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Handball-WM : Griff nach der Medaille

  • Aktualisiert am

Bangen um ihren Einsatz: Nadine Krause Bild: dpa

Nach dem 36:33 im Viertelfinale gegen Angola treffen die deutschen Handballfrauen bei der WM in Frankreich nun auf Europameister Norwegen. Bundestrainer Armin Emrich hat nach der Verletzung von Nadine Krause Ania Rösler nachnominiert.

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          Mit einer Tore-Gala hat Grit Jurack die deutschen Handball-Frauen ins erste WM-Halbfinale seit zehn Jahren geführt. Elf Treffer steuerte die Rekord-Torjägerin am Donnerstag in Paris zum hart erkämpften 36:33 (18:14)-Sieg im Viertelfinale der Weltmeisterschaften gegen Favoritenschreck Angola bei. Neben Kapitän Jurack war Torfrau Clara Woltering mit zahlreichen Glanzparaden vor 9000 Zuschauern Garant für den größten Erfolg seit der Bronzemedaille bei der Heim-WM 1997.

          Im Halbfinale trifft die DHB-Auswahl am Samstag erneut in Paris (15.00 Uhr) auf Europameister Norwegen, der Südkorea beim 35:24 (16:12) keine Chance ließ. Im zweiten Semifinale stehen sich in einer Neuauflage des letzten Finals Titelverteidiger Russland (36: 35 gegen Ungarn) und Rumänien (34:31 n.V. gegen Frankreich) gegenüber.

          Bangen um Krause

          Bis zum Schlusspfiff mussten die deutschen Spielerinnen zittern, ehe sich Anspannung und unbändige Freude in Tänzen und Jubelschreien entluden. Getrübt wurde die Freude durch eine Fußverletzung von Nadine Krause. Die Welthandballerin war kurz vor Schluss mit dem rechten Fuß umgeknickt und musste vom Parkett geführt werden.

          Freudentänzchen: Clara Woltering (l) und Grit Jurack
          Freudentänzchen: Clara Woltering (l) und Grit Jurack :

          Bundestrainer Armin Emrich reagierte bereits auf die ungewisse Situation und nominierte Rückraumspielerin Ania Rösler vom 1. FC Nürnberg nach. Die 25 Jahre alte Rechtshänderin reiste bereits am Freitagmorgen nach Paris und soll am Samstag auflaufen. Da Emrich bislang nur 15 statt der erlaubten 16 Spielerinnen nominiert hatte, konnte er seinen Kader mit Rösler komplettieren. Nach Krauses Verletzung hatte sich die personelle Situation auf der „Königsposition“ im linken Rückraum verschärft, nachdem zuvor auch Maike Brückmann (TSG Ketsch) wegen Rückenbeschwerden aus dem Aufgebot gestrichen werden musste. Dafür hatte Emrich am Donnerstag Rechtsaußen Ulrike Stange vom Bundesligisten HC Leipzig berufen.

          Mischung aus Freude und Erleichterung

          „Ich sehe mich nicht als Matchwinnerin. Für das Halbfinale müssen wir sehen, was mit Nadine Krause ist. Wenn sie ausfällt, trifft es uns hart“, sagte Clara Woltering.

          „Es war absolut klar, dass es ein hartes Stück Arbeit wird. Wir mussten 60 Minuten alles geben, um ins Halbfinale einzuziehen. In einigen Situationen haben wir zu wenig mit kühlem Kopf gespielt“, sagte Bundestrainer Armin Emrich. Abwehrspezialistin Stefanie Melbeck ergänzte: „Es ist eine Mischung aus Freude und Erleichterung, die wir spüren. Wir haben zwischendurch zu viele Chancen vergeben, das hätte sich fast noch gerächt.“

          Frühstart zum 6:1

          Zwei Tage nach der abschließenden Hauptrundenpleite gegen Rumänien (24:32) startete die deutsche Mannschaft im Viertelfinale hochkonzentriert und setzte das taktische Konzept von Emrich zunächst perfekt um. Im Angriff traf Linkshänderin Jurack fast nach Belieben und steuerte zur raschen 6:1 (8.)-Führung allein vier Tore bei. Die Trefferquote der Emrich-Formation lag Mitte der ersten Halbzeit bei exzellenten 90 Prozent. Zudem kaufte der Favorit dem wurfgewaltigen Rückraum Angolas mit einer offensiven und aggressiven Deckungsvariante den Schneid ab.

          Allerdings versäumte es der WM-Sechste von 2005, seine Führung stetig auszubauen. Angola, das in der Hauptrunde überraschend Gastgeber Frankreich (29:27) besiegt hatte und erstmals in ein WM-Viertelfinale einzog, hielt den Rückstand konstant bei fünf Treffern. Nicht zuletzt, weil die deutsche Defensive vor allen Dingen die Aufbauspielerinnen Marcelina Kiala (13) und Ilda Bengue (8) nicht in den Griff bekam. Keeperin Sabine Englert (Hypo Niederösterreich) ließ sich in der 25. Minute entnervt gegen Clara Woltering (Bayer Leverkusen) austauschen.

          Zitterspiel bis zum Schluss

          Nach dem Wechsel zeigte die deutsche Equipe Nerven und leistete sich Fehler wie zwei vergebene Siebenmeter, so dass Angola auf 21:23 (42.) verkürzen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass Krause nicht gänzlich überzeugen konnte. Doch angeführt von einer immer stärker werdenden Torhüterin Woltering und Jurack, die ihre Führung in der WM-Torschützenliste eindrucksvoll ausbaute, zogen die Deutschen binnen sechs Minuten auf 30:24 (48.) davon. Sie mussten aber bis zum Ende zittern, da die Afrikanerinnen noch einmal auf 33:35 (59.) herankamen.

          Durch den Sprung in die Runde der letzten Vier erspielte sich der EM-Vierte von 2006 zudem das Heimrecht für eines der drei Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

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