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Handball : Schritte aus dem Dunkel

Karol Bielecki: Über seinen Unfall mag er nicht mehr reden Bild: picture alliance / dpa

Karol Bielecki ist auf einem Auge blind. Dennoch gelingt dem Handballprofi eine leuchtende Rückkehr. Er ist wieder die große Stütze der Rhein-Neckar Löwen, die diesen Sonntag in der Champions League beim THW Kiel antreten.

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          Es sind stille Tage für Karol Bielecki, zumindest abseits des Spielfeldes. Tage, in denen Bielecki sich zurückzieht, in denen er das Licht der Öffentlichkeit scheut, weil er nicht schon wieder erklären will, wie es um seine Gefühle steht und um seine Gesundheit. Wie ein Handballspieler, der auf einem Auge blind ist, noch Leistungssport betreiben kann, auf hohem Niveau, mit großem Eifer. „Er will darüber gar nicht mehr sprechen“, sagt Thorsten Storm, der Geschäftsführer der Rhein-Neckar Löwen, und der Verein unterstützt Bielecki darin, er errichtet für den polnischen Rückraumspieler eine Art Schutzwall.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          „Wir müssen ihn immer wieder abschirmen“, sagt Storm, derzeit nicht zuletzt vor Anfragen aus Polen, aus der Heimat Bieleckis. Es geht dabei nicht nur um den Handballprofi aus Sandomierz selbst, sondern auch schon um die Weltmeisterschaft im Januar in Schweden, um die Chancen Polens, um die Aussichten Bieleckis – aber das ist ja auch noch kein Thema für Bielecki. Er schweigt lieber – und macht als Spieler von sich reden, mit seinem Behauptungswillen, mit seinen Toren.

          Seine Sprache waren stets vor allem seine Würfe

          Es ist bemerkenswert, dass Bielecki trotz verminderter Sehfähigkeit schnell in die Normalität zurückfand, und es ist erstaunlich, dass der 28 Jahre alte Pole derzeit eine große Konstante ist im Spiel der Rhein-Neckar Löwen. Seine Sprache waren stets vor allem seine Würfe, der 2,02 Meter große Bielecki schleuderte die Bälle mit großer Wucht auf das Tor, manchmal aus zehn Metern Entfernung – und so ist es geblieben, obwohl er sein linkes Augenlicht verloren hat.

          Schweigen und Taten sprechen lassen: Seine Sprache waren stets vor allem seine Würfe

          Der Pole, Kandidat für das nächste All-Star-Team der Bundesliga, ist immer noch ein verlässlicher Werfer. Und gerade jetzt, da die Löwen über einige Verletzte klagen und gewisse Schwächen mancher Spieler, gilt Bielecki als eine besondere Stütze der Löwen. „Er ist unser gefährlichster Schütze“, sagt Storm. „Der hat einen Hammer.“ Darauf bauen die Nordbadener natürlich auch bei den nächsten, richtungweisenden Aufgaben in der Champions League und in der Bundesliga. Die Löwen treffen in den nächsten elf Tagen gleich dreimal auf den THW Kiel, sie treten an diesem Sonntag (17.15 Uhr) in der europäischen Königsklasse zunächst bei den Norddeutschen an, und sie bestreiten in dieser wichtigen Saisonphase auch noch ein Gastspiel beim HSV Hamburg. Dabei wird sich zeigen, wohin der Weg der Mannschaft führt. Gudmundur Gudmundsson, ihr neuer isländischer Trainer, spricht salopp von einem „hammerharten“ Programm.

          „Den wirft so schnell nichts mehr um“

          Vermutlich findet Bielecki sogar großen Gefallen an solchen Herausforderungen, die ihn und seine Kollegen stark beanspruchen. Der Funktionär Storm jedenfalls will festgestellt haben, dass der Pole seinen Beruf nach seinem Schicksalsschlag „viel bewusster“ ausübe, dass er ihn vielleicht mehr noch als früher genieße. Ja, und Bielecki, eigentlich ein introvertierter Mensch, sei sogar, findet Storm, offener und zugänglicher geworden. Und angeblich auch ein Stück robuster. „Den wirft so schnell nichts mehr um“, behauptet Storm. Es war ohnehin, bereits wenige Wochen nach seinem schweren Unfall, immer viel vom Mut, von der Kampfeslust, von der Aufbruchstimmung Bieleckis die Rede.

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