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Final-Four im Handball-Pokal : Auch der Handball streitet über den Videobeweis

  • -Aktualisiert am

Sieger: Kiels Trainer Alfred Gislason (r.) feiert den THW-Erfolg Bild: dpa

Für Kiels Trainer Gislason ist der Pokal-Triumph seines Teams besonders berührend. Doch eine Diskussion überschattet das Wochenende. „Es fehlt dem Handball an Professionalität“, klagt ein Insider.

          Fertigmachen zum Feiern: Alfred Gislason konnte dem Geschehen schon ab der 45. Minute relativ entspannt zuschauen. Sein THW Kiel führte 24:16 und war dem elften Sieg im DHB-Pokal sehr nahe. Den erreichte Gislasons Klub dann wenig später durch das verdiente 28:24 gegen den SC Magdeburg. Müde wirkten die Magdeburger, durch den Ausfall des Linkshänders Albin Lagergrens entscheidend geschwächt.

          Zu viele Fehler machte der SCM am Sonntagnachmittag gegen den deutschen Handball-Krösus – das war insgesamt zu wenig von Trainer Bennet Wiegerts Team. Allein vier Siebenmeter vergab der SCM. Gislasons Mannschaft spielte gut und geduldig, hatte mit Niklas Landin einen überragenden Torwart und jubelte über den ersten Titel in dieser Saison. Gislason wird ja als THW-Trainer aufhören. Er erlebte zum Abschied aus Hamburg seinen siebten Pokalsieg im siebten Finale mit den Kielern.

          Gislasons letzter Auftritt war ein Thema dieser Pokal-Auflage 2019, die Leistung der Schiedsrichter ein anderes. Der Videobeweis war an diesem Wochenende nicht nur im Fußball beim Spiel der Schalker gegen Eintracht Frankfurt in aller Munde. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch beim „Final Four“ in Hamburg die Möglichkeit, strittige Szenen am Bildschirm hinter dem Kampfrichtertisch anzusehen. Neun Kameraperspektiven stehen den beiden Schiedsrichtern zur Verfügung, um sich mit Hilfe eines Supervisors das richtige Bild zu machen.

          Wie beim Fußball sind die Möglichkeiten des Einsatzes auch beim Handball begrenzt. In sieben Fällen darf der Videobeweis auf Wunsch der Schiedsrichter herangezogen werden. Meistens geht es darum, den zu bestrafenden Spieler einwandfrei zu identifizieren, was in normaler Geschwindigkeit manchmal kaum möglich ist, weil sich mehrerer Akteure auf kleinstem Raum ballen. Ein Einschalten von außen aufs Ohr der Schiedsrichter à la Kölner Keller gibt es nicht.

          Schwierig wird es, wenn umstrittene Aktionen für Aufsehen sorgen, die aber nicht Videobeweis-trächtig sind. Davon gab es am Samstag beim ersten Halbfinale zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und dem SC Magdeburg gleich drei. Alle wurden ohne Videobeweis gegen die Hannoveraner ausgelegt, die sich später darüber mindestens genauso aufregten wie über die 29:30-Niederlage nach großem Kampf. „Ich habe noch nicht ganz verstanden, inwieweit wir technische Hilfsgegenstände haben, wenn sie in kritischen Situationen nicht genutzt werden können“, sagte Sven-Sören Christophersen, der Sportchef der Burgdorfer.

          „Es fehlt dem Handball an Professionalität“

          Zunächst hatte es in die Halbzeitsirene hinein ein Tor der Magdeburger gegeben, das die schwachen Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein anerkannten. Die Hannoveraner schworen Stein und Bein, dass der Ball erst nach dem Ertönen der Sirene im Tor war. Dann bekam Rechtsaußen Timo Kastening nach einem Foul gegen den überragenden Michael Damgaard die Rote Karte. Und Sekunden vor Schluss entschieden Immel/Klein nicht auf Stürmerfoul gegen Christian O’Sullivan, sondern ließen das Spiel laufen: Der Norweger warf das SCM-Siegtor.

          Rot nach Videobeweis: Kiels Hendrik Pekeler (l.) wird bestraft

          „Es fehlt dem Handball an Professionalität“, klagte später der Hannoveraner Nationalspieler Kai Häfner, „es geht um so viel, da muss es in solchen Szenen einfach eine Instanz geben, die das überprüft.“ Da die Schiedsrichter sich in allen Szenen sicher waren, forderten sie den Videobeweis nicht an. Wenigstens bei der Szene Stürmerfoul oder nicht hätten sie es tun müssen. Ob Tor in der regulären Spielzeit oder nicht hätte sich mit der in Hamburg verwendeten Technik nicht zweifelsfrei überprüfen lassen, weil die Hallenuhr nicht mit dem Kamerasystem des Videobeweises gekoppelt sei. Das ist für eine hochrangige Veranstaltung wie die deutsche Pokalendrunde unzureichend.

          Das Thema Schiedsrichter überstrahlte ohnehin wieder einmal den packenden Sport. Viel war die Rede von den letzten Amateuren auf dem Spielfeld. Während Immel und Klein viel laufen ließen, den Hannoveranern aber einige Vorteilsituationen wegpfiffen, war das deutsche Spitzengespann Robert Schulze und Tobias Tönnies im zweiten Halbfinale zwischen dem THW Kiel und den Füchsen Berlin noch ganz auf WM-Linie: Sie erklärten durch Gestik und Mimik, warum sie was pfiffen und bestraften schnell und hart.

          Sie nutzten auch den Videobeweis: Als der Kieler Abwehrchef Hendrik Pekeler in der zweiten Halbzeit Mihailo Marsenic mit dem Ellenbogen traf, schaute sich Schulze die Bilder an und entschied auf Rot. Danach wäre das Spiel beinahe gekippt, doch die Kieler gewannen 24:22. Immerhin lobte der Sportchef der unterlegenen Berliner später die Unparteiischen, Bob Hanning. Vielleicht ahnte der DHB-Vizepräsident da schon, dass an diesem Pokalwochenende viel über das schwächste Glied im Berufshandball diskutiert werden würde.

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