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Heide Ecker-Rosendahl : Mehrkampf im Herzen und Eierkocher zur Belohnung

  • -Aktualisiert am

Olympia 1972: Gold im Weitsprung und mit der Staffel, Silber im Fünfkampf Bild: AP

Auch Idole haben Idole. Heide Ecker-Rosendahl „wäre gerne Skirennläuferin geworden - so wie Rosi Mittermaier“. Sie wurde Leichtathletin. Und sorgte für goldene Momente bei den Olympischen Spielen 1972. Diesen Mittwoch feiert sie ihren 60. Geburtstag.

          Die Schlussläuferin der Bundesrepublik übernimmt mit einem Vorsprung, der nur in Zentimetern zu messen ist, den Staffelstab. Viele im Münchner Olympiastadion befürchten, wenige erhoffen, dass die ostdeutsche Sprinterin in ihrem typischen Trommelstil schon bald an der westdeutschen Rivalin vorbeispurtet, die mit eleganteren, weiter greifenden Schritten der Attacke zu entkommen versucht.

          Die Führende hält nicht nur stand, sie verschafft sich bis ins Ziel einen Meter Vorsprung: Heide Rosendahl hat Renate Stecher besiegt! Die Erste hatte für die „fliegenden“ 100 Meter 10,0, die Zweite - immerhin Olympiasiegerin auf dieser Distanz - 10,1 Sekunden gebraucht. Ein erstaunliches Ausrufezeichen der Außenseiterinnen, die den Staffel-Weltrekord auf 42,81 Sekunden drückten, und einer der goldenen Momente für die Bundesrepublik bei diesen wechselvollen Sommerspielen 1972.

          Karriere fest mit diesem Bild verbunden

          Ein bitterer Augenblick war es für das DDR-Quartett - nicht nur eine sportliche, vielleicht politische, zumindest aber eine sportpolitische Niederlage des „anderen“, athletisch überlegenen Deutschland. Im Blick zurück ist diese Finalszene nur „ein Wimpernschlag“ in den Augen von Heide Rosendahl, die an diesem Mittwoch sechzig Jahre alt wird und über ihre aufgefrischte Jugenderinnerung schmunzelt: „Ich weiß, dass meine Karriere fest mit diesem Bild verbunden bleibt.“

          Staffel-Weltrekord 1972: Heide Rosendahl (r) und Ingrid Mickler-Becker

          Wo doch so viele andere ihrer herausragenden Leistungen ebenso bemerkenswert sind: In München schließt sie auch den Weitsprung mit Gold, den Fünfkampf mit Silber ab. Im Mehrkampf, den die vielseitige Leichtathletin „von Herzen“ bevorzugt hat, stellt Heide Rosendahl 1969 innerhalb von fünf Monaten drei Weltrekorde auf. Sie schafft globale Bestleistungen, unter anderem im Weitsprung mit 6,84 Metern bei den Studenten-Weltspielen 1970 in Turin. Hinzu kommen 30 deutsche Meistertitel.

          Eierkocher und Bügeleisen gesammelt

          Das alles gelang einer Athletin, die schon 1973 mit erst 26 Jahren ihre Laufbahn abschloss: „Ich musste an den Beruf denken.“ Denn Geld war mit dem Sport damals nicht zu verdienen. „Als Prämien habe ich nur jede Menge Eierkocher und Bügeleisen gesammelt.“

          Nach einem akademischen Schnupperkurs in Innenarchitektur beendete Heide Rosendahl ihr Diplomsportstudium mit Erfolg und dozierte an der Kölner Sporthochschule. Zudem wollte sie eine Familie haben und wusste: „Ich bin kein Mensch, der Mutterschaft und Leistungssport unter einen Hut bringt.“ Ein Jahr später heiratete sie den amerikanischen Bundesliga-Basketballer John Ecker und wurde zweimal Mutter: David spielt Handball, Danny ist ein Stabhochspringer von Weltklasse geworden.

          Auch Idole haben Idole

          Sport: der rote Faden in ihrer Biographie, die einige Funktionärs-Kapitel enthält. 1993 wurde die zweimalige Sportlerin des Jahres, die damals mit Ringelsöckchen und Nickelbrille ganz brav aussah, aber auch im Minirock und einer Zigarette in der Hand auftrat, „Athleten-Vertraute“ des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV); 1997 übernahm sie die Aufgabe einer DLV-Vizepräsidentin für Marketing. Nach vier Jahren machte Heide Ecker-Rosendahl Schluss damit: „Da war ich fast so lange Funktionärin wie Leistungssportlerin. Das reichte.“

          Seither engagiert sie sich in Führungspositionen beim TSV 04 Bayer Leverkusen sowie in der Sportstiftung Nordrhein-Westfalen - und achtet darauf, dass sie ihre Fitness nicht verliert: Sie führt ihr eigenes Studio und die Heide-Rosendahl-Akademie für sportliche Ernährung. In ihrer Freizeit als Ehefrau und Geschäftsfrau spielt sie Golf und fährt Ski. Heide Ecker-Rosendahl, früher westdeutsche Meisterin im Abfahrtslauf, „wäre gerne Skirennläuferin geworden - so wie Rosi Mittermaier“. Auch Idole haben Idole.

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