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Handball-Profi Glandorf : Kariere-Ende auf der Couch

  • -Aktualisiert am

Deutschlands Holger Glandorf jubelt nach einem Tor gegen Österreich im Jahr 2017. Bild: dpa

Nach 19 Jahren tritt Holger Glandorf als Rekord-Feldtorschütze der Handball-Bundesliga ab. Mit seiner Karriere ist er im Reinen, auch ohne Sprung nach Barcelona. Nur den Schluss bedauert er.

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          Ein paar Mal muss Holger Glandorf im Gespräch lachen, als es etwa darum geht, wie sich sein Handballspiel weiterentwickelt hat oder darum, ob es das Angebot des FC Barcelona wirklich gab. Die Fragen sind keineswegs respektlos gemeint, sie liegen vielmehr darin begründet, dass man sich Glandorf eigentlich nur im Trikot der SG Flensburg-Handewitt beim schmerzhaften Durchbruch durch Gegners Abwehr vorstellen konnte: Glandorf im Blaurot der Katalanen? Glandorf mit filigranem Kreisanspiel? Er lacht. „Also das Angebot aus Barcelona war 2016 sehr konkret. Da habe ich lange überlegt. Und ich habe in meiner langen Karriere schon gelernt, auch mal den Außen und den Kreisspieler in Szene zu setzen.“

          Als es vor vier Jahren darum ging, Flensburg zu verlassen, sprachen die schulpflichtigen Söhne und der Anschlussvertrag bei der SG dagegen. Bereut hat Glandorf diese Entscheidung keine Sekunde: „Ich bin danach zweimal deutscher Meister geworden. Wir fühlen uns hier oben im Norden richtig wohl und sind Küstenkinder geworden.“ Der gebürtige Osnabrücker kannte das Meer schon, weil er als Kind mit der Familie auf Norderney im Urlaub war. Jetzt lebt er in Handewitt und möchte nicht mehr weg.

          Es stand schon länger fest, dass der 37 Jahre alte Linkshänder den Handball nach dieser Saison in die Ecke legen würde. Im Frühjahr 2019 hatte die SG ihn gebeten, noch ein Jahr dranzuhängen. Glandorf war als zweiter Mann hinter dem Norweger Magnus Röd eingeplant. Röd wird in der neuen Saison zusammen mit Franz Semper das rechte Rückraum-Duo der SG bilden. Bis Semper im Flensburger Trikot spielt, sollte Glandorf mit Routine und Durchschlagskraft helfen, den Meistertitel zu verteidigen.

          Durch die Corona-Pandemie kam alles ganz anders. Glandorf beendet seine Karriere auf der Couch. Das ist auch deswegen betrüblich, weil der 197 Zentimeter lange Schlaks mit den schlangenhaften Bewegungen nach seiner Schulterverletzung wieder zur Form vergangener Tage gefunden hat. Er sagt: „Es ist wirklich schade, ich hatte es mir anders gewünscht. Es gibt aber gerade viel wichtigere Sachen als mich.“

          „Wir alle brauchen ein Ziel“

          Es ist sozusagen ein Ende mit Schrecken. Man merkt, dass Glandorf sich viele Gedanken macht – nicht mehr darüber, ob es sinnvoll war, den Titel in dieser Saison an Tabellenführer THW Kiel zu vergeben: „Die Saison fühlt sich nicht echt an. Es fehlen acht Spieltage. Auch über unseren zweiten Platz kann ich mich nicht freuen, obwohl er ein überragendes Ergebnis ist.“ Doch was kommt? Wann wird wieder gespielt, und am wichtigsten: Wann dürfen wieder Zuschauer in die Hallen? Glandorf antwortet: „Es ist wirklich schwierig zu sagen, wie es weitergeht. Wir alle brauchen ein Ziel. Die Spieler, die Fans, die Sponsoren. Wenn die Politik sagt, ab 1. Januar 2021 dürft ihr wieder spielen, dann hätten wir eine Perspektive, auf die wir hinarbeiten können. Der Handball darf nicht zu lange warten, sonst gibt es ihn nicht mehr.“ Da spricht schon der Geschäftsstellenmitarbeiter der SG. Eigentlich soll Glandorf Anfang Juli nach neun aktiven Jahren in die Büros am Flensburger Hafen ziehen. Es könnte aber sein, dass sich sein Einstieg wegen Corona verzögert.

          Die Höhepunkte der Karriere? Alle Titel, sagt Glandorf. Mit seinen Söhnen hat er das WM-Halbfinale von 2007 gegen Frankreich angeschaut. Kurze Zeit später wurde Glandorf Weltmeister. „Ich war selbst überrascht, dass ich so viele wichtige Szenen hatte.“ Die Champions League kam 2014 hinzu. Der DHB-Pokal mit den Flensburgern, die beiden Meisterschaften, nicht zu vergessen der EHF-Cup 2008 mit seinem ersten Profiklub, der HSG Nordhorn, wo er acht Jahre spielte.

          Doch es gab auch eine andere Seite: Die schwere Entzündung an der linken Ferse 2012, zwei Jahre später der Riss der rechten Achillessehne, dazu unzählige Blessuren: Szenen aus dem Leben eines Handballprofis. „Das Thema ist erledigt. Mir geht es gut“, sagt Glandorf, der vor 19 Jahren sein Bundesligadebüt gab und als Rekord-Feldtorschütze der Liga mit mehr als 2000 Treffern abtritt. Und genau weiß, was Handball bedeutet in Flensburg. „Handball gehört hier zu den Lebensinhalten. Kein Sponsor hat irgendwas zurückgezogen, die Zuschauer wollen Dauerkarten kaufen. Alle wollen, dass die SG überlebt.“

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