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Handballerin Nadine Krause : „Bei jedem Wurf bohrte sich die Schraube in die Sehne“

  • Aktualisiert am
Nadine Krause: „Erst Anfang dieses Jahres ging es wieder bergauf“
          3 Min.

          Deutschland startet am Samstag in die Handball-Weltmeisterschaft - mit Ihnen. Dabei sah es zwischendurch so aus, als könnten Sie, gerade 29 Jahre alt, gar nicht in das Team zurückkehren.

          Ja, nach meiner Schulterverletzung im November 2009 hatte ich große Zweifel, ob ich wieder in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft würde spielen können. Ich hatte mich an der Supraspinatussehne verletzt. Eine Schraube, die diese fixieren sollte, bohrte sich bei jeder Wurfbewegung in die Sehne. Ich war nie richtig beschwerdefrei. Erst Anfang dieses Jahres ging es wieder bergauf.

          Was half Ihnen dabei?

          Die Ärzte entfernten die Schraube im November 2010. Aufgrund verschiedener Schutzreaktionen des Körpers waren im Herbst 2010 noch einige weitere kleinere Verletzungen hinzugekommen. Als diese abgeklungen waren, gab ich Ende Januar mein Comeback gegen den VfL Oldenburg in der Bundesliga, am 21. April gegen Spanien dann auch in der Nationalmannschaft.

          Bei der EM in Norwegen und Dänemark hätte das Team Sie dringend gebrauchen können. Deutschland wurde Letzter der Vorrundengruppe. Wie haben Sie das als Beobachterin erlebt?

          Wenn man Teil einer Mannschaft ist, ist es - gerade wenn es nicht gut läuft - immer schwer, nicht mitwirken, dem Team nicht helfen zu können. Die Europameisterschaft war eine große Enttäuschung für alle im Umfeld der Mannschaft. Doch wir sind wieder auf einem guten Weg.

          Mit Ihnen als Rückkehrerin in eine homogene Mannschaft?

          Das ist unser großes Plus: Wir sind wieder ein richtiges Team, in dem die eine für die andere kämpft.

          War der fehlende Teamgedanke das Hauptübel bei der EM? Es wurde viel über Starallüren und Grüppchenbildung gemunkelt.

          Dazu kann und will ich nichts sagen. Ich war schließlich nicht dabei. Nur so viel: Die Fehler, die gemacht worden sind, wurden kritisch angesprochen, Wesentliches aufgearbeitet. Das tat jeder Spielerin gut, die damals dabei war.

          Nach Ihrer Rückkehr standen Sie vor der Arbeit mit einem neuen Bundestrainer: Heine Jensen. Er ist Däne und mit dem skandinavischen Handball groß geworden. Gibt es bei den Deutschen damit eine neue Spielphilosophie?

          Heine Jensen hat die dänische Handball-Mentalität mitgebracht: Er baut viel Spaß in das Training mit ein und vermittelt uns die pure Freude, Handball zu spielen. Er verlangt von uns aber gleichzeitig eine disziplinierte Spielweise, etwa, dass wir im Abwehrverbund sehr eng beieinander stehen und uns bei Vorstößen des Gegners gegenseitig unterstützen.

          Nadine Krause 2005: Torschützenkönigin bei der WM in Russland
          Nadine Krause 2005: Torschützenkönigin bei der WM in Russland : Bild: dpa

          Der Bundestrainer wagt auch Experimente. In einem Vorbereitungsspiel gegen Schweden setzte er Sie auf der ungewohnten Spielmacherposition statt im linken Rückraum ein.

          Das macht mir gar nichts aus. Ich bin in der Lage, auf jeder Rückraumposition zu spielen. Durch diese Maßnahme wollen wir in der Mitte variantenreicher sein, den Gegner vor mehr Aufgaben stellen. Anna Loerper und Kerstin Wohlbold sind andere Spielmachertypen als ich - klein, dynamisch, schnell. Ich komme mit mehr Durchschlagskraft durch die Mitte und kann auch mal Eins gegen Eins gehen oder einen Schlagwurf setzen.

          Deutschland hofft nun auf Ihre Torjägerqualitäten, nachdem Rekordnationalspielerin Grit Jurack ihren Verzicht auf die WM erklärt hat. Ist sie zu ersetzen?

          Sie wird uns fehlen. Grit ist eine absolute Ausnahmespielerin, eine wahre Institution im deutschen Handball. Aber damit dürfen wir uns nicht aufhalten. Es gilt jetzt, die Verantwortung auf verschiedene Schultern zu verteilen.

          Auch Sie sind dadurch besonders gefordert. Der ehemalige Bundestrainer Armin Emrich beschrieb Sie als eine komplette Spielerin in Angriff, Abwehr, Gegenstoß und Rückzugverhalten. Erkennen Sie sich darin wieder?

          Über Komplimente freut sich jede Spielerin. Doch ich finde jeden Tag Kleinigkeiten an meiner Spielweise, die ich noch verbessern kann und will.

          2005 bei der WM in Russland und ein Jahr später bei der EM in Schweden waren Sie Torschützenkönigin, Sie wurden 2006 zur „Welthandballerin“ gewählt. Und nun in Brasilien?

          Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es zählt nur die Mannschaftsleistung.

          Die erste Hürde ist das Gruppenspiel gegen Norwegen, das in den vergangenen neun Aufeinandertreffen achtmal Sieger war und viermal in Folge Europameister wurde.

          Das Spiel ist aus einem einfachen Grund sehr wichtig: Wir starten ins Turnier. Ein erfolgreiches Eröffnungsspiel gibt Selbstvertrauen für den weiteren Turnierverlauf - egal gegen wen es geht. Wir wollen in Brasilien allen beweisen, was wirklich in uns steckt. Unser Team ist gut besetzt und hat sich enorm weiterentwickelt. Wo wir stehen, ist schwer einzuschätzen. Die WM wird Antworten liefern. Für den deutschen Frauenhandball generell ist das WM-Turnier eine große Chance, weil wir auch live im Fernsehen präsent sind.

          Es geht dazu um die letzten sechs Plätze für die Olympia-Qualifikationsturniere.

          Wir haben als Mannschaft ein großes Ziel vor Augen, wir denken nicht an die Möglichkeit des Scheiterns. Olympia ist das Größte für jeden Sportler. Das nach Peking 2008 noch einmal zu erleben, ist mein Traum.

          Die Fragen stellte Patrick Mayer

          Spielplan der deutschen Gruppe A in Santos

          Samstag, 03.12.2011:

          Montenegro       - Island            18.00 Uhr
          Norwegen         - Deutschland       20.15
          Angola           - China             22.30

          Sonntag, 04.12.2011:

          Deutschland      - Montenegro        17.30
          China            - Norwegen          20.15
          Island           - Angola            22.30

          Dienstag, 06.12.2011:

          Montenegro       - Angola            18.00
          Norwegen         - Island            20.15
          Deutschland      - China             22.30

          Mittwoch, 07.12.2011:

          Montenegro       - China             18.00
          Angola           - Norwegen          20.15
          Island           - Deutschland       22.30

          Freitag, 09.12.2011:

          Angola           - Deutschland       18.00
          Norwegen         - Montenegro        20.15
          China            - Island            22.30

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