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Handball-Pokalfinale : Alle neune

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Und wieder die Nummer eins: Kiels Daniel Narcisse jubelt mit Pokal in der Hand und Medaille um den Hals Bild: dpa

Der THW Kiel ist wieder DHB-Pokalsieger - mittlerweile zum neunten Mal. Im dritten Finale in Serie gegen die SG Flensburg-Handewitt siegt der THW souverän 33:30 und beteiligt sich rege an den Debatten über Reformen im deutschen Handball.

          Es war wie so oft, wenn die beiden derzeit besten deutschen Handball-Mannschaften aufeinandertrafen: Am Ende siegt der THW Kiel. Die Kieler gewannen am Sonntagnachmittag ein in der zweiten Halbzeit einseitiges Finale 33:30 gegen die SG Flensburg-Handewitt und holten sich vor 13.000 Zuschauern in der Hamburger Arena den Pokal des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Es war der dritte Cup-Triumph nacheinander, der neunte nationale Pokalsieg insgesamt.

          Im zweiten Durchgang überrollte der THW die müden Flensburger. Kiel machte aus dem 12:16-Halbzeitrückstand in zehn Minuten eine 20:17-Führung. Die SG hatte eine makellose erste Halbzeit gespielt und schien auf dem besten Weg, den Rivalen zu besiegen. Doch mit beeindruckender Fokussierung auf das Wesentliche marschierte der THW davon. Filip Jicha und Aron Palmarsson übernahmen im Rückraum das Kommando. Weil Thierry Omeyer im Kieler Tor nun die in großen Spielen gewohnte Leistung zeigte, gewann Kiel am Ende ungefährdet.

          Pokalendrunde als Ideen- und Gerüchtebörse

          Es war das dritte Mal nacheinander, dass die beiden schleswig-holsteinischen Spitzenklubs im Finale aufeinander trafen. 2011 hatte der THW deutlich, ein Jahr später knapp gewonnen. Die Kieler besaßen den Vorteil, sich am Samstag im zweiten Halbfinale beim 35:23 kraftschonend gegen die MT Melsungen durchgesetzt zu haben, während Flensburg erst nach Verlängerung 26:25 gegen den HSV Hamburg gewonnen hatte. „Es ist eine Erleichterung. Wir haben etwas Handfestes in dieser Saison geleistet“, sagte der Kieler Trainer Alfred Gislason. Er mahnte aber auch: „Wir haben am Mittwoch ein Auswärtsspiel. Also muss ich aufpassen, dass die jetzt nicht anfangen, in der Kabine Bier zu trinken. Ich muss vielleicht ein oder zwei erlauben, aber mehr nicht.“

          Eine Halbzeit lang hatten Jacob Heinl (l.) und die Flensburger den THW im Griff Bilderstrecke

          Die Pokalendrunde ist immer auch Ideen- und Gerüchtebörse. Vor allem rund um das heiße Eisen namens Modus gab es neue Wortmeldungen. Bis zum 4. Juli wird es sicher noch einige Vorstellungen geben, wie man der Handball-Bundesliga ein neues Gewand schneidern kann; eines, das in Sachen Vermarktung, Spannung und Fernsehpräsenz besser aussieht als die alte Klamotte mit 34 Spieltagen und einem deutschen Meister, der am Ende der Saison feststeht - oder eben deutlich früher, wie so oft in den vergangenen Jahren. Bei der Mitgliederversammlung der Handball-Bundesliga (HBL) Anfang Juli soll über Frank Bohmanns Reformpläne abgestimmt werden: Der Geschäftsführer des Ligaverbandes wünscht sich einen weltweit vielbeachteten Saisonabschluss in Form eines Finales, in dem der Hauptrunden-Erste gegen den Zweiten spielt. Ein echtes Endspiel also, das in einem Fußballstadion ausgetragen werden soll und maximale Vermarktungsmöglichkeiten böte.

          „Superpokal“ nach spanischem Vorbild

          Für andere sind schon solche Gedanken ein Sakrileg. Bundestrainer Martin Heuberger hält gar nichts von den Reformplänen der HBL. „Die Sache ist finanziell lukrativ, aber der Sport muss im Vordergrund stehen. Wer am Ende die meisten Punkte sammelt, soll Meister werden.“ Natürlich kommt der größte Protest aus Kiel. Der deutsche Dauermeister sieht den Wert der Hauptrunde schwinden, wenn letztlich ein Spiel über den Titel entscheidet - und nicht das zählt, was die Saison über geleistet worden ist. „Ich halte das für eine ganz schlechte Idee. Es ist fahrlässig, man würde dadurch die ganze Liga ruinieren“, sagte Gislason. Aber als Reformverhinderer wollen die Kieler auch nicht dastehen. Deswegen brachte Gislason in diesen Tagen eine neue Spielform ein. Eine Art „Superpokal“ nach spanischem Vorbild. Dort findet der „Copa del Rey“ statt, ein zweiter Pokalwettbewerb, an dem nur die acht besten Liga-Teams teilnehmen.

          Gislason stellt es sich so vor: Die ersten Acht der Vorrundentabelle spielen zwischen Weihnachten und Silvester in Köln gegeneinander, beginnend mit einem Viertelfinale, in dem der Erste gegen den Achten, der Zweite gegen den Siebten spielt und so weiter. Gislason sagt: „Das wäre ein tolles Teilnehmerfeld. Man könnte den Sieger mit einem Startplatz in der Champions League belohnen.“ Gislason findet, dass sich der Handball in dieser fußballfreien Zeit glänzend präsentieren könnte. Bohmann hält Gislasons Pläne für absurd: „Ich kenne den Copa del Rey. Dort kommen 1200 Zuschauer, der Vip-Bereich sieht aus wie eine Umkleidekabine. Damit lockt man keinen hinter dem Ofen hervor“, sagte er in Hamburg. „Wenn wir uns für eine zusätzliche Veranstaltung entscheiden, muss solch ein Rahmen mit unserem maximalen nationalen Titel bestückt sein.“

          Ende der Eiszeit im Herbst?

          An anderer Stelle wird auch um die Zukunft des Handballs gerungen. Das Forum Club Handball (FCH), ein Zusammenschluss europäischer Topklubs, bemüht sich um mehr Gehör und Mitspracherecht beim europäischen und internationalen Handballverband (EHF und IHF). Am Sonntag verteidigte das FCH noch einmal die am Mittwoch beim Landgericht Dortmund eingereichte Unterlassungsklage gegen den DHB. IHF und DHB sollen nach Vorstellung des FCH verurteilt werden, die Klubs nicht länger verpflichten zu dürfen, dass sie ihre ausländischen Spieler für Spiele der jeweiligen Nationalmannschaften abstellen müssen. Streitpunkt sind die nach Meinung der Vereine zu geringen Abstellgebühren.

          Gern hätten die deutschen Vertreter auf diese Klage verzichtet und sich mit dem DHB an den Verhandlungstisch gesetzt. Doch schon die Terminsuche zwischen Klubs und Verband erwies sich als kompliziert. Der scheidende DHB-Präsident Ulrich Strombach soll die Klubs mit dem Satz abblitzen lassen haben, er wolle sich in Fragen der Abstellung nicht zum „Vehikel“ der Bundesliga machen. Vielleicht ist diese Eiszeit im Herbst beendet - dann wird ein neues DHB-Präsidium gewählt.

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