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Handball-Transfercoup : Gensheimers Rückkehr nach Hause

Ab Sommer wieder in der Bundesliga aktiv: Uwe Gensheimer wechselt zu den Rhein-Neckar Löwen. Bild: AP

Nationalmannschafts-Kapitän Uwe Gensheimer kommt zur neuen Saison zu den Rhein-Neckar Löwen zurück. Der Starspieler bleibt also nicht beim Elite-Team in Paris, sondern spielt künftig wieder in der Bundesliga.

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          Eine sehr vertraute Umgebung für Uwe Gensheimer: Mannheim, SAP-Arena, ein Ort der sportlichen Wurzeln – und der Zukunft. „Ich habe noch ein paar Jahre vor mir“, sagte Gensheimer am Mittwoch an der Stätte seines einstigen Wirkens im Handball. Das sollte heißen: Auch mit 32 lässt sich noch einiges bewerkstelligen als Handballprofi. Es hatte sich bereits seit einiger Zeit angedeutet, dass Gensheimer, ein Sohn Mannheims, sich wieder in den Dienst der Rhein-Neckar Löwen stellen wird. Am Mittwoch wurde die Rückkehr Gensheimers offiziell bekanntgegeben, und wie sehr sich die Nordbadener danach sehnten, drückte Jennifer Kettemann, die Geschäftsführerin der Löwen, bewegt so aus: „Die Leidenszeit hat endlich ein Ende.“

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Sie wird sich aber noch ein bisschen gedulden müssen, denn Gensheimer wird Paris erst nach dieser Saison verlassen. Dann aber soll der Kapitän des deutschen Nationalteams mindestens bis zum Jahr 2022 bei den Löwen bleiben, so lautet die Vereinbarung. Als sportliche Frontfigur, als das Gesicht des Vereins, wie früher. „Er gehört einfach hierher“, sagte Jennifer Kettemann.

          Noch etwas zu erledigen

          Gensheimer war im Jahr 2016 von Mannheim nach Frankreich aufgebrochen, gelockt von einem lukrativen Angebot von Paris Saint-Germain, wo er schätzungsweise eine halbe Million Euro im Jahr bekommt. Das ist eine Menge Geld für einen Handballer. Doch Gensheimer reizte angeblich nicht allein das Finanzielle. Er wollte, wie er behauptete, aus dem gewohnten Umfeld ausbrechen, zumindest vorübergehend, eine neue Handball-Welt entdecken. „Ich bin rausgekommen“, sagte Gensheimer am Mittwoch, „ich habe was anderes gemacht.“ Und er findet, dass sich die Sache für ihn gelohnt hat. „Ich habe erreicht, was ich wollte. Jetzt ist es an der Zeit, zurückzukehren und eine neue Geschichte zu schreiben.“ Womöglich mit der Intention, auch nach der Karriere als Sportler für die Löwen zu arbeiten, in einer leitenden Funktion vielleicht.

          Seine Frau und sein Sohn leben bereits wieder in Deutschland, während Gensheimer noch etwas zu erledigen hat in Paris. Ein Mann auf der Jagd nach dem ersten internationalen Titel, nach dem Triumph in der Champions League zum Beispiel. Das ist das große Bestreben in seinen letzten Monaten bei PSG, dem ein solcher Coup bisher nicht gelungen ist, obwohl das Team exzellent besetzt ist, unter anderem mit Weltmeister Mikkel Hansen aus Dänemark.

          Gensheimer, der 2016 als deutscher Meister gegangen war, betonte, nicht nur aus privaten Gründen „nach Hause“ kommen zu wollen. Auch der sportliche Aspekt spielt, wie er sagte, eine beträchtliche Rolle. „Die Qualität der Löwen ist sehr groß, wir können um alle Titel mitspielen.“ Wenn Gensheimer wieder ein Löwe ist, wird allerdings nicht mehr der Weltmeistermacher Nikolaj Jacobsen die sportliche Verantwortung in Mannheim tragen, sondern der Isländer Kristjan Andresson, der sich wie Gensheimer bis 2022 an die Nordbadener gebunden hat. Ein frisches Handball-Kapitel in Mannheim, mit neuen, aber auch bekannten Facetten.

          Starkes Zeichen

          Gensheimer jedoch ist offenbar nicht mehr ganz der Alte, Mannheim wird ihn angeblich ein bisschen verändert erleben beim Comeback. Das liegt, wie es heißt, an Gensheimers Entwicklung in Paris. „Er hat einen Riesensprung nach vorne gemacht“, sagte Oliver Roggisch, Teammanager der Rhein-Neckar Löwen, „er ist gereift.“ Und sportlich ohnehin eine Wucht, immer noch. „Er ist der beste Linksaußen der Welt“, sagte Roggisch. Einer, der die Dinge sozusagen aus dem Handgelenk schütteln kann. Mit ihm soll die Schlagkraft der Löwen sich noch einmal erhöhen. Gensheimer sei, so Roggisch, das „richtige Puzzleteil“ für die Mannschaft.

          Auch die Liga zeigt sich angetan von dem bevorstehenden Transfer, bei dem die Löwen dem Vernehmen nach auf die Unterstützung ihrer Sponsoren bauen konnten. Frank Bohmann in jedem Fall, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga-Vereinigung, bezeichnete Gensheimers Wechsel zurück nach Deutschland als ein „starkes Zeichen“. Für Bohmann ist das ein Beleg dafür, „dass die Bundesliga international weiterhin konkurrenzfähig ist“.

          An diesem Donnerstag wird Gensheimer wieder nach Paris reisen. Handball-Alltag nach einer Stippvisite in der Heimat und einer Weltmeisterschaft mit berauschenden Momenten und enttäuschendem Schlussakt. Damit mochte sich Gensheimer am Mittwoch aber nicht groß beschäftigen. „Nicht zu lange nachhaken“, sagte er, „nach vorne blicken.“ In ein Morgen, mit dem er besondere Perspektiven verbindet.

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