https://www.faz.net/-gtl-7x0xd

Keine TV-Übertragung aus Qatar : Handball-WM unter Ausschluss der Öffentlichkeit

  • Aktualisiert am

Hier, in Doha, wird die Handball-WM 2015 gespielt – allerdings nicht im deutschen TV Bild: dpa

Die Handball-WM 2015 wird nicht im deutschen TV zu sehen sein. ARD und ZDF erklären die Verhandlungen für gescheitert. Für die Fans ist es eine riesige Enttäuschung, für die deutschen Handballer eine Katastrophe.

          Der deutsche Handball steht bei der Weltmeisterschaft vor einem TV-Blackout. ARD und ZDF haben am Dienstag die Verhandlungen über die Fernsehrechte für das Turnier in Qatar offiziell als gescheitert erklärt. „Wir sind massiv enttäuscht und geschockt“, klagte Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB): „Wir haben davon keinen finanziellen Schaden, aber es ist ein Schaden für den ganzen Sport“.

          Knapp sechs Wochen vor WM-Beginn hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) kein anderer deutscher Sender Rechte erworben. Daher wird der Handball-Höhepunkt 2015 nach derzeitigem Stand unter Ausschluss der deutschen TV-Öffentlichkeit stattfinden. Für die großen Medienunternehmen ist es zu spät, die notwendigen Vorbereitungen für eine Großveranstaltung bis zum 15. Januar zu organisieren. Auf die Schnelle wäre das allenfalls für Nischenanbieter möglich, doch für diese dürften die Rechtekosten zu hoch sein.

          (Anmerkung der Redaktion: Am 29. Dezember erwarb der Pay-TV-Sender Sky doch noch die Rechte und überträgt die Handball-WM aus Qatar. ARD und ZDF zeigen zudem Zusammenfassungen in ihren Nachrichtensendungen)

          Für die Fans ist eine Fernseh-Blackout eine riesige Enttäuschung. Für die deutschen Handballer, die nur dank einer Wildcard in Qatar spielen dürfen, ist ein Turnier ohne TV-Zuschauer aus PR- und Marketingsicht eine Katastrophe. „Wenn das das letzte Wort ist, ist das ein Schlag in den Nacken“, erklärte Frank Bohmann. Der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL sieht dadurch auch die Bemühungen für eine starke deutsche Nationalmannschaft torpediert.

          „Wenn wir keine Bilder von der WM haben, hat das auch Auswirkungen auf die Liga“, sagte Bohmann. „Wir bekennen uns zur Nationalmannschaft als Lokomotive, aber wenn das keiner sieht, werden die Bemühungen um die Nationalmannschaft unzureichend bemerkt.“

          ARD: „Wir hätten gerne übertragen“

          Bauer sieht keine Einflussmöglichkeit. „Der DHB hat mit allen Akteuren gesprochen und unterstrichen, wie wichtig das auch für die Bevölkerung ist“, sagte der Präsident: „Aber wir als nationaler Verband können nichts machen.“

          „Wir hätten gerne übertragen“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Die Verhandlungen mit Rechteinhaber beIN Sports und einer englischen Agentur seien gescheitert, „da wir trotz wiederholter Aufforderungen erst gestern eine nicht akzeptable Antwort auf unser Angebot erhalten haben“. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sagte, er sei „enttäuscht und irritiert“.

          In Qatar findet nicht nur die Handball-WM statt, viele weitere Sportveranstaltungen werden folgen

          Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender hatten bereits im August ein Angebot gemacht und lange vergeblich auf eine Rückmeldung gewartet. „Ich halte es für unvertretbar, dass auf ein frühzeitig abgegebenes Angebot der SportA als Rechteagentur von ARD und ZDF erst so spät reagiert wurde“, kritisierte der DHB-Präsident. „Eine Handball-Weltmeisterschaft ohne deutsches Fernsehen wäre für die Entwicklung unserer Sportart, für unsere Fans und Sponsoren und damit den DHB ein denkbar schlechtes Signal“, sagte DHB-Generalsekretär Mark Schober.

          Am Geld soll es dem Vernehmen nach nicht gescheitert sein. Vielmehr wurde den Sendern eine Ausstrahlung über bestimmte Satelliten untersagt. Das würde auch anderen Interessenten Probleme bereiten, so dass eine Lösung für den deutschen Markt unmöglich scheint. Der Spartensender Sport1, der zuletzt WM-Spiele ohne deutsche Beteiligung zeigte und die Bundesliga überträgt, hatte wiederholt erklärt, keine Verhandlungen zu führen. Auch der Pay-TV-Sender Sky, der seit Beginn der Saison die Handball-Champions-League im Programm hat, bestätigte, keine WM-Rechte erworben zu haben. RTL und die ProSiebenSat1-Gruppe haben nach eigenen Angaben kein Interesse an der Handball-WM.

          Ein Deal, der für Aufsehen sorgt

          Rechteinhaber ist beIN Sports, eine Tochtergesellschaft des qatarischen TV-Imperiums Al Jazeera, die bei der Weitervermarktung mit einer englischen Agentur zusammenarbeitet. Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hatte die weltweiten Rechte für die Rekordsumme von rund 80 Millionen Euro verkauft.

          Dieser Deal hatte für Aufsehen gesorgt, weil das Unternehmen aus Qatar erstmals ein solches Sportpaket erwarb und die IHF rund 66 Prozent mehr als aus dem vorherigen Kontrakt mit UFA Sports einnahm. Der Vertrag umfasst je zwei Weltmeisterschaften bei den Männern (2015 in Qatar und 2017 in Frankreich) und bei den Frauen (2015 in Dänemark und 2017 in Deutschland).

          Keine Handball-WM im TV: Satelliten als Problem

          ARD und ZDF wollten die Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM 2015 in Qatar live zeigen. Der Rechteinhaber lehnte das über die Agentur SportA abgegebene ARD/ZDF-Angebot ab. Begründung war, dass die deutschen Programme auch über Satelliten ausgestrahlt werden, die außerhalb Deutschlands zu empfangen sind. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind darüber verwundert und verärgert, weil ihnen zuvor zweimal schriftlich bestätigt worden war, dass die Verbreitungswege von ARD/ZDF kein Problem seien.

          Das Erste und das Zweite wollen sich nun nach eigenen Angaben darum bemühen, dass sie zumindest Bilder für die nachrichtliche WM-Berichterstattung bekommen. Unklar ist derzeit, ob die Satelliten-Ausstrahlung auch dafür ein Problem wäre.

          Weitere Themen

          Die Perfektionistin

          Nationaltorhüterin Schult : Die Perfektionistin

          Sicherer Rückhalt bei der Weltmeisterschaft: Almuth Schult ist für das deutsche Team ein Glücksfall. Dass die Torhüterin immer das letzte Wort haben will, wird deshalb akzeptiert.

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.