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Handballtrainer Schwalb : Begehrt wie nie zuvor

  • -Aktualisiert am

So gut wie Meister, bald Bundestrainer? Martin Schwalb Bild: picture-alliance / M.i.S.-Sportp

Martin Schwalb steht mit dem HSV Hamburg vor dem Gewinn der Handballmeisterschaft. Schon mit einem Sieg an diesem Mittwoch in Flensburg wäre der HSV so gut wie durch. Wird Schwalb dann Bundestrainer? Zumindest ist er der Wunschkandidat der Liga.

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          Wer sich ausführlich über die Details des Spiels unterhalten möchte - bitte. Martin Schwalb ist auskunftsfreudig. Man sollte ihm derzeit allerdings nicht mit dem heißesten Gerücht der Handballszene kommen. Denn dann wird der Trainer des Bundesliga-Tabellenführers HSV Hamburg ganz schmallippig, schlechte Laune schleicht sich an. Heißt der neue Bundestrainer vielleicht Martin Schwalb?

          Seit der Pleite der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Schweden ist klar, dass Bundestrainer Heiner Brand ein Coach auf Abruf ist. Eine klare Aussage Brands fehlt, doch ist davon auszugehen, dass er seinen bis nach der WM 2013 in Spanien laufenden Vertrag auflöst und in diesem Sommer aufhört. Im Juni stehen die Berechtigungsspiele zur EM 2012 in Serbien an; Deutschland muss Österreich und Lettland besiegen, um sich für das Kontinentalturnier zu qualifizieren und die kleine Chance zu wahren, doch noch an den Olympischen Spielen in London teilzunehmen. Es gilt auch verbandsintern als ausgemacht, dass Brand im Juni die Bank räumt und einen neuen Posten beim Deutschen Handball-Bund (DHB) bekommt.

          Der Wunschkandidat der Liga heißt Schwalb

          Doch wer sein Nachfolger werden soll, scheint unklar, auch wenn man beim DHB anderes behauptet: „Wir sitzen ja nicht auf Bäumen. Egal, was im Juni passiert, wir sind vorbereitet“, sagt Vizepräsident Horst Bredemeier. Der Verband soll die ehemaligen Nationalspieler Christian Schwarzer und Markus Baur favorisieren, auch Brands Assistent Martin Heuberger wird als Kandidat genannt. Doch keiner der drei wäre der Liga zu vermitteln - Schwarzer und Baur fehle die Erfahrung, Heuberger gilt als idealer zweiter Mann.

          Der Wunschkandidat der Bundesliga heißt Martin Schwalb, und weil der DHB unbedingt einen deutschen Nationaltrainer will und ein anderer interessanter Name deswegen ausscheidet - der des Isländers Alfred Gislason -, reduziert sich die Kandidatenkür rasch auf einen, der eigentlich gar nicht mehr als Trainer arbeiten will: Schwalb wechselt im Sommer auf den Geschäftsführerposten beim HSV, als verantwortlicher Coach folgt ihm der ehemalige Flensburger Per Carlén nach.

          In der Bundesliga so gut wie durch

          „Ich bin jetzt seit 13 Jahren Trainer”, sagte Schwalb im Dezember im F.A.Z.-Interview, „es tut mir gut, wenn ich da mal einen Break mache. Wir spielen alle drei Tage. Ich merke schon seit längerem, dass dieser Job an die Substanz geht. Ich möchte einfach nicht mehr alle drei Tage vor einem Spiel kalte Hände und Füße haben vor Anspannung.“ Als Bundestrainer wäre die Belastung eine viel geringere - das öffentliche Interesse allerdings ungleich größer, denn Vereinshandball ist ja nur eine regionale Erscheinung.

          Von Schwalb selbst ist nichts zu erfahren. Ein Gespräch mit dem DHB soll es auch noch nicht gegeben haben. Der Trainer will sich ganz auf das Saisonfinale konzentrieren und dem deutlich vor dem THW Kiel führenden Spitzenreiter die erste Meisterschaft sichern. Schon mit einem Sieg an diesem Mittwoch bei der SG Flensburg-Handewitt (20.30 Uhr im FAZ.NET-Handball-Bundesliga-Liveticker) wäre der HSV so gut wie durch.

          Dem HSV geht das alles ein bisschen zu schnell

          Sollte er es überhaupt noch nötig haben, würde Schwalb als Meistertrainer grüßen und noch ein bisschen mehr Werbung für sich machen. So wird jeder weitere Sieg des HSV auch ein weiteres Argument für den DHB, es bei Schwalb zu versuchen. Unterschätzen darf man ihn nicht, den Schmeichelfaktor: Noch ist er nicht in der Gilde der großen deutschen Trainer angekommen. Übernähme er als früherer Nationalspieler und Hamburger Meistertrainer Brands Posten, wäre die Vita weiter veredelt. Und das mit 47 Jahren.

          Dem HSV geht das alles ein bisschen zu schnell. Die Personalien sind ja noch frisch: Carlén für Schwalb; Schwalb neuer Sportchef für den entlassenen Christian Fitzek; Präsident und Geldgeber Andreas Rudolph vor dem Wechsel in den Aufsichtsrat. Der sommerliche Abgang Schwalbs brächte das schöne Konstrukt zum Einsturz. Rudolph will das nicht hinnehmen. Er sagte dem „Handball-Magazin“: „Martin Schwalb hat einen Vertrag beim HSV. Wir wollen ihn behalten, sonst hätten wir doch gar nicht mit ihm verhandelt.“ Doch so ganz scheint auch Rudolph nicht überzeugt zu sein, dass der Sportchef des HSV ab Juli 2011 tatsächlich Martin Schwalb heißt. Rudolph sagt: „Sollte er zum Bundestrainer berufen werden, wird mit dem HSV zu reden sein, weil die Nationalmannschaft ein wichtiges Thema ist.“

          Schwalb besinnt sich auf das Hier und Jetzt

          Als Kompromiss zwischen Vereins- und Verbandsinteressen bliebe nur die Doppelfunktion. Könnte der neue deutsche Bundestrainer also gleichzeitig als Geschäftsführer des HSV arbeiten? Rudolph findet das „sehr diskussionswürdig, das wäre keine glückliche Lösung“. Tatsächlich wäre Schwalbs Jobeinstieg als Manager arg verkompliziert, träte er gleichzeitig den Posten des Bundestrainers an - womöglich sogar betraut mit dem Neuaufbau der Nationalmannschaft, sollte Deutschland die Partie gegen Österreich am 8. Juni verlieren und EM sowie Olympia verpassen.

          Bei diesen vielen offenen Fragen ist es fast verständlich, dass sich Martin Schwalb auf das Hier und Jetzt besinnt und lieber über Flensburg spricht. Bei der Fülle von attraktiven Angeboten - tatsächlichen und wahrscheinlichen - lässt es sich derzeit sehr gut leben, als Handballtrainer des Bundesliga-Tabellenführers.

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