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Handball-Supercup : Schwalbs letzter Versuch

  • -Aktualisiert am

Kräftezehrende Trainerbank: Martin Schwalb will an den Schreibtisch wechseln Bild: picture alliance / dpa

Der HSV Hamburg geht mit einer Führung auf Abruf in die am Dienstagabend mit dem Supercup-Spiel beginnende Handball-Saison. Gegner THW Kiel bleibt derweil das Maß der Dinge. Der Hamburger Trainer Martin Schwalb soll dennoch die Kieler Vormacht brechen.

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          Sie mögen es nicht so gern beim HSV Hamburg, wenn man heute schon Fragen zur übernächsten Saison stellt. Da wird sogar ein grundsätzlich auskunftsfreudiger Mann wie Sportchef Christian Fitzek schweigsam. Er will viel lieber zu dieser Handball-Spielzeit etwas sagen. Sie beginnt mit dem Spiel um den Supercup am Dienstag zwischen dem Pokalsieger HSV und dem deutschen Meister THW Kiel inoffiziell und am Tag darauf mit der Bundesligapartie HSG Wetzlar gegen SG Flensburg-Handewitt offiziell. Um alle drei Titel will der HSV mitspielen, er hat sich mit Nationalspieler Michael Kraus verstärkt und den Etat noch einmal erhöht, auf 8,5 Millionen Euro.

          Ungewöhnlich ist, dass dem HSV der ersehnte große Wurf mit einer Führungsmannschaft auf Abruf gelingen soll: der 47 Jahre alte Trainer Martin Schwalb wird nämlich auf eigenen Wunsch im nächsten Sommer in die Vereinsführung wechseln. Er tauscht den kräftezehrenden Job an der Seitenlinie mit einem Platz am Schreibtisch. Hinzu kommt, dass Präsident Andreas Rudolph sich 2011 zurückziehen wird.

          So werden dem HSV in einem Jahr die beiden wichtigsten Köpfe in vorderster Linie fehlen: Zwar haben sich die Alpha-Männchen immer wieder gerieben, zwar hätte Rudolph Schwalb 2009 fast entlassen, aber letztlich waren es ihr Einsatz und ihre Energie, die den HSV in fünf Jahren zum zweitbesten deutschen Klub gemacht haben. 20 Millionen Euro soll der 55 Jahre alte Medizintechnik-Unternehmer Rudolph in den Klub gesteckt haben. Präsidiumsmitglied Dierk Schmäschke steht als Nachfolger für Rudolph schon bereit. Und das Portemonnaie dürfte Rudolph auch wieder öffnen. Wenn es sein muss. Doch wie geordnet der Übergang dann tatsächlich verläuft, wird man sehen.

          Soll jetzt mit Hamburg Titel gewinnen: Michael Kraus ist der prominenteste Neuzugang des HSV (Foto: Nach dem Finale im EHF-Pokal vergangene Saison mit Lemgo)
          Soll jetzt mit Hamburg Titel gewinnen: Michael Kraus ist der prominenteste Neuzugang des HSV (Foto: Nach dem Finale im EHF-Pokal vergangene Saison mit Lemgo) : Bild: picture alliance / dpa

          Carlén senior soll kommen und Carlén junior mitbringen

          Über die wichtigste Position auf der Bank will der HSV im Frühjahr 2011 entscheiden. In Handballkreisen gilt aber schon jetzt als ausgemacht, dass der Flensburger Trainer Per Carlén dann Schwalbs Platz einnimmt - und seinen talentierten Sohn Oscar für die wichtige Position im halbrechten Rückraum gleich mitbringt. Dort werden die Lijewski-Brüder den HSV zur Serie 2011/2012 verlassen; der jüngere, Krzystof, geht nach Mannheim, der ältere, Marcin, zurück nach Polen. Carlén sr. ist indes nur dritte Wahl: lieber hätte der HSV Zvonimir Serdarusic (Celje) oder Talant Duschebajew (Ciudad Real) verpflichtet. Beide sagten ab. Alles in allem steht für den zuletzt auch von seiner Stetigkeit profitierenden Klub aus Hamburg bald so viel Wechsel an, dass die nun startende Serie in den Hintergrund gerät.

          Das ist nichts, was man in Kiel ungern sieht. „Ich glaube nicht, dass es in Hamburg Probleme gibt, weil Martin Schwalb am Saisonende aufhört“, sagt der Kieler Trainer Alfred Gislason zwar höflich, zumal Schwalb ja im Verein in leitender Position bleibe. Doch das Konfliktpotential eines Trainers auf Zeit kennt man im Profisport, zumal bei jemandem wie Schwalb, der mehr über die Motivationsschiene kommt als über den taktischen Schliff.

          Allzu viele Gedanken über die Konkurrenz macht man sich in Kiel traditionell nicht. „Wir Spieler gucken nur auf uns, wir nehmen jedes Spiel ernst und wollen jedes gewinnen“, sagt Kapitän Marcus Ahlm. Eine Phrase, gewiss, aber genau so hatte der THW im ersten Jahr nach Lövgren&Karabatic in beeindruckender Manier Meisterschaft und Champions League gewonnen.

          Auf Kiels Briefpapier der zweite Stern

          Am vergangenen Mittwoch bei der traditionellen Saisoneröffnung präsentierte Manager Uli Derad stolz einen üppigen, auf 9,5 Millionen Euro erhöhten Etat, zustande gekommen vor allem durch Bonuszahlungen der bekannten Sponsoren wegen der beiden Titel. Am Kreis hat man sich mit Milutin Dragicevic verstärkt, für die Abwehr wurde Daniel Kubes geholt, ansonsten hat man alles beim Alten gelassen. Unaufgeregt reagierten die Kieler sogar auf die schwere Verletzung von Daniel Narcisse (Kreuzbandriss): „Es war immer die Stärke des THW, in solchen Momenten zusammenzurücken“, sagt Gislason.

          Vom offiziellen Briefpapier und allen Broschüren strahlt nun der zweite Champions-League-Stern, und wenn auch niemand mehr vom Mai 2010, sondern voller Vorfreude von der kommenden Saison spricht, so hat man doch das Gefühl, dass die Kieler an mentaler Stärke noch einmal hinzugewonnen haben. Weder in der Meisterschaft noch in der Champions League galten sie in der Vorsaison als Favorit. Gislason sagt: „Die Stärke dieser Mannschaft ist, dass sie sich weigert, zu verlieren.“

          Schwalb hatte am Tag zuvor in Hamburg angekündigt, sein Team werde mit mehr Härte in der Abwehr versuchen, endlich die Meisterschaft zu gewinnen. Man soll ihm nicht nachsagen, dass er in seinem vorerst letzten Jahr als Trainer etwas unversucht lässt.

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