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Handball : Nie zur WM, aber trotzdem kein Pechvogel

  • -Aktualisiert am

Wieder kein großer Wurf: Daniel Stephan sagt die WM ab Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wegen einer Entzündung im Ellbogen hat Spielmacher Daniel Stephan die Teilnahme an der Weltmeisterschaft abgesagt. Wieder einmal. Die Welttitelkämpfe bringen ihm einfach kein Glück.

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          Eines mag Daniel Stephan überhaupt nicht: wenn er als Pechvogel bezeichnet wird. Der 31Jahre Handball-Profi aus Lemgo antwortet dann: "Ich bin deutscher Meister geworden, Pokalsieger und Europameister, als Pechvogel hätte ich das nicht geschafft." Doch spätestens seit dem zweiten Weihnachtstag muß man Stephan ein wirklich außerordentliches Malheur attestieren.

          Nach dem 31:20 des TBV Lemgo gegen GWD Minden-Hannover am Sonntag sagte Stephan seine Teilnahme an der Handball-Weltmeisterschaft im Januar und Februar 2005 in Tunesien ab. Schmerzen am chronisch entzündeten Ellbogen hätten diesen Schritt zwingend notwendig gemacht, sagte der Regisseur der Nationalmannschaft.

          Unglaubliches Pech

          Die Absenz in Nordafrika paßt sich für Daniel Stephan in eine unglaubliche Folge von Pech ein - zum fünften Mal seit 1995 muß er auf die Welttitelkämpfe im Handball verzichten. Stephan hat in seiner äußerst erfolgreichen Laufbahn also noch nie bei einer WM gespielt, denn 1995 stand er lediglich im Aufgebot von Bundestrainer Arno Ehret, wurde aber nicht eingesetzt.

          Danach war er immer verletzt: an der Achillessehne, am Daumen, an der Schulter. Jetzt schmerzt der Ellbogen. Verzweifeln wollte Stephan auch nach diesem Tiefschlag nicht; viel zu oft habe er sich nach Brüchen und Rissen wieder zurück in den Profi-Sport gekämpft.

          Zum ersten Mal handelt es sich diesmal nicht um eine Verletzung während eines Spiels oder aus dem Training, sondern um eine Verschleißerscheinung. Das stellte Stephan positiv heraus.

          „Entscheidung schweren Herzens“

          Durch Schonung und Ruhe soll die Entzündung aus dem Ellbogen des dynamischen Antreibers weichen. Stephan sagt: "Mein Verstand hat gesiegt. Ich wäre gern nach Tunesien gefahren und treffe die Entscheidung schweren Herzens. Aber der Ellbogen braucht Ruhe."

          Stephan war erst im Sommer nach dem Triumph bei den Olympischen Spielen am Gelenk des rechten Arms operiert worden. Danach verlängerte der Profi seinen Vertrag bei Lemgo bis 2008. In Athen hatte die Handball-Welt den alten Stephan gesehen, denjenigen, der 1998 zum "Welthandballer des Jahres" gewählt worden war: einen Mittelspieler voller Dynamik und Wurfkraft.

          Gerade im Jahrhundertspiel gegen Spanien überzeugte der Lemgoer. Am Sonntag gegen Minden gelangen ihm noch vier Tore, doch der Preis für die Hatz durch den furchtbar gepreßten Terminkalender der Handball-Profis war hoch: "Es macht doch keinen Sinn, ich nehme nach jedem Spiel Tabletten", sagte Stephan.

          Kritik von Bundestrainer Brand

          Bevor er sich im Januar wird erholen können, muß er noch einmal auf die Zähne beißen. Am Mittwoch spielt der TBV Lemgo bei der SG Flensburg-Handewitt. Bundestrainer Heiner Brand nahm die vierte Abmeldung eines Stammspielers nach Henning Fritz, Jan-Olaf Immel und Markus Baur zum Anlaß für berechtigte Kritik am internationalen Kalender: "Die Belastung der Spitzenspieler ist einfach zu groß. Es gibt kaum noch Pausen. Alles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen." Brand steht nun ohne Spieler für die so wichtige Mittelposition da; Stephan hätte Baur vertreten sollen.

          Hoffen auf die WM im eigenen Land

          Gerade die Lemgoer, die die Hauptachse der Nationalmannschaft bilden, sind seit Jahren im Dauerstreß zwischen internationalen Turnieren und ihren Aufgaben mit dem TBV Lemgo. Stephan aber hat diese Belastung nie zur Ausrede hergenommen. Für ihn war vor allem die Europameisterschaft in Slowenien im Januar 2004 der Beweis, daß alle Verletzungen und Rückschläge ihm die Qualität nicht geraubt haben.

          Im Team des Europameisters zeigte er durchgehend gute Leistungen und glaubte, den Fluch besiegt zu haben, bei großen Turnieren zu oft zu fehlen. So aber wird es die dunkle Seite seiner Karriere bleiben, nie bei Weltmeisterschaften Regie geführt zu haben. Wer es positiv wenden möchte, sollte es so sehen: 2007 findet die WM in Deutschland statt. Wäre das nicht der ideale Laufbahn-Ausklang für einen gesunden Daniel Stephan?

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