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Start der Handball-Saison : Prominenz für die Malocher-Liga

  • -Aktualisiert am

Soll wieder das Gesicht der Handball-Bundesliga werden: Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer Bild: AP

Der Handball in Deutschland erhält eine Wiederauffrischung. Gensheimer kehrt zurück, die kommenden Weltstars Lagarde und Sagosen zieht es aus Frankreich in die Bundesliga. Doch eine Frage bleibt.

          Der Alltag mit Hausbau, Frau und Sohn will organisiert sein, dazu kommen das Bistro in Mannheim und die Sockenfirma – Uwe Gensheimer hat derzeit genug zu tun, denn ein bisschen Handball muss der alte und neue Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen ja auch noch spielen. Viel Zeit zum Verschnaufen war also nicht nach drei Jahren bei Paris Saint-Germain. An diesem Samstag startet die Handball-Bundesliga mit den ersten Pokalrunden in die Saison 2019/20; die „Löwen“ treten am Samstagabend beim Drittligaklub aus Saarlouis an. Einen Sieg vorausgesetzt, geht es am Sonntag gegen Ferndorf oder Nußloch um den Einzug ins Achtelfinale. In Saarlouis wird Gensheimer als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wahrscheinlich bestaunter „Promi“ sein. Doch er ist nicht der einzige, der der international abgesackten Bundesliga Auftrieb verleihen soll.

          Mit ihm kommt Romain Lagarde aus Nantes zu den Rhein-Neckar Löwen. Die Berliner Füchse haben Dejan Milosavljev geholt, den Torwart des Champions-League-Siegers Vardar Skopje. Auf den namhaftesten Zugang müssen die Handball-Fans ein Jahr warten – denn der aktuell weltbeste Spieler, Sander Sagosen, verstärkt den THW Kiel erst im Sommer 2020. Dann wird der deutsche Meister, die SG Flensburg-Handewitt, auch das europaweit begehrteste Talent im Rückraum einsetzen können: Lasse Möller. Der Däne spielt von der Serie 2020/21 an für die SG.

          Vor allem Sagosen und Gensheimer haben die Fantasien der hiesigen Handball-Macher beflügelt. Nicht nur die aufnehmenden Vereine erhoffen sich mit den prominenten Zugängen mehr Chancen in der Champions League. Auch Liga-Chef Frank Bohmann freut sich über neue, alte Zugpferde für die europäisch lahmende Liga, denn die Attraktivität des „Pakets“ Bundesliga nimmt durch sie natürlich zu. Ist der Trend also gebrochen, dass die Stars und Sternchen des Handballs einen Bogen um die Bundesliga machen, weil hier zwar gut verdient, dafür aber außerordentlich viel geschuftet werden muss?

          Neuer Handballstar für die Bundesliga: Der Vize-Weltmeister aus Norwegen und noch PSG-Profi Sander Sagosen kommt aber erst 2020 zum THW Kiel.

          Seit Gensheimer wieder für die Löwen spielt, hat er in verschiedenen Interviews auf die Belastung der Spieler hingewiesen und eine Verkleinerung der Liga gefordert. Zuletzt, als es darum ging, dass er, Lagarde und Sagosen sich von der anstrengenden Bundesliga offenbar nicht abschrecken ließen, hat Gensheimer in der „Sport Bild“ differenziert geantwortet. Es sei schon Thema dort gewesen, dass in Deutschland am zweiten Weihnachtstag gespielt werde, dass die Champions-League-Teilnehmer im Rhythmus Donnerstag-Samstag ranmüssen und der Sommerurlaub extrem kurz ausfällt. Doch für junge Profis wie Sagosen (23) und Lagarde (22) stünde die Attraktivität der Liga mit vollen Hallen, geballter Tradition und bester Organisation im Vordergrund. Gensheimer selbst hat ja immer gesagt, dass er in die Region Mannheim zurückkehren werde, wenn es an der Zeit sei. Nun ist es soweit.

          Torwart Milosavljev verlässt zugunsten der Füchse zwar den Champions-League-Sieger, aber auch einen Verein mit unklarer Perspektive, weil der Präsident und Sponsor sein Engagement zurückfahren will. Und Talent Lasse Möller macht den Schritt, den vor ihm schon viele Landsleute gemacht haben – und wechselt ins ziemlich dänisch geprägte Flensburg.

          Es sind also mehr Einzelfälle als die große Schubumkehr. Wobei sie sich häufen könnten, denn mit der verkleinert ausgetragenen Champions League von 2020 werden auch für die beteiligten Bundesliga-Klubs weniger Spiele anfallen. Zudem ist der unbeliebte Juni-Termin mit den Nationalmannschaften von Sommer 2021 an passé. Die Saison wird dann Ende Mai auch für alle Bundesligaspieler vorbei sein. Das jahrelange, zähe Ringen von Gensheimer und Co. um Anerkennung in Form weniger Spiele und mehr Urlaub war also erfolgreich. Nur hat Gensheimer vielleicht selbst nicht mehr so viel davon, weil die Verbesserungen erst in zwei Jahren richtig greifen werden.

          Für den Moment genügt sein Name, um eine enttäuschende Spielzeit 2018/19 vergessen zu machen. Platz vier nach einer teils erschreckend schwachen Rückrunde, das war viel zu wenig für die Ansprüche des Meisters von 2016 und 2017. Der Kader habe grundsätzlich das Zeug, Meister zu werden, sagte Gensheimer. In der Szene wird die teure Rückholaktion durchaus auch skeptisch gesehen. Letztlich tauschen die Löwen nur einen guten, sehr alten Linksaußen (Sigurdsson, 40) durch einen 32 Jahre alten, sehr guten aus. Die Probleme lagen zuletzt aber anderswo – im rechten Rückraum und in der Spiellenkung, wo Andy Schmid diesmal nur eine durchschnittliche Saison spielte.

          Und dann ist da ja auch noch die nicht ganz unwesentliche Veränderung auf der Trainerbank. Meister-Coach Nikolaj Jacobsen ging, weil er den Doppel-Job als Löwen-Coach und dänischer Nationaltrainer nicht mehr aushielt. Kristján Andrésson hat übernommen und soll als Bundesliga-Neuling gleich einen der großen deutschen Klubs lenken. Der Schwede mit isländischem Pass hat Respekt vor dieser Aufgabe – und er ist froh, einen erfahrenen Star wie Gensheimer im Team zu haben.

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