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Kiels Champions-League-Sieg : Angriff auf die Nerven

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Handball mit Herz und Verstand: Der THW Kiel und Trainer Filip Jicha bezwingen Barcelona 33:28. Bild: dpa

So bringt man einen überlegenen Gegner um den Verstand: Der Sieg des THW Kiel in der Champions League ist ein Meisterstück seines Trainers Filip Jicha.

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          Erfahrungsgemäß erzählt eine so dichte, so packende Turnierform wie das „Final Four“ genannte Format viele Geschichten. Der Handball erlebt dabei in den Schlussminuten oft allerlei Zuspitzungen – die für Zuschauerinnen und Zuschauer in der Halle oder am Fernseher schwer zu ertragen sind, es sei denn, sie haben starke Nerven und lieben den Thrill.

          Da war es schon ziemlich kurios, wie geradezu entspannt der THW Kiel am Dienstagabend vor leeren Kölner Rängen dem größten Triumph der jüngeren Vereinsgeschichte entgegensteuerte. Das sichere 33:28 gegen den stärker wahrgenommenen FC Barcelona war im Finale der Champions League 2019/20 tatsächlich schon von der 55. Minute an deutlich sichtbar – ohne Drama in den Schlusssekunden.

          Glänzend eingestelltes Team

          Kiel war von Filip Jicha glänzend eingestellt, blieb den Vorgaben des erst 38 Jahre alten Trainers auf faszinierende Weise treu und hatte neben dieser den Gegner entnervenden Disziplin der langen Angriffe etwas, was der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren fehlte: Cleverness und Nervenstärke.

          Mag es vor allem der Teamgeist gewesen sein, der den THW-Jahrgang 2020 in den Kölner Tagen zum vierten Meisterklassen-Titel der Vereinsgeschichte trug, musste doch die überragende Leistung Einzelner her, um Teams vom Format Veszprems oder Barcelonas zu besiegen.

          Weil seine Kollegen im Rückraum müde (Duvnjak) oder formschwach (Reinkind) waren, trug Sander Sagosen fast allein die Verantwortung, für Torgefahr aus dem Rückraum zu sorgen. Das wussten die Gegner – und hingen ihm wie zentnerschwere Kletten im Arm. Der 25 Jahre alte Norweger biss sich durch, behielt den Mut, ging buchstäblich dahin, wo es weh tut. Er bestach durch Tore und kühne Pässe. Fünf Treffer im schwächeren Spiel gegen Veszprem, sieben im Finale gegen Barcelona; bei Sagosen sind Talent und Einstellung vortrefflich verbunden. Schon nach einem halben Jahr haben sich die Kieler Fans in den bestbezahlten Spieler der Bundesliga verliebt. „Sander war phantastisch“, lobte Jicha. Er und Sportchef Viktor Szilagyi basteln seit Sommer 2019 ganz unbescheiden an einem THW Kiel, der die betuchteren Klubs aus Paris, Barcelona und Veszprem hinter sich lassen will. Kiel denkt groß. Für große Aufgaben brauchte es einen wie Sagosen, der im Angriff fast immer eine Lösung hat. Für Selbstvertrauen steht Jicha, der nun der erste Handballer ist, der als Trainer und Spieler im gleichen Verein die Champions League gewann.

          Für ihn war das viel mehr als ein persönlicher Triumph einer des eigenen Klubs: „Wir haben hier die Bundesliga repräsentiert und gezeigt, dass der deutsche Handball international mithalten kann.“ Und das, was früher als Nachteil hiesiger Klubs angenommen wurde, Termindichte, erschien im Glanze der Siege in einem anderen Licht: „Barcelona hatte Mühe mit zwei Spielen an zwei Tagen“, sagte Jicha, „wir nicht, wir kennen das aus der Bundesliga.“

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