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Alarm der Vielspieler : Wuchtiger Einwurf der Handball-Stars

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Nikola Karabatic beschwert sich über die Belastungen im Handball. Bild: AFP

Viele Spitzenspieler beklagen in einem Video die brutale Belastung im Handball. Ihre Botschaft ist klar: So kann es nicht weitergehen. Der Zeitpunkt des ungewöhnlichen Aufrufs ist allerdings überraschend.

          Zumindest Nikola Karabatic schaut am Ende dieser ernst wirkenden und dramatisch untermalten Videobotschaft freundlicher, als er sagt: „Spielt nicht mit den Spielern!“ Ungewöhnlich ist dieser Aufruf, dem viele Stars des Frauen- und Männerhandballs gefolgt sind, und vom Zeitpunkt überraschend. Christina Neagu und Nora Mörk sind ebenso zu sehen und zu hören wie Uwe Gensheimer, Mikkel Hansen, Rasmus Lauge, Luka Stepancic oder Niklas Landin. „Hört auf die Spieler!“, sagen sie, böse dreinschauend, und sprechen die brutale Belastung von 70 bis 80 Spielen im Kalenderjahr an, der sich die Stars dieser Sportart stellen müssen. Ihre Botschaft ist klar: So kann es nicht weitergehen.

          Es geht aber schon ziemlich lange so. Zuletzt trug Weltmeister Dänemark auf dem Weg zum Titel zehn Spiele in 18 Tagen aus. Mindestens zehn Jahre kämpfe die weitgehend unbekannte Europäische Spielergewerkschaft EHPU schon für mehr freie Tage bei Großturnieren und für weniger Terminballung, verriet Markus Rominger. Der frühere Torwart der SG Wallau/Massenheim ist Vizepräsident der Vereinigung.

          Am Rande der Weltmeisterschaft im Januar hatten sich die Spieler auf die Videobotschaft verständigt. War der Protest der Profis bisher Sache Einzelner und hatte man sich daran gewöhnt, dass die Spieler zwar klagten, aber als gutbezahlte Rädchen im Getriebe dann doch mitmachten, hat diese konzertierte Aktion vieler Stars beider Geschlechter eine andere Wucht. Mit dem Video ging eine Einladung an die Präsidenten und Generalsekretäre des Weltverbandes IHF und des europäischen Verbandes EHF zu einem Gespräch beim Finalturnier in der Champions League am 1. und 2. Juni.

          Dieser Clip fällt in eine Phase, in der die Verbände den Spielern endlich entgegenkommen. Zwar wird die nächste EM Anfang 2020 in Norwegen, Schweden und Österreich mit erstmals 24 statt 16 Teams gespielt, doch ein neuer Modus ermöglicht dem am Ende siegreichen Team, in neun Spielen Europameister zu werden. Ein Jahr später bei der WM in Ägypten nehmen 32 Mannschaften teil, auch dort sind neun Spiele bis zum Titel nötig. Spiele an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wird es nicht mehr geben. Als Reaktion auf die Heim-WM hatte zudem schon DHB-Vorstand Mark Schober gesagt, dass zukünftige Großveranstaltungen nicht erst am Donnerstag, sondern am Dienstag beginnen sollten, um mehr freie Tage bereitzuhalten.

          Zudem werden die Kalender von Verbands- und Vereinshandball synchronisiert: von der Saison 2020/21 an werden die Final-Four-Turniere europaweit das offizielle Ende der Saison markieren. Nach der Saison wird es keine Qualifikationsspiele für EM oder WM mehr geben, um dem Wunsch der Spieler nach längeren Sommerferien nachzukommen. Von dieser Spielzeit an wird zudem das Teilnehmerfeld der Champions League massiv verkleinert. Durch die jährlichen Großturniere werden die vielspielenden Stars belastet bleiben, doch das aktuelle Signal aus den Verbandszentralen ist eher „weniger“ als „mehr“. Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen und es in der Öffentlichkeit zu verankern, kann diese Videobotschaft trotzdem nicht schaden.

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