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Handball : Turnier ohne Kreisläufer

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„Der Anlass des Spiels war kein schöner, und mir ist auch jetzt nicht nach Lachen zumute”: Heiner Brand Bild: apn

Heiner Brand war nicht nach Lachen zumute. Im Benefizspiel für die Familie des gestorbenen Oleg Velyky verletzten sich gleich zwei Kreisläufer. Der Test beim Vierländerturnier in Norwegen wird wieder eine Chance für die zweite Reihe.

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          Dass sich in solch einem Spiel gleich zwei seiner Profis verletzen, hätte wohl nicht einmal Heiner Brand gedacht. Der Bundestrainer ist es ja gewohnt, dass kurz vor kleineren oder größeren Turnieren Spieler ausfallen. Am Dienstagabend konnte aber selbst Brand nur noch den Kopf schütteln: „Der Anlass des Spiels war kein schöner, und mir ist auch jetzt nicht nach Lachen zumute, denn ich stehe erst einmal ohne gelernte Kreisläufer da“, sagte er.

          Beim 38:29 der deutschen Handballnationalmannschaft gegen Bundesliga-Spitzenreiter und Pokalsieger HSV Hamburg im Benefizspiel für die Familie des im Januar gestorbenen Oleg Velyky verletzten sich Sebastian Preiss und Jacob Heinl. Während der Lemgoer Preiss am Mittwoch mit zum Vierländerturnier nach Norwegen flog, musste Heinl wegen einer Zerrung zurück nach Flensburg in Behandlung. Für ihn nominierte Brand den Hamburger Matthias Flohr nach. Flohr hatte eigentlich im deutschen B-Team zum Einsatz kommen sollen, das zur gleichen Zeit wie die deutsche A-Auswahl von Donnerstag bis Samstag nahe Stavanger im Einsatz sein wird.

          Nach sieben Jahren Pause wird es wieder einmal eine zweite deutsche Mannschaft geben; sie wird von Brands Assistent Martin Heuberger betreut. „Wir hatten schon länger geplant, eine B-Mannschaft zu installieren, um unsere jüngeren Spieler früher auf internationales Parkett zu führen“, sagt Heuberger. Dabei wird der Übergang von „B“ zu „A“ fließend sein: Brand wünscht sich ja seit langem, auf jeder Position vier deutsche Spieler zu haben, die er auch ohne allzu große Niveauverschiebungen einsetzen kann.

          Das Benefizspiel für die Familie des verstorbenen Oleg Velyky brachte 200.000 Euro ein
          Das Benefizspiel für die Familie des verstorbenen Oleg Velyky brachte 200.000 Euro ein : Bild: dpa

          „Nun können die anderen zeigen, was sie draufhaben“

          Die aktuelle Verletzten-Lage am Ende einer langen Saison zwingt ihn dazu, sich aus dem dünnen Angebot an ordentlichen deutschen Bundesligaspielern zu bedienen: In den Spielen von Donnerstag bis Sonntag in drei Städten nahe Oslo gegen Norwegen, Dänemark und Schweden fehlen der am Knie verletzte Kapitän Michael Kraus, Rückraumspieler Lars Kaufmann und Rechtsaußen Christian Sprenger.

          Die viel belasteten HSV-Profis Jansen und Torwart Bitter wollen den Rest des Jahres aussetzen. Wäre auch Preiss ausgefallen, hätte man (fast) eine starke erste Sieben zusammen, auf die Brand in Norwegen verzichten muss. „Natürlich ist das nicht optimal“, sagt Brand mit bekanntem Zweckoptimismus, „aber dann können andere zeigen, was sie draufhaben.“

          Die anderen, das sind Stefan Kneer, Sven-Sören Christophersen, Christian Schöne und Torwart Nikolas Katsigiannis. Kneer und Katsigiannis waren eigentlich fürs deutsche B-Team eingeplant, Schöne sollte in Göppingen bleiben. Trotz aller Sorgen ist Brand froh, drei Testmöglichkeiten in einem gut organisierten Turnier zu haben. Denn im Juni stehen die Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2011 in Serbien gegen Griechenland an.

          „Wir wollen besser Handball spielen als zuletzt“

          Griechenland und Handball? Brand ist inzwischen weit davon entfernt, seine Mannschaft als Favorit für solche Spiele anzusehen. „Man hat bei der EM gesehen, dass wir gegen alle Teams verlieren können, die bei so einer Veranstaltung dabei sind. Insofern besteht kein Grund, die Griechen zu unterschätzen.“ Für die Tage von Oslo hat sich Brand ein Ziel gesetzt, das leicht zu erreichen sein dürfte: „Wir wollen besser Handball spielen als zuletzt. Die Ergebnisse sind nicht so wichtig.“ Die EM hatte Deutschland als Zehnter beendet.

          Am Dienstagabend war das Ergebnis auch nicht wichtig. Zwar nahm die Nationalmannschaft die Partie deutlich ernster als der HSV, doch das störte niemanden der 8000 Zuschauer. Etwa 200.000 Euro dürften am Ende für Ehefrau und Sohn des verstorbenen Oleg Velyky zusammen gekommen sein.

          Schon zu Lebzeiten hatte der Hamburger Präsident Andreas Rudolph großzügig vorgesorgt: als Velyky im Januar 2008 seinen Dreijahresvertrag beim HSV unterschrieb, garantierte Rudolph ihm volles Gehalt auch im Krankheitsfall und zudem sechs Monate über den möglichen Tod hinaus. Velyky habe aufgrund seiner Krankheitsgeschichte keine Chance gehabt, eine Versicherung zu finden, die seine Familie absichere, sagte Rudolph. Sechs Wochen nach der Vertragsunterschrift in Hamburg hatten die Ärzte bei Velyky wieder Hautkrebs diagnostiziert.

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