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Handballstar Karabatic : Hinter dem Gerichtssaal wartet der Millionendeal

  • -Aktualisiert am

Fand bislang immer einen Ausweg: Weltstar Karabatic (r.) Bild: AP

Champions-League-Sieger mit vier verschiedenen Teams: Welthandballer Nikola Karabatic hat noch große Pläne. Doch bevor der Franzose in seine Heimat zu Paris Saint-Germain wechseln kann, muss er sich vor Gericht wegen Spielmanipulation verantworten.

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          Das Zögern hat handfeste Gründe. Rund um das Champions-League-Finale in Köln vor mehr als drei Wochen hatte sich Nikola Karabatic schon konkret zu seinen Wechselabsichten geäußert. „Ich habe mich entschieden, aber es ist noch nichts unterschrieben“, sagte der 31 Jahre alte Franzose. Niemand geht mehr davon aus, dass der „Welthandballer 2014“ seinen Vertrag beim damals siegreichen FC Barcelona erfüllen wird.

          Zwei Millionen Euro soll der neureiche Klub Paris Saint-Germain geboten haben, um Karabatic zu bekommen. Anfang Juli dürfte der spektakuläre Transfer dann über die Bühne gehen. In Paris soll das beste Handballteam der Welt entstehen, gespeist aus den Millionen der „Qatar Sports Investments (QSI)“ – in Schwung gebracht vom jüngst verpflichteten Trainer-Fuchs Zvonimir Serdarusic, angeführt von Nikola Karabatic. Dass es sich in Sachen Karabatic so zieht, liegt an einem Prozess, der am vorvergangenen Montag in der südfranzösischen Stadt Montpellier begann.

          Ungewöhnlich hohe Summen

          Drei Monate Haft auf Bewährung und 30.000 Euro Geldstrafe forderte Staatsanwalt Patrick Desjardins am Montag für Karabatic. Im neu aufgerollten Prozess um ein vermeintlich manipuliertes Spiel vom Mai 2012 muss sich der seit Jahren beste Handballspieler der Welt vor Gericht verantworten. Damals gewann das abstiegsbedrohte Team aus Cesson-Rennes gegen Karabatics ehemaligen Klub Montpellier überraschend 31:28; Montpellier stand schon als Meister fest.

          Ungewöhnlich hohe Summen waren auf eine Halbzeitführung der Gastgeber gesetzt worden – auch von Spielern Montpelliers, die nun zu den Angeklagten gehören. „Ich würde niemals gegen meine Mannschaft wetten“, sagte Karabatic, der alle Schuld von sich weist, vor Gericht. Den Vorwürfen, das Spiel absichtlich verloren zu haben, muss er sich nicht ausgesetzt fühlen – er fehlte verletzt.

          Der Ruf des beliebten Stars hat trotzdem gelitten; der Wechsel zum FC Barcelona 2013 kam einer Flucht aus Frankreich gleich. Nun ist Karabatic bereit, zurückzukehren, wohl auch, weil die französische Öffentlichkeit eher seine Verdienste um die höchst erfolgreiche Nationalmannschaft sieht. Nicht so Staatsanwalt Desjardins. Als „verzogenes Kind des französischen Sports“ bezeichnete er ihn Montag, es sei unglaubwürdig, dass Karabatic als Chef der Mannschaft nichts von den Wetten gewusst habe. Karabatics Verteidiger Jean-Robert Phung plädiert auf Freispruch. Sein Plädoyer ist für diesen Freitag vorgesehen. Die Urteile sollen rasch folgen.

          Und danach wird der Wechsel in die Hauptstadt vollzogen. Dort stehen bei PSG in Mikkel Hansen, Luc Abalo, Daniel Narcisse, William Accambray und Thierry Omeyer große Namen unter Vertrag. Auf 15 Millionen Euro wird der Etat des Klubs taxiert – durch Serdarusic und Karabatic wird PSG nicht eben billiger. Dabei soll die Zusammenführung des ehemaligen Kieler Erfolgsgespanns der entscheidende Schachzug sein, um endlich ein Team ins Rennen zu schicken, das mehr als französische Titel gewinnt. Die Champions League nämlich. Dass misslang Serdarusics Vorgänger Philippe Gardent.

          Karabatic’ alter Weggefährte: Trainer Serdarusic

          Wie der „Spiegel“ berichtete, soll die Entscheidung von QSI, neben dem Fußball auch kräftiger in die PSG-Handballabteilung zu investieren, am Rande der Weltmeisterschaft Anfang des Jahres in Qatar gefallen sein. Da offenbarte sich, was eine zusammengekaufte Mannschaft mit einem starken Trainer erreichen kann: Qatar wurde beinahe ausschließlich mit eingebürgerten Europäern und einem spanischen Trainer Zweiter – hinter Frankreich mit dem Kapitän Nikola Karabatic.

          Dass die große Einkaufstour Auswirkungen auf die Bundesliga hat, sehen die deutschen Spitzenteams so sorgenvoll wie frustriert. „Wenn Paris von Scheichs aus Qatar aufgerüstet wird, können wir nicht mithalten“, sagte der Kieler Trainer Alfred Gislason dieser Zeitung. Er soll ebenso schon ein Angebot aus Paris auf dem Tisch gehabt haben wie der Flensburger Coach Ljubomir Vranjes. Der dortige Geschäftsführer Dierk Schmäschke klagte gegenüber dem „Spiegel“: „Die hauen die Preise im Markt völlig kaputt.“

          Nikola Karabatic hat andere Ziele als ein volles Portemonnaie. Er wäre der erste Spieler, der die Champions League mit vier Klubs gewonnen hat: Montpellier, Kiel, Barcelona und Paris. Mit ihm als Lenker und Schützen im Angriff, seinem schon verpflichteten Bruder Luka als Abwehrchef und dem 64 Jahre alte Serdarusic, der seit Februar 2014 Aix-en-Provence trainierte und die Liga kennt, planen QSI und PSG nun den Angriff auf Europa. Doch bis es soweit ist, steht für Nikola Karabatic ein spannendes Urteil aus.

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