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Deutsche Handball-Frauen : WM-Halbfinale verpasst, Respekt gewonnen

  • -Aktualisiert am

Emily Bölk und die deutschen Handball-Frauen verpassten das Halbfinale knapp. Bild: EPA

Sie bekamen zwei Matchbälle zum Halbfinale und vergaben beide. Am Ende fehlte es an Fitness und Cleverness bei den deutschen Handball-Frauen. Doch dank ihres Trainers sind sie auf dem richtigen Weg.

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          Wenn erwachsene Menschen im Dezember oder im Januar kurz vor Spielende zum Kühlschrank oder auf die Toilette gehen, weil sie die Spannung nicht mehr ertragen, läuft im Fernsehen Handball. Man muss gar nichts von dieser Sportart verstehen, um dem Kitzel der letzten Minuten zu erliegen. Da liegen die Nerven blank, da werden Torleute zu Ballmagneten, und die Schiedsrichter wissen manchmal auch nicht mehr, was sie tun.

          Insofern ist es schade, dass man die mutigen Auftritte der deutschen Handball-Spielerinnen bei der WM in Japan nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sehen konnte. Dem sachkundig und mitfiebernd kommentierten Livestream bei Sportdeutschland.TV sei es gedankt, dass alle Interessierten trotzdem mitbekamen, wie die deutschen Stehauffrauen sich mit bemerkenswerten Comeback-Qualitäten durchs Turnier kämpften und zwei Matchbälle fürs Halbfinale bekamen. Halbfinale? Das hatten die besten Handballerinnen hierzulande zuletzt 2007 erreicht. Danach gab es viele Trainer, viele Konzepte, eine meist stiefmütterliche Behandlung durch den Verband und in der Folge: fast nur Enttäuschungen.

          Enttäuschend haben sich gewiss auch die Niederlagen gegen Serbien und Norwegen angefühlt. Matchbälle vergeben; am Ende fehlte es an Fitness und Cleverness. Trotzdem hat Nationaltrainer Henk Groeners Sieben am Freitag die Chance, durch einen Sieg über Schweden den siebten Platz zu holen. Der berechtigt zur Teilnahme an einem weiteren Turnier im März 2020. Dort könnten die Deutschen sich dann für die Olympischen Spiele qualifizieren.

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          Groener ist seit knapp zwei Jahren dabei. Er hat gerade einen längerfristigen Vertrag unterzeichnet. Groener ist ein großer Name bei den Ballwerferinnen. Seine Verpflichtung und die Verlängerung zeigen, dass es der DHB ernst meint mit dem Frauenhandball. Überall, wo Erfolg ist, gibt es Stetigkeit auf dem Trainerposten. Groener verlangt viel. Er möchte am liebsten nur mit vollprofessionellen Spielerinnen arbeiten. Noch besser, wenn sie im harten Wettbewerb des osteuropäischen Auslands ihr Geld verdienten. Dort entwickeln sich Charaktere weiter, und die Abgezocktheit in den engen Phasen eines Spiels nimmt zu.

          Schon jetzt bringt Groeners Rückraumreihe Bölk/Naidzinavicius/Stolle alles mit. Am Kreis und im Tor kann Deutschland mithalten. Auf den Außenpositionen nicht. Wenn die erste Sieben verschnaufte, wurde es wacklig. Aber die Mannschaft ist jung, und im sogenannten Elitekader schlummert Verstärkung. Dort fördert der Deutsche Handballbund (DHB) die größten Talente beider Geschlechter individuell. In einem Jahr geht es mit der Europameisterschaft in Dänemark und Norwegen schon weiter. Schwangerschaften, Verletzungen – es kann immer viel dazwischenkommen. Aber die japanischen Wochen haben dem DHB Mut gemacht, dass Groeners Frauen nicht zufällig in die Weltspitze gerutscht sind.

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