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Handball-WM in Ägypten : Die Kunst der Verdrängung

Der Mann mit der Aura: Alfred Gislason hat die deutsche Nationalmannschaft auf ihr ungewöhnliches WM-Abenteuer eingeschworen. Bild: Christina Pahnke / sampics

Nach Wochen der Ungewissheit wagen sich die deutschen Handballer kurz vor der anstehenden Weltmeisterschaft verbal aus der Deckung. Das hat viel mit Trainer Alfred Gislason zu tun.

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          Tobias Reichmann hat eine Dartscheibe eingepackt, Gesellschaftsspiele, sagte er, seien auch genügend an Bord, wenn die Chartermaschine mit der Handball-Nationalmannschaft an diesem Dienstagvormittag von Düsseldorf Richtung Kairo abhebt. Alles in allem das erwartbare Gepäck also, schließlich wird einige Zeit totzuschlagen sein im Hotel, von dem aus die Pyramiden zwar ganz nah, aber zugleich auch fern sein werden. Nicht einmal die Poolterrasse im Erdgeschoss, in dem die deutschen Spieler im „Mena House Cairo“ residieren, können die Spieler nutzen.

          Handball-WM 2021

          Fast ein wenig überraschend ist aber, wie viel Vorfreude auf das WM-Abenteuer in Ägypten dabei ist – Leben in der „Bubble“ hin oder her. „Diese WM“, sagte Axel Kromer, der Sportvorstand des Deutschen Handballbundes, am Montag, „ist ein Riesending für sehr viele bei uns im Kader.“ Zugleich gab er sich regelrecht erleichtert, dass er die Aussicht hatte, endlich über Sport zu sprechen und nicht mehr über Hygienekonzepte oder die Zuschauerfrage, die sich seit Sonntagabend erledigt hat: Der Weltverband und die Organisatoren erhörten doch noch die Bitten der Spieler, denen unwohl war beim Gedanken in der bislang dunkelsten Phase der Corona-Pandemie vor Publikum zu spielen. Die Kunst der Verdrängung, sie wird es aber schon auch brauchen in den knapp drei Wochen, die der Aufenthalt maximal dauern wird.

          Aus der Defensive hervorgewagt

          Ein offizielles WM-Ziel hat der Verband nicht ausgegeben, angepeilt ist die K.-o.-Runde, also das Viertelfinale, sagte Kromer. Aus der Defensive, in die die Deutschen personalbedingt geraten waren, haben sich einige nun sogar recht forsch hervorgewagt. Der Rechtsaußen Reichmann zum Beispiel, der bei seiner Aufzählung der Favoriten das eigene Team nicht vergessen wollte. „Wenn wir gut starten, glaube ich, dass es sehr weit gehen kann“, sagte er. Oder Andreas Wolff, der Torhüter, um den es zuletzt so viel Wirbel gab, weil er sich über die Zuhausegebliebenen, darunter seine früheren Teamkollegen Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold, despektierlich geäußert hatte. „Wenn wir in der Abwehr so spielen wie in der ersten Halbzeit“, sagte er nach dem 34:20 gegen Österreich am Sonntag, „glaube ich, dass wir ein phantastisches Ergebnis erzielen können.“

          Es steckt noch reichlich Konditional in den Aussagen, alles andere wäre nach insgesamt neun Abmeldungen, darunter die des wohl weltbesten Innenblocks, auch verwegen. Zugleich man hat das Gefühl, dass bei diesem Team gerade etwas entstehen könnte. Alfred Gislason, der Bundestrainer gibt sich generell lieber vorsichtig als übermütig, noch vor zwei Wochen warnte er vor der geheimnisvollen Wucht der Kapverden, des zweiten WM-Gegners. Aber über die Fortschritte, die seine Mannschaft in kurzer Zeit gemacht hat, zeigt er sich erfreut. „Ich bin jetzt viel optimistischer als vor einer Woche“, sagt er.

          Mancher scheint nun schon auf ein zweites isländisches Handballwunder für den DHB zu hoffen. Das scheint allerdings doch noch um einiges unwahrscheinlicher als das erste beim EM-Triumph 2016 unter Dagur Sigurdsson. Wenn die Gegner aus Kroatien kommen statt von den Kapverden, wird sich nicht nur der neue Innenblock mit Johannes Golla und Sebastian Firnhaber noch einmal ganz anders strecken müssen. Aber der Effekt, den sich der Verband von der Verpflichtung Gislasons im Februar 2020 erhofft hat, ist eingetreten – wenn auch anders als gedacht.

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