordirland

          In dieser Woche ist die komplett versammelte Weltelite bei der 148. British Open in Portrush, einem nur 6000 Einwohner zählenden Seebad an der Nordküste der irischen Insel, zu Gast, wie schon 1951 wird der „Champion Golfer of the Year“ auf den Dunluce Links ermittelt, einem der spektakulärsten, landschaftlich schönsten und besten Plätze der Welt.

          Dass der Veranstalter R&A nach 68 Jahren zum zweiten Mal The Open Championship, wie das Turnier offiziell heißt, außerhalb Schottlands und Englands austragen lässt, hat zwei Gründe: einmal die Begeisterung für Golf in Nordirland. Erstmals in der Geschichte der British Open wurde der Kartenverkauf wegen des großen Andrangs limitiert, mehr als 215.000 Fans können das lange ausverkaufte Turnier nicht live verfolgen.

          Der zweite Grund für die Aufnahme von Portrush in den exklusiven Kreis der zehn Golfklubs, die die British Open austragen, sind die Erfolge nordirischer Profis bei den vier Majors. Graeme McDowell, der in Portrush aufwuchs, gewann 2010 die US Open. Darren Clarke, der ein Haus in Portrush hoch über dem Platz mit grandiosem Ausblick auf die 18 Löcher und das Meer besitzt, triumphierte 2011 bei der British Open. Mit dem königlichen Club verbindet die beiden noch mehr als ihre Ehrenmitgliedschaft. Clarkes Sohn Conor arbeitet im ProShop, McDowells jüngerer Bruder Gary gehört seit mehr als zwanzig Jahren zum Greenkeeping-Team.

          Doch diese Erfolge werden überstrahlt von McIlroy, der in aller Welt die Golffans fasziniert. Er übertraf seine Landsleute mit seinen vier Major-Erfolgen bei der US Open (2011), der PGA Championship (2012 und 2014) und der British Open (2014). An diesem Donnerstag darf der mittlerweile 50 Jahre alte Clarke um 6.35 Uhr Ortszeit den ersten Schlag ausführen, eine ganz besondere Ehre. Auch McDowell hat sich für das letzte Majors des Jahres qualifiziert, doch die beiden zählen im Gegensatz zu „Rors“, wie ihn seine Freunde nennen, nicht zu den Anwärtern auf den Siegespreis von knapp zwei Millionen Dollar.

          Optimismus trotz vergangener Niederlage

          McIlroy dagegen wird bei britischen Buchmachern gemeinsam mit dem amerikanischen Weltranglistenersten Brooks Koepka mit einer Quote von 8:1 als Top-Favorit geführt – und nicht nur, weil er den Platz als Ehrenmitglied des Klubs wie seine Westentasche kennt. In diesem Jahr hat McIlroy als einziger Profi zweimal auf der PGA Tour gewonnen, darunter die „Players Championship“, das inoffizielle fünfte Major. Bei der Canadian Open deklassierte er im Juni mit einer Schlussrunde von 61 Schlägen die Konkurrenz gleich um sieben Schläge.

          Ein weiterer Turniersieg war dem Weltranglistendritten zwar seitdem nicht mehr vergönnt, aber elf Top-Ten-Plazierungen bei 14 Turnieren der PGA Tour sprechen für seine Beständigkeit. Dass er am Sonntag bei der Scottish Open im Renaissance Club in North Berwick nur auf dem 34. Platz und neun Schläge hinter dem siegreichen Österreicher Bernd Wiesberger landete, hat seinen Optimismus für das Heimspiel nicht dämpfen können: „Es war das erste Mal, dass ich wieder auf einem Links Course gespielt habe. Es braucht seine Zeit, bis man sich wieder daran gewöhnt. Es war eine sehr produktive Woche für mich“, bilanzierte McIlroy.

          Die Dunluce Links wurden für diese Open stark verändert, für die als schwach geltenden Abschlusslöcher 17 und 18 entwarf der englische Golfarchitekt Martin Ebert die neuen Bahnen 6 und 7 und verlängerte den Platz auf 7317 Yards (6691 Meter) bei Par 71. Dass McIlroy streng genommen nicht als Rekordhalter das Turnier beginnt, wertet er als gutes Omen: „Ich habe in Quail Hollow mit 62 einen Platzrekord aufgestellt. Danach wurde der Platz umgebaut, und ich habe auf dem neuen Platz eine 61 gespielt.“

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