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Handball-WM der Frauen : Eine Zwei-Wege-Spielerin für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Verstärkt die deutsche Mannschaft: Silje Bröns Petersen Bild: firo Sportphoto

Das deutsche Handballteam setzt bei der Weltmeisterschaft auf die besonderen Fähigkeiten der gebürtigen Dänin Silje Bröns Petersen. Und die sagt: „Für mich ist ein Traum wahr geworden.“

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          Für die Schönheiten Valencias hat Silje Bröns Petersen momentan keine Zeit. Die mittelalterlichen Serranos-Türme oder die Stierkampfarena gehören zu den Attraktionen der spanischen Hafenstadt, sie wird die Spielmacherin der deutschen Frauen-Handballnationalmannschaft kaum zu Gesicht bekommen während der Weltmeisterschaft. Ihre Kathedrale ist gerade die Spielhalle in Llíria. Wenigstens liegt das Mannschaftshotel nicht weit vom Meer entfernt. Acht Kilometer sind es zum Strand. „Hinlaufen kann man nicht“, erzählt Petersen, „aber mit dem E-Roller ist das ja nicht weit, ich mag das Meer.“

          Gegen ein paar Stunden der Zerstreuung hat Bundestrainer Henk Groener bestimmt nichts einzuwenden. Seine Mannschaft hat sich nach dem zweiten überzeugenden Sieg im zweiten Spiel am Samstag gegen die Slowakei (36:22) bereits vorzeitig vor dem letzten Gruppenspiel an diesem Montag gegen Ungarn (20.30 Uhr bei Sportdeutschland.tv) die Teilnahme an der Hauptrunde gesichert.

          „Das war ein Auftakt, wie wir ihn uns vorgestellt haben“, sagt Petersen. Für sie ist alles neu und aufregend in Spanien. Sie trägt noch nicht lange das Jersey der Nationalmannschaft, sie ist noch nicht einmal allzu lange deutsche Staatsbürgerin. Am 7. November debütierte die Bundesligaspielerin der TuS Metzingen für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) – ein paar Tage, nachdem sie ihren Personalausweis in Reutlingen im Rathaus abholen durfte.

          „Für mich ist ein Traum wahr geworden, für Deutschland bei der WM zu spielen“, sagt die gebürtige Dänin am Telefon. Eine längere Eingewöhnungszeit benötige sie nicht, die Systeme im Handball ähneln sich alle, merkt sie lapidar an. „Ich musste nur lernen, wohin meine Mitspielerinnen laufen.“ Sie spricht hervorragend Deutsch mit leichter dänischer Einfärbung. Petersen, die in einem Kopenhagener Vorort aufgewachsen ist, lebt seit fünf Jahren in Deutschland, sie kam in den Genuss einer beschleunigten Einbürgerung.

          Markenzeichen: Unterarmwurf

          Die Idee, für das deutsche Team zu spielen, kam von Petersen selbst. „Ich habe mit Henk Groener gesprochen und ihm gesagt, dass ich große Lust hätte.“ Der Niederländer hörte das gerne, er wusste ja, dass sie schon seit Jahren zu den auffälligsten Spielerinnen in der Bundesliga auf der Spielmacherposition gehört. Ihre erste Profistation hatte sie 2015 nach Ungarn geführt. Bis zum Sommer 2020 spielte sie dann für die HSG Blomberg-Lippe in Ostwestfalen, ehe sie ins württembergische Metzingen übersiedelte.

          Petersen hat ihre Stärken in der Offensive, ihr Markenzeichen ist ihr raffinierter und wuchtiger Unterarmwurf. Obwohl sie mit ihren 1,73 Metern nicht zu den Größten gehört, kommt sie häufig vor dem Tor frei zum Wurf, weil sie schnell, wendig und trickreich ist. Petersen ist wichtig, dass sie nicht nur mit ihren taktisch-strategischen Fähigkeiten ihre Mitspielerinnen besser macht, ihnen mit überraschenden Pässen zu einfachen Toren verhilft. „Ich darf mich dabei selbst auch nicht vergessen“, sagt sie. Sie will torgefährlich bleiben.

          Ihre ganzheitliche Spielanlage imponiert auch Axel Kromer. Der Sportvorstand des DHB nennt Petersen eine tolle Option für die Mannschaft und lobt ihre skandinavische Ausbildung. „Man merkt sofort, dass sie es von Kindheit an gelernt hat, aus dem Stand zu werfen und tief stehende Abwehrformationen mit einer hohen Passqualität auszuspielen.“ Er und alle anderen hoffen natürlich, dass Petersens besondere Fähigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt bei der WM noch spielentscheidend werden könnten.

          In Metzingen steht sie überwiegend im Angriff auf dem Parkett. Dabei würde sie gerne häufiger in der Abwehr zupacken. „Ich will eine Zwei-Wege-Spielerin werden“, sagt Petersen. Also eine komplette Spielerin. Bundestrainer Groener traut ihr diese Rolle zu, er hat sie bei der WM schon auf den Halb- oder Außenpositionen verteidigen lassen. „Bei uns gerät niemand in Panik, wenn sie hinten ran muss“, sagt Kromer. Silje Bröns Petersen freut sich nun jedenfalls auf die Hauptrunde bei der WM, auf mindestens weitere drei Spiele. „Das wird toll“, sagt sie. Nur eines vermisst sie in Spanien, ihre Hündin Molly, eine Mischung aus französischer Bulldogge und Beagle. „Mit ihr würde ich gerne am Meer spazieren gehen.“ Aber Molly ist zurzeit in Dänemark, bei ihren Eltern.

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