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Handball : Der Skandal um den HSV wird größer

  • Aktualisiert am

Bald dürften die Fahnen beim HSV Hamburg eingerollt werden. Bild: dpa

Der finanzielle Ruin reicht aus, um das Ende des HSV Hamburg zu besiegeln. Doch der Handball-Bundesligaverein setzt noch eine Ungeheuerlichkeit drauf. Spieler und Konkurrenten sind empört.

          Mit Ungeduld und wachsender Wut warten die Handball-Bundesligaverein auf die Entscheidung zum insolventen HSV Hamburg. Dreieinhalb Wochen vor der Fortsetzung der Rückrunde wollen sie Klarheit über Spielplan und Tabellenkonstellation. „Das hat sportliche und natürlich erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die anderen Vereine. Deren Unmut kann ich voll verstehen“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Liga-Verbandes HBL, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

          Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen soll für das Spiel gegen den Tabellenvierten HSV bereits 10.000 Tickets verkauft haben, die 6300 Plätze bietende Flens-Arena der SG Flensburg-Handewitt ist seit Wochen ausverkauft. Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der Flensburger, spricht von einem Fiasko. „Das Finanzielle ist das eine, denn natürlich brauchen wir auch die Einnahmen. Aber auch sportlich ist das Spiel wichtig. Wir müssen nach der Pause wieder in den Rhythmus finden“, erklärte er.

          Erwartet wird, dass sich der HSV in den nächsten Tagen vom Spielbetrieb abmeldet. Das Insolvenzverfahren ist am vergangenen Freitag eröffnet worden. Rechtsanwalt Gideon Böhm sieht keine Möglichkeit, die fehlenden zwei Millionen Euro für den Spielbetrieb bis Saisonende aufzutreiben. Die Profis sind vertragsfrei, dürfen sofort wechseln. „Ich bin enttäuscht, stinksauer, traurig, fassungslos“, schrieb Weltklasse-Rechtsaußen Hans Lindberg via Facebook. „Ich dachte, dass wir in dieser Stadt den Rest unseres Lebens bleiben.“

          Der Däne attackierte die HSV-Führung: „Ich habe einen Geschäftsführer, der uns direkt ins Gesicht gelogen hat. Er hat gesagt, wir sollten nichts überstürzen. Und dann erfährt man, dass es stattdessen keinerlei Chance für das Überleben des Vereins gibt“, sagte Lindberg der dänischen Zeitung „Extra Bladet“ (Sonntag). In Hamburg, so Lindberg, herrsche „nun das reinste Chaos“.

          Ich bin enttäuscht, stinksauer, traurig, fassungslos“: Weltklasse-Rechtsaußen Hans Lindberg.

          Der finanzielle Ruin reicht aus, um das Ende des HSV zu besiegeln. Doch der Bundesligaverein, der 2007 Europacupsieger, 2011 deutscher Meister und 2013 Champions-League-Sieger wurde, setzte noch eine Ungeheuerlichkeit drauf. Er hat sich die Lizenz erschwindelt, indem er die geforderte Sicherheitserklärung über 2,5 Millionen Euro von Mäzen Andreas Rudolph hinterlegte, diese durch eine ominöse und bis vor wenigen Tagen unbekannte Zusatzvereinbarung innerhalb des HSV aber wieder aushebelte.

          „In den vergangenen 13 Jahren bei der HBL gab es immer mal wieder Schieflagen, aber das hat eine andere Qualität“, sagte Bohmann. „Geschädigt sind die Spieler, die HBL, das Finanzamt, Krankenkassen, die Halle und andere. Vielen Leuten wurde eine lange Nase gedreht.“ Am Mittwoch trifft die Lizenzierungskommission der HBL, der die Zusatzerklärung jetzt vorliegt, eine Entscheidung zum HSV.

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          Einen sofortigen Entzug der Lizenz wird es aber nicht geben, das lassen die Satzungen im Interesse aller Konkurrenten nicht zu. Diese erfolgt zum Saisonende. Dann muss der HSV in die dritte Liga absteigen. Nicht die Spielbetriebs-GmbH hält die Bundesliga-Lizenz, sondern der HSV e.V. Die Saison beenden könnten die Hamburger mit der U23-Mannschaft. „Egal, wie man es macht, für den einen oder anderen wird es in jedem Fall Wettbewerbsverzerrung sein. Wir kommen da nicht sauber raus“, betonte Bohmann.

          Die Verpflichtungserklärung - und nicht etwa eine sichere Bankbürgschaft - ist der Lizenzierungskommission 2014 von einem unabhängigen Schiedsgericht als HSV-Garantie vorgeschrieben worden. Damals hatte die HBL dem HSV die Lizenz für die Saison 2014/15 verweigert, das Schiedsgericht sprach sie den Hamburgern in zweiter Instanz aber wieder zu. „Wir können der Lizenzierungskommission keinen Vorwurf machen“, sagte Bohmann.

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