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Handball : Roggisch wird Doppel-Agent

  • -Aktualisiert am

Bald ist Schluss: Oliver Roggisch beendet seine Karriere im Sommer Bild: REUTERS

Nach dieser Saison ist für Oliver Roggisch Schluss mit der aktiven Handball-Karriere. Aus gesundheitlichen Gründen hört der Abwehrspezialist auf. Roggisch hat schon zwei neue Aufgaben gefunden.

          3 Min.

          Er ist ein Handball-Malocher, seit langem schon. Austeilen und einstecken: Oliver Roggisch, als reiner Verteidiger ein Mann der alten Handball-Schule, schont weder sich noch seine Gegner. Das hat seine Spuren hinterlassen im Laufe der Jahre, und gerade in der jüngeren Vergangenheit bekam Roggisch die Folgen der Plackerei deutlich zu spüren. „Ich war in den letzten Monaten mehr beim Arzt als in der Trainingshalle“, sagt er.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der Mannheimer hat die Signale seines Körpers wohl verstanden: Roggisch, 35 Jahre alt, wird seine Laufbahn deshalb nach dieser Saison beenden, ein Jahr früher als vorgesehen. Der Spieler mit Gardemaß – er ist 2,02 Meter groß – wird sich aber keineswegs von seinem Sport lossagen. „Es gibt nicht nur den Handball auf der Platte“, sagt Roggisch. Er wechselt einfach die Seite. Nicht nur, dass er weiterhin auch für die Rhein-Neckar Löwen tätig sein wird, Roggisch stellt sich künftig außerdem in den Dienst des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

          Seine Rolle ist zwar noch nicht genau definiert. Roggisch soll aber als Bindeglied zwischen den Nationalspielern und der Führung des DHB fungieren, dazu soll er sich um Marketing und um Sponsorenpflege beim Verband kümmern. Das wird auch eine seiner neuen Aufgaben bei den Löwen sein; die Mannheimer wollen ihn überdies als eine Art Assistent des Cheftrainers einsetzen. „Er ist eine Allzweckwaffe für uns“, sagt Löwen-Manager Thorsten Storm.

          Zwei Aufgaben für die Zukunft

          Ein „doppelter Roggisch“ also – und mancher hatte ihn wegen der bevorstehenden Aufgaben beim größten Handballverband der Welt schon als „Oliver Bierhoff des Handballs“ bezeichnet. „Das klingt natürlich gut“, sagt der neue DHB-Präsident Bernhard Bauer, er hält den Vergleich mit Bierhoff jedoch für unzulässig. Er bezeichnet Roggisch vorläufig nicht als Manager, sondern als Teambotschafter. Immerhin: Auch der deutsche Handball wird nun bald „seinen Oli“ haben.

          „Im Sommer ist der richtige Zeitpunkt, um meine Karriere zu beenden“: Oliver Roggisch
          „Im Sommer ist der richtige Zeitpunkt, um meine Karriere zu beenden“: Oliver Roggisch : Bild: dpa

          Bauer und Roggisch fielen sich am Dienstag in der Mannheimer SAP-Arena, wo die Zukunft des Abwehrhünen erläutert wurde, schon mal in die Arme. Der DHB-Chef, der die Strukturen des Verbandes der Moderne anzupassen versucht, nannte Roggisch eine Persönlichkeit. Er betonte allerdings auch: „Er soll nicht die eierlegende Wollmichsau werden. Wir wollen ihn nicht überfordern.“ Roggisch wird zunächst, bei den Löwen als auch als Teilzeitkraft beim DHB, ein Lernender sein. Bauer sagt, dass man „mindestens zwei Jahre“ miteinander arbeiten wolle. Eine allzu üppige Entlohnung kann Roggisch allerdings nicht erwarten; er wird vom DHB eine Aufwandsentschädigung erhalten.

          Länderspiel nach Abschiedsspiel

          Auch Bundestrainer Martin Heuberger, der ebenfalls nach Mannheim kam, ist überzeugt, dass Roggisch noch nach seiner Karriere „ein Gewinn für den deutschen Handball sein wird“. Beide pflegen ein besonderes Vertrauensverhältnis, zumal, so Heuberger, „wir beide beim TuS Schutterwald groß geworden sind“. Roggisch wird zwar am 25. Mai in Mannheim ein Abschiedsspiel bestreiten. Der Kapitän des Nationalteams soll aber, sofern er in entsprechender Form ist, im Juni noch einmal für Deutschland antreten – Heuberger plant mit Roggisch für die entscheidenden WM-Qualifikationsspiele gegen Polen.

          Machen auf künftig gemeinsame Sache: Roggisch und Bundestrainer Martin Heuberger (links)
          Machen auf künftig gemeinsame Sache: Roggisch und Bundestrainer Martin Heuberger (links) : Bild: dpa

          „Das sind meine beiden wichtigsten Länderspiele“, sagt Roggisch. Das gilt auch für Heuberger, dessen Weiterbeschäftigung beim DHB vermutlich vom Ausgang dieser Duelle abhängt. Roggisch ist somit, ehe er neue Wege beschreitet, als Handballprofi noch stark gefordert – nicht zuletzt mit den Löwen, die in der Bundesliga, dem DHB-Pokal und der Champions League engagiert sind. „Jetzt kommt die schönste Zeit“, sagt er allerdings wegen des nahenden Abschiedes, „ich kann jedes Spiel noch mehr genießen.“

          Annäherung zwischen Verband und Bundesliga

          Für Bauer, der einen Verband mit angekratztem Image übernommen hat, stellt die Personalie Roggisch auch einen Fortschritt in der ausbaufähigen Kooperation zwischen dem DHB und der Handball-Bundesliga (HBL) dar. „Der deutsche Handball macht den Schulterschluss“, sagt Bauer gar zu der Regelung, dass jemand aus der Liga gleichzeitig für den DHB aktiv sein wird. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann findet Bauers Diktion ein bisschen übertrieben, er behauptet: „Es ist ein Mosaiksteinchen.“ Und nennt gleich noch drei Felder, auf denen der Verband unbedingt vorankommen müsse: Kommunikation, Vermarktung, internationale Positionierung.

          Just bei Punkt drei ist seit kurzem beschlossene Sache, einen „internationalen Beirat“ innerhalb des DHB zu installieren. Dieses Gremium, dem auch der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand angehören wird, soll sich mit strategischen Entwicklungsmöglichkeiten des DHB befassen.

          „Ich erkenne“, sagt Bauer in Mannheim zuversichtlich, „dass der Weg nach oben geht.“ Im Juni wird sich darüber wirklich urteilen lassen. Dann wird auch Roggisch genau wissen, worauf er sich mit dem Deutschen Handball-Bund einlässt.

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