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VfL Gummersbach aufgestiegen : Einstiger Serienmeister kehrt zurück

  • -Aktualisiert am

Vorfreude auf die Bundesliga: Julian Köster und der VfL Gummersbach kehren zurück. Bild: picture alliance / Marco Wolf

Drei Jahre in der Unsichtbarkeit der zweiten Handball-Bundesliga sind vorbei: Der VfL Gummersbach bejubelt das Ende einer langen Trockenzeit – und soll beim Comeback im Oberhaus neu erblühen.

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          Es ist ein eigenartiges Zwischenreich im sonst so dicht bevölkerten Westen, dieses Oberbergische, voll gewundener Landstraßen, alter Manufakturen und glitzernder Stauseen. Wer hier aufgewachsen ist, so heißt es, trägt seine Emotionen nicht unbedingt nach außen.

          Am Samstagabend jedoch drängte sich eine entfesselt lärmende Meute vor der Gummersbacher Schwalbe-Arena, die sich nicht ohne Grund zum Heiner-Brand-Platz hin öffnet. Sie stimmte gar manche Weise aus dem neudeutschen Feierliedgut an und mochte sich kaum sattsehen an den Bierduschen, mit denen verantwortliche Personen eines Handballvereins von ihren Spielern übergossen wurden. Die wenigen Sicherheitskräfte grinsten ungeniert, anstatt die Opfer wirksam zu schützen.

          Raus aus der Unsichtbarkeit

          Wenn es um den VfL geht, werden in dem berühmten „Handball-Dorf“ für 52.000 Einwohner eben auch schon mal Grenzen verschoben. Schließlich galt es jetzt, das Ende einer langwierigen Trockenzeit zu feiern. Vor drei Jahren sind die Nachfolger des einstigen deutschen Serienmeisters und zehnmaligen Europapokalsiegers erstmals in die zweite Handball-Liga abgestiegen. Nun tauchen sie aus dem Stadium der (überregionalen) Unsichtbarkeit wieder auf, weil ihnen der erste Platz nach der 34. von 38 Partien nicht mehr zu nehmen ist.

          Erfolgsfaktor: Trainer Sigurdsson hat ein Sieger-Team geformt.
          Erfolgsfaktor: Trainer Sigurdsson hat ein Sieger-Team geformt. : Bild: dpa

          Das ist das mit Abstand wichtigste Fazit nach dem relativ locker herausgespielten Heimsieg (32:21) gegen die Eulen Ludwigshafen, mit dem die vom ehemaligen Welthandballer Gudjon Valur Sigurdsson trainierte Mannschaft ihrer Ausnahmestellung gerecht wurde.

          Von Rückschlägen unbeeindruckt

          Nicht nur für Dauergast Heiner Brand, den einst so erfolgreichen Meisterspieler und Nationaltrainer, war die ambitionierte Gruppe um Jung-Nationalspieler Julian Köster und Leihprofi Ole Pregler die klar beste Mannschaft im Unterhaus. Sie hatte den ersten Tabellenplatz am vierten Spieltag erobert und danach nur einmal, Anfang März, aufgrund von zwei Spielen weniger an die HSG Nordhorn-Lingen ausgeliehen.

          Vor allem aber kam sie nach überraschenden Rückschlägen stets umso überzeugender zurück, während Mitbewerber wie Hüttenberg oder Hagen merklich nachließen. Das hat nicht zuletzt auch mit den klaren Strukturen zu tun, die Sigurdsson und Geschäftsführer Christoph Schindler über die Spielzeit hinweg vorgaben.

          Der langjährige VfL-Profi Schindler war nicht beneidet worden, als er vor fünf Jahren die Geschäfte des finanziell angeschlagenen Traditionsvereins übernahm. Umso mehr aber gilt er in diesen Tagen als entscheidender Architekt des Erfolgs. Seine seriöse, nicht aus purer Nostalgie gewirkte Leitung überzeugte manchen „hidden champion“ unter den ansässigen Unternehmen, in eine neue Strahlkraft der einstigen Weltmarke zu investieren.

          Mannschaft soll verstärkt werden

          Unterdessen machte Sigurdsson das Spiel der Mannschaft in der Defensive aggressiver sowie nach vorne variabler, schneller. So drückten seine Eleven auch der vorentscheidenden Partie gegen Ludwigshafen nach kurzem, etwas nervösem Beginn bald den Stempel ihres festen Willens auf und führten bereits zur Pause mit fünf Toren Unterschied.

          Dass es in der nächsten Saison kaum so einfach wird, wenn da Teams aus Magdeburg und Berlin, Flensburg und Kiel anrücken, wissen Sigurdsson und Schindler allerdings recht genau.Sie haben mit den Rückraumspielern Dominik Mappes (Hüttenberg) und Tom Jansen (Großwallstadt) plus Linksaußen Tilen Kodrin (Celje) bereits drei neue Spieler verpflichtet, die die Mannschaft erstligatauglicher machen sollen. Und das dürfte, wenn die Unterstützer mitspielen, noch nicht das Ende aller Transfers gewesen sein.

          „Da sollen alle hingehen“

          Zum vorgerückten Abend wollte sich indes auch Dauerplaner Schindler erst mal einen Schluck Begeisterung erlauben, um den Moment zu genießen. Das weiße Hemd von Flaschenbier gestärkt, versprach der 38-Jährige den Fans, die Preise für Eintrittskarten auf bisherigem Niveau zu belassen. „Das ist die geilste Arena der Welt“, platzte es aus ihm heraus, „da sollen alle hingehen!“

          Das fand den erwarteten Zuspruch des Publikums, in dem gefühlt jeder Zweite das T-Shirt zum historischen Moment trug. Darauf stand blau auf weiß „zurückzuhause“ und „erstklassig in die Zukunft“. Er kann nämlich doch recht gut aus sich herausgehen, der Mensch im Oberbergischen, wenn man ihm nur eine Gelegenheit dazu gibt. So wie bei der Party am Samstag, die noch in die schiefergedeckte Altstadt verlängert wurde.

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