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Corona-Probleme im Handball : Egoismus auf Kieler Art

  • -Aktualisiert am

Trainer Filip Jicha wirkte, als betrachte er alles durch die THW-Brille. Bild: dpa

Die Pandemie bedroht die Existenz der Handball-Klubs. Wichtig wäre nun Solidarität. Doch beim Rekordmeister THW Kiel mangelt es an Einsicht. Am Abend verlieren die Kieler in der Champions League.

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          Es ist normal, im sportlichen Wettbewerb im Rahmen der Regeln auf den eigenen Vorteil zu schauen. Verletzt sich der beste Spieler des Gegners, verbessert das wahrscheinlich die eigene Lage. Auf die Pandemie gemünzt: Sind beim schärfsten Konkurrenten Spieler durch Impfdurchbrüche verhindert, erhöht es die Chance, dass der Wettbewerber verliert. Aber darf diese verengte Sicht die einzige Betrachtungsweise sein in einer Sportart wie dem Handball, deren höchste Liga hierzulande durch Corona in ihrer Existenz bedroht ist?

          Filip Jicha, der Trainer des THW Kiel, hat sich in den „Kieler Nachrichten“ empört, dass die Spiele von Magdeburg und Flensburg am Wochenende ausgefallen sind. In beiden Teams gab es Impfdurchbrüche. Jicha erinnerte, dass der THW antreten musste, als ihm im Oktober Sagosen und Weinhold nach Impfdurchbrüchen fehlten. „Das ist nicht fair“, sagte Jicha der Zeitung, „wir mussten weiterspielen und haben es teuer bezahlt.“ Ohne die Führungsspieler blieb Kiel dreimal sieglos.

          Es ist nicht das erste Mal, dass Jicha nur die Belange seines Vereins sieht. In der vergangenen Saison musste der THW nach einer Quarantäne ohne Vorbereitung gegen den SC Magdeburg spielen und ließ einen Punkt liegen. Auch damals zürnte der Tscheche. Dabei war das große Thema in der Liga damals Solidarität.

          Nur Handball? Das ist zu wenig

          Persönliche Ziele und die des Vereins wurden von Verantwortlichen und Klubs hintangestellt, um den Fortbestand des Profihandballs in der Pandemie zu gewährleisten. Spieler fehlten wegen Infizierung, Partien fielen aus und mussten zu ungünstigen Zeiten nachgeholt werden. Kaum einer klagte. Jicha hingegen wirkte, als betrachte er grundsätzlich alles durch die THW-Brille.

          Bezogen auf den aktuellen Fall liegt er zudem falsch. Sagosen und Weinhold waren isoliert, die Ansteckungsgefahr gering – Kiel musste spielen. In Flensburg und Magdeburg bestand die Gefahr, dass sich weitere Spieler infizieren würden – womöglich auch beim Gegner. Deswegen sagte die HBL die Partien ab.

          Man wünschte sich vom Rekordmeister Weitsicht und Meinungsstärke. Es ist unverständlich, dass der wichtigste Verein mit seiner großen Anhängerschaft kaum Stellung zu gesellschaftlichen Themen bezieht. Beim THW Kiel soll es immer nur um Handball gehen – den nächsten Sieg, den nächsten Titel. Das ist in diesen aufgeladenen Zeiten zu wenig.

          THW Kiel verliert bei Aalborg HB

          Der THW Kiel hat die zweite Niederlage in der Vorrunde der Champions League kassiert. Der deutsche Handball-Rekordmeister verlor am Mittwoch beim dänischen Titelträger Aalborg HB mit 33:35 (16:17). Beste Werfer waren Niclas Ekberg mit sieben Treffern für Kiel und Nikolaj Laesö mit neun Toren für Aalborg.

          Nach dem 31:28 aus dem Hinspiel haben die Norddeutschen den direkten Vergleich gewonnen. Der THW bleibt Zweiter der Gruppe A, Aalborg rückte an die Norddeutschen heran. Die beiden besten Mannschaften jeder Achtergruppe qualifizieren sich direkt für das Viertelfinale. Die Teams auf den Plätzen drei bis sechs müssen in die Play-offs. (dpa/sid)

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