https://www.faz.net/-gtl-aijr1

Start der WM in Spanien : Nur kein Konjunktiv bei den Handball-Frauen

  • -Aktualisiert am

Starke Schützin: Alina Grijseels (Mitte) Bild: dpa

Bei der WM in Spanien wollen die deutschen Handballspielerinnen als Überraschungsteam glänzen. Trainer Henk Groener führt die individuell beste Mannschaft der vergangenen Jahre ins Feld.

          3 Min.

          Diesmal haben sich alle dran gehalten. Trainer, Sportvorstand, Spielerinnen: Das Thema Zielsetzung haben sie in den vergangenen Wochen umschifft. Es sollte niemandem das Wort „Halbfinale“ herausrutschen!

          Denn wenn die Finalrunde zuletzt zum Greifen nahe schien, misslang den deutschen Handballspielerinnen immer irgendetwas. So entstand eine Mannschaft im Konjunktiv: Bei der Europameisterschaft 2018 in Frankreich vergab die Auswahl des Deutschen Handballbundes in der Hauptrunde zweimal die Chance aufs Halbfinale. Ein Jahr später beim Weltturnier in Japan scheiterte sie hauchdünn an Serbien. Und bei der dänischen Corona-EM 2020 verlor Bundestrainer Henk Groeners Team knapp gegen die Niederlande. Am Ende standen mäßige Platzierungen statt goldiger Aussichten – zu wenig für einen Teamsport im Aufmerksamkeitsschatten.

          „Viele haben Fortschritte gemacht“

          Dass diesmal alles besser wird, hat keiner behauptet. Aber aus Gesprächen und Einschätzungen klingen Zuversicht und Selbstvertrauen heraus. Wenn der DHB an diesem Donnerstag (18.00 Uhr bei sportdeutschland.tv) die WM in Spanien mit dem Spiel gegen Tschechien beginnt, wird Groener die individuell beste Mannschaft der vergangenen Jahre anleiten dürfen. Elf der 16 nominierten Profis verdienen ihr Geld bei Vereinen im europäischen Wettbewerb. „Wir haben Spielerinnen von Ferencvaros, aus Esbjerg, Dortmund und Bietigheim. Das sind Klubs, die in der Champions League spielen oder gespielt haben. Das sollte unser Spiel stabiler und die Leistungen weniger schwankend machen“, sagt Groener.

          Dinah Eckerle im Tor, Emily Bölk und Alicia Stolle im Rückraum, Alina Grijseels in der Mitte: Groeners Stammkräfte sind im besten Handball-Alter und treten Woche für Woche im Europapokal an. Gerade Grijseels von Borussia Dortmund überzeugte jüngst als Torschützin und Regisseurin. Sie alle lobte DHB-Sportvorstand Axel Kromer: „Viele haben große Fortschritte gemacht. Wir sind viel homogener als im letzten Jahr.“

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Bei einem Kader dieser Güteklasse – auch die hinteren Positionen sind gut besetzt – richtet sich der Blick naturgemäß auf den Trainer. Groener, 61 Jahre alt, hat die niederländischen Frauen in die Weltspitze geführt. Oft genug hat er erklärt, dass die dortige Förderung eine bessere sei als die deutsche. Oft genug hat er angedeutet, dass ihm die Professionalität bei den deutschen Spielerinnen fehle – und dafür Schelte aus der Bundesliga bezogen.

          Groener hätte es leichter, wären sie bei nur einem seiner drei Turniere vorne gelandet. Doch meist lief der Motor nach starkem Start stotternd: Siege gegen die Top-Nationen Norwegen (2018), Dänemark (2019) und Rumänien (2020) lieferten nicht genügend Selbstvertrauen, um den letzten Schritt zu gehen. Misstöne gab es zudem, als die Führungsspielerinnen Kim Naidzinavicius und Julia Behnke ihn kritisierten und nach der EM 2020 zurücktraten.

          Der DHB steht zu Groener; Präsident Andreas Michelmann will Konstanz. Trotzdem wurde der Vertrag nur bis zum 30. April 2022 verlängert, denn Zweifel am Leistungsvermögen von Team und Trainer bleiben – geschürt vom rätselhaften 24:24 in der EM-Qualifikation gegen das zweitklassige Belarus. Glaubt man Kromer, hat Groener dennoch gute Chancen, bald nach der WM das nächste Arbeitspapier zu unterschreiben: „Wir haben seit 2018 einen sehr angesehenen Bundestrainer. Wir lassen das Turnier durchlaufen, bewerten es und legen dann fest, wie lang der nächste Vertrag laufen soll.“ Schließlich soll diese Mannschaft mit diesem Coach 2025 Weltmeister daheim werden.

          Dass schon in Spanien mehr möglich ist als zuletzt, erwartet Kapitänin Bölk: „Wir haben unter Henk eine gute Entwicklung im Team, auch wenn das von außen negativ gesehen wird. Ich halte sehr viel von ihm. Wir gehen step by step Richtung Edelmetall. Ich hoffe, dass wir das Überraschungsteam dieser WM sind.“ Groener nimmt Diskussionen um ihn und den Vertrag gelassen. Was ihn nervt, sind seiner Meinung nach unrealistische Erwartungen an den deutschen Frauen-Handball.

          In Llíria nahe Valencia warten in der ausgeglichenen Staffel E neben Tschechien die Slowakei und Ungarn. Erstmals nehmen 32 Länder teil, so dass auch die Dritten in der Hauptrunde landen. Dort könnten Dänemark, Tunesien und Südkorea Gegnerinnen sein – ehe es im Viertelfinale weitergeht. Bis dahin wirkt der Weg einfach. Bei der WM unter 2-G-Bedingungen sind Fans zugelassen. Alle im deutschen Stab seien geimpft, berichtete Kromer. Und vielleicht passiert tatsächlich das, was Henk Groener vor ein paar Wochen in einem Video-Call voraussagte: „Wir haben schöne Wochen vor uns.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Machtdemonstration: Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge fährt auf einer Autobahn auf der Krim. .

          Russischer Aufmarsch : Die Ukraine ist von drei Seiten umstellt

          Westliche Dienste sehen mit Unruhe, wie Moskau immer mehr Truppen an die Grenze zur Ukraine verlegt – auch über Belarus und das Schwarze Meer. Mit ihren Waffen sind die Russen schon jetzt überlegen.